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Hausse vorbei? Was Experten jetzt dem Gold zutrauen

Das Edelmetall hat sich in diesem Jahr besser gehalten als viele Aktien. Anleger, die Positionen aufbauen wollen, sollten mit einem Einstieg in Gold aber noch warten. Das erwarten Fachleute.

Von Carla Palm
am 26.10.2016

Die ersten neun Monate des Jahres kannte Gold beinahe nur eine Richtung: nach oben. Der Unzenpreis stieg in der Spitze bis auf 1375 Dollar. Seit Januar beträgt das Plus rund 20 Prozent. Am Schweizer Aktienmarkt Titel mit vergleichbarer Performance zu finden, fällt in diesem Jahr dagegen schwerer – jedenfalls unter den Gross­kapitalisierten.

Im SMI ragen im gleichen Zeitraum nur Geberit und ABB mit einer ähnlichen Leistung heraus. Müssen sich Anleger jetzt ärgern, wenn sie sich nicht rechtzeitig mit dem Edelmetall eingedeckt haben? Teils, teils. Das Makroumfeld verlangte Anfang Jahr und in den Monaten darauf sehr nach ­Absicherung. Die geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten wie die niedrigen Erdölpreise, der Krieg in Syrien, das schwache Wirtschaftswachstum in China setzten Aktienkurse unter Druck. Viele Anleger suchten als Folge nach ­Sicherheit. Das Niedrigzinsumfeld erschwerte die Lage zusätzlich und so ­profitierte vor allem Gold.

Gold hilft Fonds-Performance

Auch viele Fondsmanager, die eigentlich auf Aktien setzen, mischten ihren Produkten Gold bei. «Wir ­sehen Gold als eine Möglichkeit an, uns gegen geldpolitische Unwägbarkeiten zu hedgen. Damit meinen wir den zunehmenden Vertrauensverlust gegenüber den Zentralbanken», sagt James Clunie von Vermögensverwalter Jupiter AM. Seiner Meinung nach haben die un­vorhersehbaren geldpolitischen Experimente ein sehr fragiles Umfeld für die Finanzmärkte und die Volkswirtschaften geschaffen. Gold mache seinen Fonds insofern robuster gegenüber diesen Risiken.

Und doch – der Höhenflug des Edelmetalls hat sich seit Juli wieder merklich abgeschwächt. Eine der Ursachen dafür war, dass sich die Brexit-Sorgen unmittelbar als zu übertrieben herausstellten. Die Marktteilnehmer begannen, das Brexit-Risiko aus dem Goldpreis herauszupreisen, wie Dominic Schnider, Rohstoff-Experte bei UBS Wealth Management, erklärt. «Zudem ist die US-Notenbank Fed nun bereit, im Dezember die Zinsen zu heben, was den Dollar gestärkt hat», führt er aus. Und wenn die Zinsen steigen, ist Gold weniger attraktiv, da es kaum rentiert, aber Haltekosten verursacht.

Höhere Zinsen erwartet

Zurzeit halten gut zwei Drittel der von Bloomberg befragten Marktteilnehmer eine Erhöhung der US-Leitzinsen im ­Dezember für wahrscheinlich. Gemäss den Analysten von UBS ist diese Erwartung aber noch nicht voll im Goldpreis enthalten. Auch wenn die Korrektur des Unzenpreises mittlerweile wieder an ­Dynamik verloren hat und Gold nun eher seitlich tendiert, seien weitere Rückschläge nach wie vor möglich. Zinsentscheid der US-NotenbankWahrscheinlich ist sogar, dass der Goldpreis bis zum Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am 14. Dezember tief bleiben wird oder temporär unter 1200 Dollar je Unze fällt. «Das können wir nicht ausschliessen», sagt Schnider, der in Hongkong die Bewegungen des Edelmetalls beobachtet.

Asiatische Investoren, die traditionell einen grossen Einfluss auf den Goldpreis haben, geben sich im Moment eher vorsichtig. Fällt der ­Unzenpreis unter 1200 Dollar, dürfte von ihrer Seite wohl wieder mit Zukäufen zu rechnen sein. Für Privatanleger ist die Lage nicht ganz so eindeutig. Gemäss Schnider sollten sie mit dem Einstieg ­zuwarten, bis die Fed-Entscheidung im Dezember gefallen ist. «Die kommenden zwei Monate dürften negativ für Gold sein. Wenn wir diese Hürde genommen haben und das Fed seine vorsichtige Haltung gegenüber deutlich höheren Zinsen wiederholt, wird sich der Fokus auf die ­Realzinsen in den USA verschieben», so seine Prognose. Die Realzinsen sind es, die traditionell den Goldpreis am meisten bewegen. Rutschen sie im nächsten Jahr in den USA weiter in den negativen ­Bereich, getrieben von der Inflation, wäre das positiv für den Goldpreis.

Mit Rückschlägen rechnen

Zudem dürften die Zentralbanken insgesamt daran interessiert sein, die Realzinsen so lange wie möglich niedrig zu halten. «Dafür werden sie alles tun», meint Schnider. Auch dieser Umstand spricht strukturell für Gold. Die Analysten der UBS halten daher einen Unzenpreis von 1350 Dollar in den nächsten sechs bis zwölf Monaten für möglich. Für langfristig orientierte Anleger bleibt Gold eine gute Beimischung im Portfolio. Anleger, die Gold bereits seit längerer Zeit halten, sollten nun nicht verkaufen. Risikofähige Investoren können sich vor der Fed-Entscheidung positionieren, müssen allerdings mit zwischenzeit­lichen Rückschlägen rechnen.

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