Während die Weltbörsen mit dem MSCI World Index 2015 nicht sonderlich gut liefen, zeigen die deutschen Börsen eine gute Bilanz. So bringt der DAX seit dem Jahresstart ein Plus von 7 Prozent, bei den grossen Nebenwerten im MDAX ging es um 20 Prozent nach oben, der  technologielastige TecDAX liefert sogar einen Gewinn von 30 Prozent ab.

Speziell auf Nebenwerte fokussierte Anleger konnten somit eine fette Beute machen. Da stellt sich jetzt aber die Frage: Ist am deutschen Aktienmarkt im nächsten Jahr mit ähnlichen Gewinnen zu rechnen und wenn – bei welchen Titeln? Die Redaktion von stocksDigital hat sich einmal die Favoriten der Privatbanken Metzler und Bankhaus Lampe genauer angesehen und die aussichtsreichsten Kandidaten für 2016 herausgepickt.

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DAX – 2016 sind mehr als 12'000 Punkte drin

Zuerst einmal: Nach den schönen Steigerungen könnte 2016 holprig werden. «Nachhaltige Renditen zu erzielen, dürfte für Investoren nicht mehr so einfach werden, weil die Gewinnperspektiven der Unternehmen durch eine nur unterdurchschnittlich wachsende Weltwirtschaft gebremst werden», befürchtet Karsten Iltgen, Analyst des Bankhauses Lampe. Bei einer für den Jahresverlauf unterstellten breiten Handelsrange von 8500 bis 12'400 Punkten im DAX beziffert der Lampe-Aktienanalyst die Jahresendprognose für den Index auf 11'200 Punkte.

Etwas positiver fällt das Fazit für deutsche Aktien bei den Analysten von Metzler Capital Markets aus. Sie halten im Jahresverlauf 2016 einen DAX-Stand von 12'300 Punkten für erreichbar. Die Einflussgrössen, die schon im ersten Quartal 2015 für steigende Kurse an den Aktienmärkten gesorgt hatten, dürften dabei mit einer geringeren Dynamik erneut wirksam sein. So rechnet Strategieanalyst Hendrik König konträr zum Vorgehen der restriktiver werdenden US-Notenbank mit einer weiterhin expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Zudem erwartet der Analyst, dass die Euroschwäche im neuen Jahr zunächst andauern und der Ölpreis niedrig bleiben wird.

Es werden volatile Kursschwankungen erwartet

Dass sich der DAX kursmässig derzeit über seinen Durchschnittswerten seit 2007 bewegt, hält Analyst König mit Blick auf das Niedrigzinsumfeld für gerechtfertigt und das trotz des schon nicht mehr ganz günstigen KGVs von 13,2. In ihren Schätzungen gehen die Metzler-Analysten davon aus, dass die Gewinne deutscher Unternehmen in Summe auch in den nächsten Jahren moderat steigen werden.

«Fraglich ist aber, wie stabil sich diese Fundamentaldaten entwickeln werden», gibt König zu bedenken – vor allem mit Blick auf die makroökonomisch uneinheitlichen Tendenzen weltweit und auf die politische Unsicherheit in vielen Regionen. «Die hohe Volatilität am deutschen Aktienmarkt wird daher vermutlich anhalten», vermutet der Experte. Bezogen auf die Perspektiven von Einzelwerten haben Metzler und Lampe jedenfalls drei Titel ganz oben auf ihrer Liste.

Autozulieferer Hella – auf der Überholspur …

Mit HELLA KGaA Hueck & Co. (ISIN: DE000A13SX22) kommt der erste Favorit aus dem Automobilsektor. Dahinter steckt ein im MDAX enthaltenes Familienunternehmen, das für die Automobilindustrie Komponenten und Systeme der Lichttechnik und Elektronik fertigt und über eine der grössten Handelsorganisationen für Kfz-Teile, Zubehör, Diagnose und Serviceleistungen in Europa verfügt. In Joint-Venture-Unternehmen entstehen ausserdem komplette Fahrzeugmodule, Klimasysteme und Bordnetze. Mit einem Umsatz von 5,8 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2014/2015 zählt die seit November 2014 börsennotierte Gesellschaft zu den Top 40 der weltweiten Automobilzulieferer sowie zu den 100 grössten deutschen Industrieunternehmen.

Der Titel hatte über weite Strecken 2015 keinen einfachen Stand. Der bisher finale Ausverlauf erfolgte im September nach einer Gewinnwarnung, die durch eine unerwartete Auftragsstornierung durch einen chinesischen Kunden erforderlich wurde. Lampe-Analyst Christian Ludwig ist aber überzeugt, dass trotz der Gewinnwarnung die fundamentalen Wachstumstreiber nach wie vor intakt sind. Die Auftragsstornierung hält er für ein einmaliges Ereignis. Mit dem Elektronik- und dem Beleuchtungsgeschäft sei Hella in zwei strukturellen Wachstumsbereichen des Automobilzulieferersektors tätig. So profitiere Hella vom Trend zu mehr Sicherheit und Komfort sowie von den verschärften Umweltanforderungen, heisst es. Beides lasse die Bedeutung der Elektronik in den Fahrzeugen wachsen. Mit einer geschätzten jährlichen Wachstumsrate von 8,9 Prozent für den Zeitraum 2014 bis 2017 liege das Unternehmen deutlich über dem voraussichtlichen Wert für die weltweite Produktion, der sich auf 3 bis 4 Prozent belaufen dürfte.

… und 50 Prozent Kurspotenzial

Auch Metzler-Auto-Analyst Jürgen Pieper gibt sich zuversichtlich. Sein Optimismus ist auch in der Autoproduktion begründet. Diese sei ein führender Indikator für ein Unternehmen wie Hella, und deshalb seien die in den vergangenen drei bis vier Monaten in den meisten Weltregionen zu beobachtenden anziehenden Produktionszahlen ermutigend. Unter anderem habe sich China von einem im Frühling und Sommer erlittenen Schwächeanfall erholt. Wegen der grossen Bedeutung von China für Hella sei das eine wichtige Entwicklung. Denn mit einem Umsatzanteil von mehr als 20 Prozent sei China für das Unternehmen wichtiger als für alle anderen deutschen Autozulieferer. Auch sonst sei zuletzt in wichtigen Konzernbereichen eine Geschäftsbelebung zu beobachten gewesen. Als Kursziel nennt Pieper 57 Euro – ein Ziel, das sich um rund 50 Prozent über dem aktuellen Kurs befindet.  

Commerzbank-Aktie – ein Turnaround-Kandidat …

Sowohl Metzler als auch Lampe stufen auch die Aktie der Commerzbank AG (ISIN: DE000CBK1001) als Top-Empfehlung ein. Die zweitgrösste Grossbank Deutschlands sieht sich selbst als eine führende, international agierende Geschäftsbank mit Kernmärkten in Deutschland und Polen. Das Institut verfügt über eines der dichtesten Filialnetze unter den deutschen Privatbanken und stuft sich als unangefochtener Marktführer in der Mittelstandsfinanzierung ein. Mit den Töchtern comdirect und der polnischen mBank verfügt das Frankfurter Geldhaus über zwei innovative Online-Banken.

Metzler-Analyst Jochen Schmitt begründet seine Kaufempfehlung für diesen Wert mit der Wiederherstellung einer vernünftigen Kapitalausstattung und den verbesserten operativen Ergebnissen. Die Eigenkapitalrendite von voraussichtlich nur 3,5 Prozent in diesem Jahr decke zwar noch immer nicht die Kapitalkosten, doch die Chancen für eine anziehende Eigenkapitalrendite werden als positiv beurteilt, weil das Institut über eine starke Stellung im deutschen Mittelstand verfüge und weil die nicht zum Kerngeschäft zählenden Vermögenswerte nicht mehr so aufgebläht seien. Vor allem aber: Der Titel wird mit einem Discount von 60 Prozent gegenüber dem Buchwert gehandelt.  

… und Phantasie durch neuen Vorstand

Auch Lampe-Analyst Neil Smith setzt auf eine baldige Neubewertung der Commerzbank-Aktie. Bewirken könnten das schnellere Fortschritte als erwartet beim Abbau der nicht zum Kerngeschäft gehörenden Konzerneinheiten. Hinzu kämen Kosteneinsparungen, die durch den wachsenden Einsatz von Mobile Banking grösser als angenommen ausfallen könnten. Denkbar sei zudem eine schnellere Nutzung steuerlicher Verlustvorträge in der Höhe von 15 Milliarden Euro, was den Nettoinventarwert um rund 10 Prozent erhöhen würde. Neue Impulse könnten ausserdem von der Ernennung eines neuen Vorstandschefs ausgehen. Dieser Personalwechsel könnte mit neuen Zielsetzungen bis zum Jahr 2020 einhergehen, die positiv überraschen könnten.

Das Kursziel beziffert Smith auf 14,00 Euro, was rund 50 Prozent über der aktuellen Notierung liegt. Interessant sind übrigens auch die Dividendenschätzungen von Lampe. Für die Jahre 2014 bis 2018 werden steigende Ausschüttungen von 0,20, 0,40, 0,60 und 0,80 Euro je Aktie prognostiziert. Gemessen an der Vorgabe für 2018 würde sich bei Eintreffen dieser Prognose im 2018 eine Dividendenrendite von 8,5 Prozent ergeben. Metzler taxiert das Kursziel für Commerzbank auf 13,20 Euro, was einem Potenzial von etwa 40 Prozent entspricht.

Metro – im Konzernumbau steckt hohes Potenzial

Die Aktie des MDAX-Mitglieds Metro AG (ISIN: DE0007257503) befindet sich nach wie vor auf einer volatilen Richtungssuche, wobei dieses Kursverhalten mit den Unsicherheiten über den Ausgang des Konzernumbaus zu erklären ist. Nach schwierigen Jahren versucht der gemessen am Marktwert viertgrösste Handelskonzern Europas derzeit, sich neu zu erfinden. Vertreten ist das Unternehmen in 30 Ländern an mehr als 2000 Standorten. Nach dem erfolgten Verkauf des Warenhausgeschäfts Galerie Kaufhof im Juni 2015 ist der Konzern in drei Geschäftsfelder gegliedert: Metro Cash & Carry (C&C) stellt den globalen Marktführer im Selbstbedienungs-Grosshandel und ist in 28 Ländern operativ tätig. Media-Saturn ist der europäische Marktführer im Bereich Elektrofachgeräte und in 15 Ländern aktiv. Real ist das Einzelhandelsgeschäft, das mehrheitlich im Lebensmittelsegment aktiv ist und ausschliesslich in Deutschland operiert.

Mitte Dezember hat der Handelskonzern für das neue Jahr Zuwächse sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis in Aussicht gestellt. Die Erlöse sollen 2015/16 demnach genauso wie das bereinigte operative Ergebnis währungsbereinigt leicht zulegen. Laut CEO Olaf Koch soll nach zahlreichen Verkäufen von Unternehmensteilen nun in den Wachstumsmodus geschaltet und kontinuierlich beschleunigt werden. Mittelfristig will Koch ein flächenbereinigtes Wachstum von mehr als 2 Prozent erreichen. Die Ebit-Marge soll bis etwa 2020 von 2,6 auf 3,5 Prozent steigen.  

Russland bietet Chancen

Risiken, aber auch Chancen, im Fall einer konjunkturellen Erholung stecken derzeit im Russlandgeschäft. Beim Gewinn je Aktie rechnet Lampe-Analyst Peter Steiner für 2015 mit einem starken Anstieg von 0,39 auf 2,15 Euro. Danach ist aber mit prognostizierten 1,73 Euro und 2,09 Euro kein weiterer Schwung zu erwarten. Das Kursziel veranschlagt Steiner auf 35 Euro – ein Potenzial von rund 20 Prozent.

Christian Bruns von Metzler nennt ein ähnliches Kursziel von 36 Euro. Lobend erwähnt der Analyst die in den vergangenen Jahren erfolgte Trennung von Nicht-Kernaktivitäten wie C&C Griechenland, Dänemark und Vietnam sowie den Verkauf von Real Osteuropa und Real Türkei sowie von Galeria Kaufhof. Die einzig verbliebene Schwachstelle bei Metro stellt nach Einschätzung des Experten Real Deutschland dar.