Börse und Wirtschaft kann ein trockenes Thema sein. Hinter auf den ersten Blick langweiligen Begriffen und Abkürzungen stecken aber oft spannende Zusammenhänge. Capex oder Capital Expenditures, also die Ausgaben von Unternehmen für Investitionen, gehört dazu. Hohe Investitionen können sich mittel- bis langfristig durch hohes Wachstum bezahlt machen. 

Deshalb sind die Prognosen steigender Capex-Ausgaben positiv zu werten. Tatsächlich greifen Unternehmen derzeit für Investitionen tief in die Tasche. Nach Angaben des Beratungshauses GaveKal Capital erreichten die Capex-Ausgaben der Mitglieder im MSCI World im vergangenen Jahr mit 7,9 Prozent vom Umsatz das zweithöchste Niveau der letzten neun Jahre.

Investitionen in Europa sollen wieder steigen

Besonders viel wird in Schwellenländern investiert, aber auch die USA sind im Investitionszyklus weit vorangeschritten. Echten Nachholbedarf hat hingegen das krisengeplagte Europa. Nach Angaben von J.P. Morgan ist das Verhältnis der Investitionen gegenüber den Umsätzen hier auf einem Rekordtief. Dabei befinden sich die Capex-Ausgaben ohne Wohnungsbau im Euroraum seit langem im Abwärtstrend. Lagen diese Anfang der 1990er-Jahre noch bei über 17 Prozent, so sind es jetzt nur noch knapp mehr als 12 Prozent. Doch nachdem sich auf dem alten Kontinent die Konjunktur langsam stabilisiert, dürfte wieder mehr investiert werden. So sagt Goldman Sachs für dieses und für das nächste Jahr ein Plus bei den Investitionsausgaben in Europa von 4 und 6 Prozent voraus.

Anzeige

Aber sogar im investitionsfreundlichen Amerika stehen die Aussichten auf höhere Capex nicht schlecht. Immerhin besteht Bedarf. Wie die Bank of America Merrill Lynch ermittelt hat, sind die Vermögenswerte in den Bilanzen der US-Unternehmen derzeit nämlich mit einem Durchschnittsalter von 15,9 Jahren so alt wie seit 1995 nicht mehr. Ausserdem weisen die Analysten darauf hin, dass die Kapazitätsauslastung der Firmen auf rund 80 Prozent gestiegen ist – und hohe Auslastung bringt erfahrungsgemäss den Investitionszyklus auf Trab. Dass Nachholbedarf besteht, sehen offensichtlich auch Fondsmanager. Nach einer Befragung von Anlageprofis durch die Bank of America Merrill Lynch würden 60 Prozent von ihnen steigende Capex-Ausgaben befürworten. Ein Rekord-Niveau!

Feintool, Temenos, Kühne + Nagel – gutes Verhältnis zwischen Capex und Rendite

Auf den ersten Blick sollten Börsianer auf Firmen mit hohen Capex setzen. Doch profitieren Aktionäre nicht immer von steigenden Investitionen. Wie Morgan Stanley berechnet hat, kommt es nur bei Aktien von denjenigen Firmen zu überdurchschnittlichen Kurssteigerungen, die ihre Capex-Ausgaben moderat ausbauen und bei solchen, bei denen steigende Capex-Ausgaben mit einer steigenden Eigenkapitalrentabilität verbunden sind.

Nach Untersuchungen von Morgan Stanley können in der Schweiz mit dieser Kombination unter anderem Temenos (ISIN: CH0012453913), Kühne + Nagel (ISIN: CH0025238863) sowie Nobel Biocare (ISIN: CH0037851646) aufwarten. Morgan Stanley zählt hierzu auch Feintool AG (ISIN: CH0009320091). Anders als die zuerst genannten Titel mit KGVs von über 20 ist die Aktie des Maschinenbauers auf Basis 2015 mit einem 13er-KGV noch vergleichsweise niedrig bewertet. Vor allem angesichts der erwarteten Wachstumsraten beim Gewinn. So rechnen die Analysten der Berenberg Bank mit einer Steigerung beim Ergebnis je Aktie von 4.59 Franken im 2013 auf 8.35 Franken im 2016. Die Bewertung würde dann sogar auf ein moderates 11er-KGV abschmelzen.

Anzeige

Hohe Korrelation zwischen Umsatz- und Capex-Wachstum bei Georg Fischer

Als Profiteure steigender Capex-Ausgaben gelten in der Regel auch Unternehmen, bei denen die Einnahmen weniger vom privaten Konsum abhängen als von den Ausgaben anderer Gesellschaften. Unter diesem Aspekt weisen nach Berechnungen von Goldman Sachs aus der Schweiz folgende Unternehmen die grösste Korrelation zwischen Umsatzwachstum und Capex-Wachstum im Stoxx Europe 600 auf: Sulzer AG (ISIN: CH0038388911, Korrelation: 0,54), ABB Ltd. (ISIN: CH0012221716, Korrelation: 0,73) und Georg Fischer AG (ISIN: CH0001752309, Korrelation: 0,65). Bei diesen Unternehmen zahlen sich hohe Investitionen also besonders aus.