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Hohe Kursgewinne für ausserbörsliche Nebenwerte

Zur Rose: Der Verkauf von Medikamenten via Internet verspricht hohe Wachstumsraten. Keystone

Während der SMI in Krisenzeiten immer wieder steil nach unten fällt, zeigen sich nichtkotierte Schweizer Nebenwerte oft krisenresistent. Langfristig gibt es sogar hohe Kursgewinne. Ein paar Favoriten.

Von Georg Pröbstl
am 22.01.2015

Crash 2009 und Kursrückgänge von 30 Prozent innert weniger Monate. Crash auch nach Fukushima und kurz danach im Sommer 2011 mit 20 Prozent Verlust. Im Oktober folgte der nächste Schlag mit einem schnellen Einbruch um 10 Prozent. Und jetzt der nächste Dämpfer: Seit dem SNB-Entscheid zum Mindestkurs rutschte der Schweizer Leitindex bereits 15 Prozent nach unten.

Kein Wunder, dass viele Anleger verzweifelt sind: «Aktien sind einfach nichts für mich» – das ist nach den zahlreichen Korrekturen und Kurszusammenbrüchen der letzten 10 oder 15 Jahre oft zu hören. Tatsächlich ist die Zahl der Schweizer, die direkt Aktien halten, seit dem Jahrtausendboom von 30 Prozent auf unter 20 Prozent gefallen. Diese Entwicklung, mit dem ständigen Rückgang der Zahl der Aktionäre, ist aber auch in vielen anderen Ländern zu beobachten. Dabei ist die Aktienquote in der Schweiz sogar vergleichsweise hoch. In Deutschland beispielsweise haben nicht einmal 10 Prozent der Anleger direkt Aktien im Besitz.

Nichtkotierte Nebenwerte – geringe Risiken und hohe Gewinne

Während der Blick auf den SMI derzeit an Aktien zweifeln lässt, geht es jenseits der grossen Börsenwelt viel ruhiger zu. Konkret bei den ausserbörslichen, nichtkotierten Nebenwerten. So verbuchen die auf der Handelsplattform der Berner Kantonalbank rund 300 ausserbörslich gehandelten Nebenwerte im BEKB-All-Share-Index im aktuellen Kurseinbruch ein Minus von 2,5 Prozent. Im Sommer 2011, bei Ausbruch der Euro-Schuldenkrise, waren die Verluste des Index mit 8 Prozent nicht allzu hoch, und 2009 war das Minus mit 15 Prozent nur halb so gross wie im SMI. Damit war das Risiko in Form von starken Kursausschlägen beim BEKB-All-Share weit niedriger als bei grossen Standardwerten.

Viele denken jetzt: Ja, aber geringe Risiken sind auch mit geringen Chancen verbunden. Bei den nichtkotierten Titeln scheint das allerdings nicht zu stimmen. Denn während der SMI bei immer wieder hohen Kursschwankungen in den letzten zehn Jahren Kursgewinne von rund 40 Prozent gebracht hat, hat sich der BEKB-All-Share-Index im selben Zeitraum bei geringen Ausschlägen fast verdoppelt.

Nichtkotierte Werte – denken wie ein Investor

«Bei den nichtkotierten Nebenwerten sind die Kursrückgänge in Crashphasen wegen der Zusammensetzung des Aktionariats vergleichsweise gering», berichtet Björn Zern, Börsenexperte beim auf Schweizer Nebenwerte spezialisierten Infodienst www.schweizeraktien.net. Wie der Kenner des OTC-Markts erklärt, sind dort nämlich wegen der üblicherweise vergleichsweise niedrigen Marktkapitalisierung internationale und institutionelle Investoren eine Seltenheit. Die Aktien liegen überwiegend in der Hand von Schweizer Anlegern, oft mit regionalem Bezug zum jeweiligen Unternehmen.

Fehlende institutionelle Investoren bedeutet aber: In Krisenzeiten wird das Kapital nicht in panischer Angst und schnell ins Ausland umgeschichtet, heftige Kursreaktionen bleiben den nichtkotierten Titeln in der Regel erspart. Viele ausserbörsliche Unternehmen legen auch grossen Wert auf ein stabiles Aktionariat und verzichten beispielsweise auf einen Aktiensplit. «Es gibt sehr viele schwere Aktien mit Kursen von über 1000 Franken im OTC-Handel. Das reduziert zwar die Handelbarkeit, erhöht aber die Verbindung zum Unternehmen.

Im ausserbörslichen Segment denken viele Anleger wie ein Investor oder Unternehmer mit mittlerem bis langem Zeithorizont», weiss Zern. Tatsächlich befinden sich auf dem Kursblatt von BEKB-All-Share von den rund 300 dort gelisteten Unternehmen rund 125 Titel mit einem zumindest vierstelligen Kurs. 20 Titel kosten sogar mehr als 10'000 Franken, wobei die Reishauer AG mit rund 60'000 Franken der absolut schwerste Wert ist.

Starke Bilanz und hohe stille Reserven

Stabilisierend auf die Kurse wirkt auch ein anderer Punkt: Die Substanz. «Viele nichtkotierte Unternehmen sind unterbewertet, verfügen über starke Eigenkapitalquoten und über eine hohe Substanz, etwa in Form von betriebseigenen Liegenschaften oder sonstigen stillen Reserven», sagt Zern. Und genau diese Unterbewertung eröffnet im Lauf der Zeit ein hohes Kurspotenzial.

Wenngleich sich die Aktien von ausserbörslich gehandelten Unternehmen auch jetzt wieder als krisenresistent erweisen, sollten Anleger im Moment doch bei der Branchenwahl etwas selektieren. Insbesondere im Tourismus, beispielsweise bei Bergbahnen, wird wohl die Frankenstärke zumindest Unsicherheit, wenn nicht schwächere Geschäfte bringen. Möglicherweise werden Touristen aus dem Euro-Raum ausbleiben oder einheimische Skifahrer werden im grenznahen Gebiet von Österreich oder Frankreich lieber beim günstigeren Nachbarn auf der Piste fahren.

Menzi Muck, Zur Rose, Lorze – internationale Expansion, neue Organisation und Neuausrichtung

Jenseits des Tourismus scheinen einige Titel interessant zu sein, wie der Baggerhersteller Menzi Muck aus St. Gallen. Der Maschinenbauer setzt auf Innovationen und auf neue Produkte und verstärkt auch auf die internationale Expansion, etwa nach China und Indonesien. Das Unternehmen Zur Rose ist nach eigenen Angaben die Nummer eins im Arzneimittelversand in Europa. Die Online-Apotheke hat vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass sie eine neue Organisationsstruktur hat.

Interessant ist auch die Lorze AG. Bei der Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft läuft derzeit eine Neuausrichtung. Obendrein sind hohe stille Reserven im Unternehmen zu vermuten sowie eine deutliche Unterbewertung.

Patiswiss – möglicherweise ein Profiteur des starken Frankens

Es ist möglich, dass der Confiseur und Spezialist für das Rösten von Nüssen und Kernen, Patiswiss, sogar vom starken Franken profitieren wird. Das Unternehmen bezieht die wichtigsten Rohstoffe – Haselnüsse und Mandeln – aus der Türkei sowie aus Spanien, Italien und aus den USA – alles Länder mit Währungen, die gegenüber dem Franken an Wert verloren haben.

Zusätzlich könnte es bei den importierten Fertigprodukten – Patiswiss ist Generalimporteur von Lebensmitteln aus Dänemark und importiert weitere Markenprodukte – in der Schweiz einen Preisrückgang mit entsprechenden Absatzsteigerungen geben.  

Die meisten nichtkotierten Nebenwerte haben aber noch eines gemeinsam: In der Regel geringe Handelsvolumina an der Börse mit entsprechend hohen Kursspannen zwischen Geld- und Briefkurs. Anleger sollten dort deshalb nur mit Limit ordern und die Aktien nötigenfalls über einen längeren Zeitraum langsam einsammeln. Mehr zum Anlageuniversum des ausserbörslichen Handels finden Anleger beispielsweise auf www.schweizeraktien.net, www.otc-x.ch oder zkb.ch.

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