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Gastkolumne
Hohe Volatilität, tiefe Zinsen: Wie lege ich jetzt mein Geld an?

André Bantli: Head Distribution BlackRock Schweiz.

Die Lage für Bondsanleger ist ernst: Seit einiger Zeit gibt es nur noch sehr tiefe oder gar negative Zinsen, und inzwischen ist auch die Volatilität erhöht. Unconstrained-Strategien helfen.

Von André Bantli
am 10.12.2015

Vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar, doch seit einiger Zeit haben die Renditen von Staatsanleihen teilweise negative Niveaus erreicht. Vor allem Anleger, die eher risikoavers eingestellt waren, investierten in die schwankungsärmere Anlagevariante der Obligation, bei geringen, aber stabilen Erträgen. In der Anleihen-Hausse der letzten drei Jahrzehnte konnten Anleger bei einem überschaubaren Risiko einen positiven realen Wertzuwachs verzeichnen. Die Situation hat sich nun jedoch geändert. Die Grafik zeigt, in welchen Laufzeitbändern die Renditen von Staatsanleihen der grossen Industrieländer noch positiv (grün) und in welchen sie inzwischen negativ (blau) sind. Es wird deutlich, dass mit der Anlage in Staatsanleihen ein realer Verlust einhergehen kann.

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STatistik

Es gibt auch eine Reihe von Investoren, die dies in Kauf nehmen, weil sie auf der anderen Seite davon ausgehen, dass Investitionen in Staatsanleihen wenigstens schwankungsarm sind. Doch in den letzten Monaten boten niedrigverzinste Anlagen nicht einmal mehr Schutz vor hoher Volatilität.

Gestiegene Volatilität – die Gründe

Neben der Bereitstellung von Liquidität an den Bankensektor im Zuge der Finanzkrise und der Unterstützung von Staaten während der Euroschuldenkrise war eines der Ziele der Geldpolitik die konjunkturelle Belebung in den jeweiligen Ländern. In den USA gaben verbesserte Wirtschaftsdaten in diesem Jahr nun Grund zur Hoffnung für einen Wachstumspfad, sodass die US-Notenbank Fed erstmals seit neun Jahren ein Ende ihrer expansiven Geldpolitik in Aussicht stellt. Mit der Ankündigung einer Leitzinserhöhung, sofern die positiven Wirtschaftsdaten sich weiter verbessern, kehrte auch eine erhöhte Volatilität an die Anleihenmärkte zurück.

Seit der Ankündigung, das Anleihenkaufprogramm werde auslaufen gelassen und eine Zinserhöhung angegangen, beobachtet die Fed die Wirtschaftsdaten in den USA sehr genau. Solange noch die Möglichkeit einer konjunkturellen Delle besteht, hält sich die Fed mit der Umsetzung der Massnahme noch zurück. Viele Investoren mit US-Anleihenbeständen wollen Kursverluste in ihren Portfolios vermeiden, die durch steigende Zinsen verursacht werden.

Zunehmende Spekulation über den Zinsschritt

Durch die Spekulationen über den genauen Zeitpunkt der Anpassung der Geldpolitik versuchen sich viele Marktteilnehmer rechtzeitig zu positionieren, was ebenfalls zu Volatilität im Anleihenmarkt führt. Hinzu kommt, dass die führenden Zentralbanken keine einheitliche Geldpolitik umsetzen, sondern, dass sich die Gruppen der Zentralbanken je in einen Block restriktiver und expansiver Geldpolitik aufteilen.

Die Folge ist, dass im aktuellen Umfeld die Durationssteuerung eine zentrale Bedeutung einnimmt. Diese Problematik greifen hochflexible Anleihenstrategien auf, auch «Unconstrained» genannt. Sie passen ihren Anlageansatz der jeweiligen Martklage an und können so taktisch Ertragsquellen nutzen und die Duration hochflexibel steuern.

André Bantli, Head Distribution BlackRock Schweiz