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Hohe Volatilität – Zertifikate sind besonders attraktiv

Zertifikate auf Versicherer bieten derzeit extrem tiefe Barrieren. Keystone

Infolge Börsencrash, vor einer Woche, wurden viele Zertifikate ausgeknockt oder Barrieren wurden niedergerissen. Die hohe Volatilität schafft jetzt aber attraktive Konditionen für neue Produkte.

Von Wolfgang Hagl
am 22.01.2015

Der vor einer Woche durch die SNB ausgelöste «Schwarze Donnerstag» schlägt nicht nur bei Investoren, Unternehmen und Analysten hohe Wellen. Auch der Markt für strukturierte Produkte ist in Aufruhr. Die unerwartete Abschaffung des Euro-Mindestkurses bescherte dem Derivatgeschäft heftige Turbulenzen. «Die Emittenten wurden – wie fast alle Finanzmarktakteure – eiskalt erwischt», erklärt Martin Raab, Chefredaktor beim Fachmagazin «payoff».

Gleichzeitig fielen zahlreiche Produkte mit Sicherheitsbarriere oder Knock-out dem Ausverkauf zum Opfer. «Allein am Donnerstag und Freitag vergangener Woche waren davon mehr als 1000 Mini-Futures, Knock-out-Warrants und Barrier Reverse Convertibles betroffen», weiss Raab. Zahlreiche Anleger sahen sich plötzlich mit tiefroten Zahlen oder gar mit einem Totalverlust konfrontiert. Wer sich rechtzeitig auf die Short-Seite stellte, konnte hingegen erheblich profitieren.

Anstieg der Volatilität – hohe Coupons und tiefe Schutzschwellen, …

«Während einige Marktteilnehmer ihre Positionen liquidierten, hat es auch zahlreiche Akteure gegeben, welche den plötzlichen Anstieg der Volatilität ausgenutzt haben, um neue Positionen zu eröffnen», berichtet Manuel Dürr, Head Public Distribution bei Leonteq Securities. In der Tat ist es bei den impliziten Kursschwankungsbreiten zu immensen Spitzen gekommen. Der VSMI, dieser Gradmesser spiegelt die in SMI-Optionen eingepreiste Volatilität wider, notierte zwischenzeitlich bei mehr als 35 Prozent. Vor dem SNP-Paukenschlag lag das Risikobarometer nicht einmal bei der Hälfte. Mit rund 26 Prozent steht der VSMI nach wie vor auf dem höchsten Niveau seit Herbst 2011.

Für eine Reihe von strukturierten Produkten hat diese Tatsache unmittelbar Folgen. Beispielsweise agiert der Anleger beim Barrier Reverse Convertible (BRC) als Verkäufer von impliziter Volatilität. Insofern können die Emittenten im aktuellen Umfeld besonders hohe Coupons und/oder tiefe Schutzschwellen bieten. Leonteq setzt an letztgenannter Stellschraube an. «Wir offerieren aktuell zahlreiche Renditeoptimierungsprodukte mit Barrieren im Bereich von 49 Prozent bis 59 Prozent, damit wir dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis gerecht werden können», erklärt Dürr.

…, aber die Risiken sind erhöht

Gerade, was BRC anbelangt, läuft die Emissionsmaschinerie bei mehreren Häusern auf Hochtouren. «Wir gehen davon aus, dass die implizite Volatilität nicht lange Zeit auf diesen hohen Niveaus verharren wird», schreibt beispielsweise das Struki-Team der ZKB in einem Kunden-Mailing. Die Kantonalbank könnte Recht behalten.

Schliesslich zählt es zu den Wesenszügen der Kursschwankungsbreite, dass sie im Zeitverlauf immer wieder zu ihrem Mittelwert zurückkehrt. Der Fachjargon spricht hier von der Mean Reversion. Gleichwohl ist völlig offen, wann sich die Lage dauerhaft beruhigen wird. Daher sollten Anleger auch die Kehrseite der aktuellen Situation beachten. In den vergleichsweise attraktiven Konditionen kommt ein erhöhtes Risiko des Barrierebruchs zum Ausdruck.

Impuls für den Börsenhandel

Ungeachtet dessen bescherte der «Schwarze Donnerstag» der Schweizer Börse florierende Geschäfte. Die Handelsvolumen sind im Aktienbereich regelrecht explodiert, und die SIX Structured Products Exchanges wird wohl einen deutlichen Impuls erlebt haben. 2014 waren die Umsätze auf dieser Plattform um mehr als einen Zehntel auf 26,8 Milliarden Franken geschrumpft – der dritte Rückgang in Folge. Ob der Negativtrend nun gestoppt ist, bleibt dahingestellt. Zumindest die SNB hat ihr Pulver als Impulsgeber vorerst verschossen – worüber wohl weder die Börse, noch Banken oder Investoren sonderlich traurig sind.

Callable Barrier Reverse Convertible auf Nestlé, Novartis, Roche (ISIN CH0263375336)

Rund 60 Prozent der SMI-Kapitalisierung stecken in dieser ZKB-Neuemission. Die drei grössten heimischen Börsenunternehmen bringen einen Coupon von 7,5 Prozent p.a. mit. Diese Renditechance ist an einen Risikopuffer von 30 Prozent gekoppelt. Sollte das Polster nicht reichen, droht zum Laufzeitende im August 2016 die Lieferung des Basiswertes mit der schwächsten Performance. Im kommenden August sowie Anfang Februar 2016 hat die ZKB das Recht, den BRC vorzeitig zu kündigen und zurückzuzahlen.

Bonus-Zertifikat auf SMI (ISIN CH0242022017)

Julius Bär bietet Anlegern die Möglichkeit, nach dem Ausverkauf teilgeschützt im heimischen Leitindex einzusteigen. Solange die 20 Blue Chips in den kommenden zwei Jahren nicht die Barriere bei 75 Prozent des anfänglichen Indexstands reissen, wirft das Derivat mindestens die Bonusrendite von 6 Prozent ab. Sollte der SMI per Verfall höher notieren, steigt die Rückzahlung entsprechend. Hingegen erlischt die Bonus-Funktion, sobald es zu einer Schwellenverletzung kommt. In diesem Fall ist der Halter des Produkts dem vollen Kursrisiko des Basiswertes ausgesetzt.

Barrier Reverse Convertible auf Axa, Swiss Re, Zurich Insurance Group (ISIN CH0266703450)

Zwei heimische Versicherungsaktien kombiniert Leonteq mit dem französischen Branchenvertreter Axa. Auf Basis dieses Trio ist ein garantierter Coupon von 6 Prozent p.a. möglich. Die Barriere liegt bei tiefen 55 Prozent. Solange keiner der drei Valoren auf oder unter diese Schwelle abtaucht, zahlt die Emittentin Anfang Februar 2018 den Nominalwert vollständig zurück, andernfalls müssen Anleger mit Abschlägen bei der Tilgung rechnen.

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