Als Holcim und Lafarge am vergangenen Montag die geplante Fusion ankündigten, griffen die PR-Experten zu einer bekannten Schlagzeile: «Merger of Equals». Ob und wann es tatsächlich zu einem Zusammenschluss unter Gleichen kommen wird, muss sich noch zeigen. Die beiden grössten Baustoffunternehmen der Welt möchten die Transaktion im ersten Halbjahr 2015 vollziehen. Ein ehrgeiziger Plan, da durch den Zusammenschluss ein Koloss entstehen würde, der es auf einen Jahresumsatz von 39 Milliarden Franken bringen würde und der rund um den Globus in 90 Ländern aktiv wäre.

Den Protagonisten war wohl klar, dass sie mit diesem Deal die Kartellwächter auf den Plan rufen werden. «Wir werden sofort mit der Europäischen Kommission und mit anderen Wettbewerbsbehörden Gespräche in einem konstruktiven Geist aufnehmen», sagte Lafarge-CEO Bruno Lafont.

Fusion – ein Verbot ist nicht ausgeschlossen

Ungeachtet dessen sollen weltweit Geschäftsaktivitäten verkauft werden, die zusammen 10 bis 15 Prozent zum operativen Ergebnis der beiden Unternehmen beisteuern. Analysten sind dennoch skeptisch. Helvea-Experte Patrick Appenzeller hält ein Verbot der Fusion für möglich. «Wir denken, dass die regulatorische Genehmigung längern dauern wird, als erwartet», meint Ute Haibach, Aktienanalystin bei J. Safra Sarasin. Skeptisch ist sie auch, was die angestrebten Synergien anbelangt. Beim operativen Ergebnis streben die Manager innerhalb von drei Jahren einen Effekt von gut 3 Prozent der Umsätze an. Haibach hält in der Baustoffindustrie aber Kostensynergien von lediglich 1 bis 2 Prozent der Erlöse für normal. Da auch die Bewertung der Holcim-Aktie nicht günstig sei, hält sie am Rating «Neutral» fest.

Anzeige

Von anderen Häusern kommt Applaus. Neben der Deutschen Bank stufte unter anderem die UBS den SMI-Titel auf «Kaufen» herauf. Die heimische Grossbank sieht durch den Zusammenschluss einen enormen Wertzuwachs. Fest steht, dass Holcim bereits rund 7 Prozent an Wert gewonnen hat seit der Deal bekannt geworden ist. Gegenüber dem 2013er-Ultimo steht mittlerweile ein Plus von 22 Prozent zu Buche. Damit schob sich der Baustofftitel an die Spitze des SMI-Rankings. Da die Aktie auch in puncto impliziter Volatilität herausragt, bieten sich Renditeoptimierungsprodukte als Alternative zum Direktinvestment an. Frisch am Markt ist ein Discount-Zertifikat der UBS. Es räumt Anlegern einen Abschlag von 6,9 Prozent auf den Aktienkurs ein. Im Gegenzug ist die Partizipation an steigenden Notierungen bei Holcim auf den Cap bei 85 Franken begrenzt. Selbst, wenn sich der Basiswert seitwärts entwickelt, stellt das Produkt eine Rendite von immerhin 7,6 Prozent p.a in Aussicht.

HeidelbergCement könnte zu den Gewinnern zählen

Möglicherweise kristallisiert sich in den kommenden Monaten ein Konkurrent als lachender Dritter der geplanten Fusion heraus. HeidelbergCement gilt als erster Kandidat für den Kauf von bei Holcim und Lafarge frei werdenden Konzernteilen. Zumal Cemex, weltweit Nummer vier, unter einer hohen Schuldenlast ächzt. Insofern dürften die Mexikaner als Mitbieter keine allzu grosse Rolle spielen. HeidelbergCement könnte der Umstand in die Hände spielen, dass die Fusionspartner unter Handlungszwang stehen. «Wenn Werke aus kartellrechtlichen Gründen verkauft werden müssen, drückt das natürlich den Preis», zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Branchenkenner. Allerdings ist HeidelbergCement selbst finanziell nicht auf Rosen gebettet. Ende 2013 erreichte die Verschuldung 7,5 Milliarden Euro. Helfen könnte der Verkauf einer Sparte. Die Deutschen wollen den Bereich Bauprodukte, zu dem unter anderem Ziegel und Beton-Fertigteile zählen, losschlagen.

Anzeige

Operativ hofft das Unternehmen, im laufenden Jahr vom globalen Wirtschaftsaufschwung profitieren zu können. Das Management möchte Umsatz und Ergebnis weiter steigern. Die Analysten von Goldman Sachs sind überzeugt, dass HeidelbergCement dies schaffen wird. Sie unterstrichen nach dem Bekanntwerden des beabsichtigten Holcim-Lafarge-Deals ihre Kaufempfehlung für HeidelbergCement. Interessant ist der deutsche Blue Chips aus charttechnischer Sicht. Gerade gelang der Aktie der Ausbruch über den harten Widerstand bei 60 Euro. Mutige Anleger können mit einem Faktor-Zertifikat der Commerzbank gehebelt auf weitere Avancen setzen. Ein deutlich defensiveres Investment stellt die Positionierung im gesamten Sektor dar. Im STOXX Europe 600 Construction and Materials sind neben Baukonzernen und Baustoffanbietern auch Spezialisten wie Geberit oder Sika zu finden. Die UBS führt ein Tracker-Zertifikat auf diesen Index im Angebot.

Anzeige

Die Zementbranche wird durchgemischt – vier Picks für Anleger

UBS-Discount-Zertifikat auf Holcim (ISIN: CH0241235958)

Das frisch emittierte Produkt bringt einen Discount von 6,9 Prozent auf den Holcim-Aktienkurs mit. Bei einem stabilen Verlauf winkt eine Rendite von 7,6 Prozent p.a. Die maximale Gewinnchance beträgt 12,6 Prozent p.a. Am 2. April 2015 ist das Zertifikat fällig.

Bei dieser im Vergleich zum UBS-Pendant defensiveren Variante liegt der Cap unter dem Aktienkurs. Notiert Holcim am 12. März 2015 auf oder über 75 Franken, ist die Rendite von 6,9 Prozent p.a. fix.

Spekulative Anleger können mit diesem Open-End-Produkt darauf setzen, dass HeidelbergCement nach dem technischen Ausbruch weiter zulegen wird. Der Hebel von 3 bleibt dabei konstant.

Anzeige

Hinter den Versorgern war die Bauindustrie im ersten Quartal der zweitstärkste Sektor am europäischen Aktienmarkt. Mit dem Partizipationspapier können Anleger gebührenfrei und diversifiziert in die Branche investieren.