Er hat es tatsächlich geschafft. Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Einen Wahlsieg des republikanischen Kandidaten hatte so gut wie niemand vorhergersehen – umso grösser war die Überraschung, als er sich durchsetzte.

Weltweit wurden die Finanzmärkte nur von einem kurzen Beben geschüttelt: Der japanische Aktienindex Nikkei gab nach, ebenso der Hang-Seng-Index in Hongkong. An den Börsen in London, Paris und Frankfurt rauschten die Kurse ebenfalls zunächst abwärts. Der Schweizer Leitindex SMI konnte sich dem Börsenbeben weitgehend entziehen. Er gab zwar kurz nach, notierte aber am Tag nach der Wahl schon mittags wieder im Plus. Auch im Rest der Welt schienen Anleger die Nachricht relativ schnell zu verdauen.

Anleger sollten nicht die Nerven verlieren

Die Unsicherheit aber bleibt. Denn Trump hat im Wahlkampf vieles angekündigt – was er aber tatsächlich tun wird, sobald er im Oval Office sitzt, weiss niemand. Das sorgt bei Anlegern für Unsicherheit und Ungewissheit. In den kommenden Tagen dürfte die Volatilität an den Finanzmärkten daher anhalten, erwarten Beobachter. Sie sind gespalten in ihrer Meinung über den Wahlsieg Trumps, sehen sowohl Chancen als auch Risiken für die USA und die globale Wirtschaft. «Die Unberechenbarkeit Trumps und seine politische Unerfahrenheit sind Grund genug, die kommenden Monate etwas vorsichtiger anzugehen», sagt Stefan Kreuzkamp, CIO bei Deutsche Asset Management. Anleger sollten nicht die Nerven verlieren, findet er: «Es ist gut möglich, dass Trump nach der Wahl aus Marktsicht auch mal positiv überrascht.»

Ein Präsident Trump wird voraussichtlich nicht nur Schlechtes für die US-Wirtschaft mit sich bringen – dieser Ansicht ist auch Stefan Keller, Anlagestratege beim Fondsanbieter Candriam. «Es könnte durchaus sein, dass Trump nach seiner Wahl pragmatisch und besonnener wird. Seine erste Rede nach der Wahlnacht hat schon darauf hingedeutet», sagt Keller. Während seines Wahlkampfs hat Trump weitreichende Versprechungen gemacht, die erhebliche Veränderungen der US-amerikanischen Haushalts-, Handels-, Einwanderungs- und Steuerpolitik bedeuten würden.

US-Aktien könnten attraktiv werden

Konkret umsetzen dürfte Trump vor allem seine Pläne für den Ausbau der US-amerikanischen Infrastruktur: Der Republikaner will Schulen, Strassen, Brücken und Schienennetze sanieren und damit neue Jobs schaffen. «Trump wird Infrastruktur-Projekte massiv fördern und dafür rund 100 Milliarden US-Dollar in die Hand nehmen», erwartet Candriam-Stratege Keller. Das könne der US-Wirtschaft langfristig Auftrieb geben und auch US-Aktien attraktiv machen.

Anzeige

Bei anderen Wahlversprechen Trumps steht in den Sternen, ob und wie er sie umsetzen wird: So hat er etwa erhebliche Steuersenkungen für Privatpersonen und Unternehmen in Aussicht gestellt, die aber nicht durch Einnahmen gedeckt sind. Laut Prognosen hätte dies grosse Defizite zur Folge. Trump hat auch eine Kurswende hin zu mehr Protektionismus angekündigt – unter anderem will er das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA neu verhandeln und das transpazifische Handelsabkommen TPP nicht unterzeichnen. 

Die Welthandelsorganisation WTO nannte er im Wahlkampf ein «Desaster». Ausserdem will er die Einwanderung in die Vereinigten Staaten begrenzen und illegale Einwanderer abschieben. Trumps Pläne könnten das jährliche Haushaltsdefizit und die langfristige Verschuldung der USA in die Höhe treiben und den internationalen Handel erheblich beeinträchtigen. Das hätte negative wirtschaftliche Folgen, heisst es von der Investmentgesellschaft T. Rowe Price.

Alle Augen auf Fed gerichtet

Grundsätzlich gilt es aus Sicht von Investoren, nach dem Überraschungssieg des Republikaners erst einmal abzuwarten und Marktschwankungen auszuhalten. «Sobald der Markt wieder zur Ruhe gekommen ist, wird sich die Aufmerksamkeit zunächst auf die US-Notenbank Fed und deren nächste Zinserhöhung richten», sagt Angel Agudo, Fondsmanager des Fidelity America Fund.

Die Inflation und die Einkommen in den USA steigen seit geraumer Zeit. Bis vor kurzem galt eine Zinserhöhung im Dezember als fast schon gesetzt. «Nun wird sich zeigen, ob der unerwartete Wahlsieg von Trump Auswirkungen auf die Entscheidung der Fed haben wird», sagt Agudo. Grundsätzlich werde die US-Wirtschaft in guter Verfassung ins Jahr 2017 starten. So könnte es auch erst einmal weiter gehen, erwartet Agudo. Bei aller Aufregung warnt er Anleger davor, die Folgen von Trumps Wahlsieg für die Märkte zu überschätzen: «Ich glaube nicht, dass der Wahlausgang in den USA darüber entscheidet, wie sich die Märkte langfristig verhalten.»

Anzeige

Folgen für Schweizer Valoren 

Auch für Investoren in der Schweiz könnte der Ausgang der Wahl in den USA Folgen haben. So könnten es ausländische Banken wie Credit Suisse, Julius Bär und UBS in den USA künftig schwerer haben als bisher. Eidgenössischen Versicherungsunternehmen droht ebenfalls Ungemacht, falls Trump seine Protektionismus-Pläne tatsächlich umsetzt.

Die Pharmakonzerne Roche und Novartis könnten dagegen vom Überraschungssieg des Republikaners profitieren: Trumps Kontrahentin Hillary Clinton hatte wiederholt angekündigt, gegen ausufernde Medikamentenpreise und für eine staatliche Regulierung zu kämpfen. Trump dürfte das Thema gemässigter angehen.