Über viele Jahre hinweg stand das Akronym BRIC für pures Wachstum. Doch in der jüngsten Historie haben sich die Aussichten in den vier Ländern Brasilien, Russland, Indien und China recht unterschiedlich entwickelt. Während Indien und China im weltweiten Vergleich weiterhin hohe Steigerungsraten beim Bruttoinlandprodukt (BIP) aufweisen, stürzen Brasilien und Russland in Richtung Rezession. Es stellt sich die Frage: Ist BRIC out? Eine Situationsanalyse.

In Indien und Brasilien bestimmen Wahlen derzeit das Geschehen. Während der asiatische Subkontinent diese bereits hinter sich hat, steigt die Spannung in der grössten Ökonomie Lateinamerikas. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl gab es keinen Gewinner. Nun kommt es am 26. Oktober zu einer Stichwahl zwischen der Amtsinhaberin Dilma Rousseff und ihrem Rivalen Aécio Neves.

Brasilien: Hoffnung auf einen neuen Präsidenten

Rousseff tritt mit dem Versprechen an, kräftig in Sozialprogramme und Infrastruktur zu investieren, Herausforderer Neves möchte mit Inflationsbekämpfung und Reformen die Konjunktur wieder in Gang bringen. Seit 2010 verliert die Wirtschaft am Zuckerhut beständig an Schwung. Nach zwei aufeinanderfolgenden Minus-Quartalen hat die Regierung jüngst die BIP-Prognose für 2014 auf 0,9 Prozent gekappt.

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«Viele Anleger hoffen, dass der wirtschaftsfreundliche Neves eine marktfreundliche Politik umsetzen, die Inflation bekämpfen und notwendige Reformen einleiten wird, die dem Wirtschaftswachstum auf die Sprünge helfen», sagt Emerging-Markets-Experte Steve Drew von Henderson Global Investors und fügt hinzu: «Es gibt Anzeichen, dass Anleger in Brasilien zurzeit Long-Positionen in risikoreichen Anlagen eingehen.» Ein Blick auf die Aktienkurse zeigt, dass sich zumindest etwas Hoffnung in diesem Land breitmacht. Seit Jahresbeginn legte der Leitindex Bovespa um knapp 14 Prozent zu.

Indien: Kräftiges nachhaltiges Wachstum

Deutlich mehr Vorschusslorbeeren verteilen Investoren in Indien. Im Zuge des bereits vollzogenen Regierungswechsels schaffte der Sensex ein Plus von 25 Prozent. «Die aktuellen BIP-Daten zeigen einen stabilen Wachstumstrend, der Anstieg von 5,7 Prozent der jährlichen Wachstumsrate erfolgt auf das höchste Quartalsniveau seit neun Quartalen», sagt Fondsmanager Ajay Argal von Baring Asset Management.

Seiner Ansicht nach tritt Indien nun in eine neue Wachstumsphase ein. «Wir gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in naher Zukunft anhaltend kräftig ausfallen wird, was den indischen Aktienmarkt unterstützen dürfte», so der Manager.

China im Wandel

Beim Nachbar China sind die Raten zwar noch höher, doch kühlt sich die Wirtschaft gerade ab. Ökonomen gehen sogar davon aus, dass das Reich der Mitte dieses Jahr das von der Regierung vorgegebene Wachstumsziel von 7,5 Prozent knapp verfehlen wird.

Allerdings befindet sich das Land gerade in einem Wandlungsprozess, weg von einer zu starken Abhängigkeit vom Export, hin zu einem stärkeren privaten Verbrauch. Die Börsenkurse preisen einen möglichen Erfolg der Strategie noch nicht ein.

Russlands Aktien deutlich unterbewertet: Chance auf Entlastungsrally

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Bleibt noch Russland. Das Land ist derzeit vom Konflikt mit der Ukraine und den damit einhergehenden Wirtschaftssanktionen des Westens gekennzeichnet. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) geht in ihrer jüngsten Konjunkturprognose davon aus, dass das BIP 2014 stagnieren wird und dass das Land im kommenden Jahr in die Rezession rutschen wird. Die Aktienkurse antizipieren dies bereits mit einem Jahresverlust von rund 20 Prozent.

Damit sinkt aber auch die Bewertung des Marktes. Nach Ansicht von Peter Szopo von Erste Asset Management, ist der Discount von russischen Aktien gegenüber Vergleichsmärkten seit Jahresbeginn um 10 Prozentpunkte gestiegen. «Aktuell liegt das KGV des Marktes unter fünf. Das entspricht gegenüber dem Durchschnitt der Schwellenländer einem Abschlag von 60 Prozent», erklärt Szopo. Die Chance auf eine Entlastungsrally besteht jederzeit, sollte der Konflikt an Brisanz verlieren.

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BRIC-Zertifikate: Alle zusammen oder Einzellösungen

Wer immer noch an das einstige Erfolgslabel glaubt, dem stehen verschiedene strukturierte Produkte auf BRIC zur Verfügung. Einen besonders guten Job machte in der jüngsten Vergangenheit der Tracker von UBS auf den BRIC-Country-Rotator-Index. Es besteht aber auch die Möglichkeit, direkt auf einen ausgewählten Emerging Market zu setzen, ohne dass man sich die restlichen drei ans Bein bindet. Wer beispielsweise auf einen Umschwung in Brasilien wetten oder das Momentum in Indien nutzen möchte, kann dies mit Trackern relativ einfach umsetzen.  

Bei dem von der UBS entwickelten BRIC-Country-Rotator-Index rotiert die Zusammensetzung. Alle sechs Monate wird das Quartett neu gewichtet. Dabei bekommt das Land mit dem höchsten Momentum 40 Prozent Gewicht zugeteilt, das zweite 30, das dritte 20, und dem letzten bleibt noch ein Anteil von 10 Prozent. Für diesen Prozess wird eine Gebühr von 1,0 Prozent p.a. fällig.

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Die Bank Vontobel setzt auf das hauseigene Best-of-BRIC-Fonds-Konzept. Mit dem Tracker investieren Anleger in zehn verschiedene Fonds, die im Drei-Jahres-Vergleich die beste Performance aufweisen. Die gleichgewichtete Auswahl wird jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Managementgebühr liegt bei moderaten 0,75 Prozent p.a.

Mit dem Open-End-Papier der RBS lässt sich gezielt in den brasilianischen Leitindex investieren. Ausser der Geld-/Briefspanne von 1,5 Prozent fallen keine weiteren Kosten an. Allerdings besteht ein Währungsrisiko zwischen dem US-Dollar und dem Real.

Eine Eins-zu-eins-Partizipation am indischen Aktienmarkt ist mit dem Tracker der UBS möglich. Basiswert wie auch Handelswährung des Produkts lauten auf US-Dollar. Der durchschnittliche Spread liegt bei 1,1 Prozent.

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