Eine erstaunliche Entwicklung: Beim Blick auf die Performance der Börsenplätze, weltweit, zeigen fast alle Märkte grüne Vorzeichen und zwar quer über alle Kontinente hinweg. Der SMI bringt rund 500 Punkte oder 6 Prozent Jahresperformance, im DAX sind es 1300 Punkte oder entsprechend rund 11 Prozent, und im Dow Jones beträgt das Kursplus seit Juni 2014 rund 1200 Punkte oder etwa 7 Prozent.

Während die Kursgewinne in vielen anderen Industrieländern ähnlich hoch sind und in manchen Schwellenländern deutlich im zwei- oder gar dreistelligen Prozentbereich liegen, wie in China mit der Börse Shanghai (+150 Prozent), ist der Top-Performer wie schon in den letzten Jahren mehrmals die Börse Caracas. Venezuelas Aktien kletterten seit dem vergangenen Juni um 475,2 Prozent. Während die meisten Handelsplätze in den letzten zwölf Monaten mehr oder weniger weit im Gewinn gelegen haben oder zumindest stagnierten, haben fünf Börsen eindeutig rote Vorzeichen.

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Portugal: Die Wirtschaft wächst, der PSI rutscht trotzdem ab …

Erstaunlich dabei ist allerdings, dass sogar vermeintliche Katastrophenstaaten wie die Ukraine und Ägypten mit ihren ganz speziellen politischen, strukturellen und konjunkturellen Problemen vom Kursverlauf her gar keine Katastrophe sind. So stagnierten die Kurse an der Börse Kiew per Saldo der letzten zwölf Monate und in Kairo im EGX 30 gab es einen Kursanstieg von 8600 auf 8900 Punkte.

Zu den schwächsten Aktienmärkten weltweit auf Sicht von einem Jahr zählt hingegen definitiv die Börse in Lissabon. So hat der portugiesische Leitindex PSI 20 in den letzten zwölf Monaten 19,2 Prozent an Wert verloren. Dabei schaffte das Land in den vergangenen Jahren den klaren Turnaround. Aus einem Schrumpfungskurs der Wirtschaft von -3,2 Prozent im 2012 und -1,4 Prozent im 2013 wurde im vergangenen Jahr ein Wachstumsplus von 0,9 Prozent. Und für 2015 und 2016 ist mit einer noch schnelleren Gangart zu rechnen. So hat Portugals Zentralbank ihre Wachstumsprognose für dieses und für das nächste Jahr erst Ende März von 1,5 auf 1,7 Prozent und von 1,6 auf 1,9 Prozent erhöht.

… und kurzfristig sind keine Impulse zu erwarten

Immerhin konnte der PSI 20 aber nach Bekanntgabe der Bondskäufe durch die EZB schon wieder 20 Prozent wettmachen. Möglicherweise ist da zumindest kurzfristig betrachtet trotz der verbesserten Wachstumsaussichten erst einmal die Luft raus, zumal der Index jetzt an der starken Widerstandszone um 6000 Punkte notiert. Auch nimmt die Börse bekanntlich die Konjunktur um etwa sechs Monate vorweg. Bei dieser Betrachtungsweise sind für die Börse Lissabon im Moment keine grösseren Impulse in Sicht.

Interessant könnte es aber in Athen werden. Zwar läuft das Hin und Her um Griechenlands Schulden bereits seit rund fünf Jahren, und jetzt steht das Land wieder einmal mit dem Rücken zur Wand, immerhin sollen bis Ende Juni rund 13 Milliarden Euro Hilfsgelder an den IWF und an Europa zurückgezahlt werden, doch möglicherweise und von politischer Seite her gesehen eher wahrscheinlich, wird Hellas auch jetzt wieder zumindest kurzfristig auf die Beine fallen.

Athex – nach dem Kursrutsch spekulativ wieder interessant

Die Halbierung der Kurse von 420 auf 250 Punkte an der Börse Athen mit dem Athex 20 und die Konsolidierung des griechischen Leitindex seit zwei Monaten könnten eine gute Gelegenheit zum Einstieg sein. Denn kommt es zum überraschenden – oder vielleicht auch doch nicht so überraschenden – weiteren Geldsegen für den klammen griechischen Staat und zu einem weiteren Moratorium, könnte das Hellas Aktien schon kurzfristig deutlich antreiben.

Als interessantes Anlagevehikel könnte sich da ein Discountzertifikat erweisen (ISIN: DE000XM4HZD4, Laufzeit 3.6.2016, Cap 250 Indexpunkte, Seitwärts- und Maximal-Rendite 17,3 und 18,3 Prozent p.a.).

RTX, KASE und KSE – Exoten im Rückwärtsgang …

Zu den Worst Performern am globalen Aktienmarkt zählt auch die Börse Moskau. Zwar konnte sich der russische Leitindex RTX von den Dezember-Tiefs bei rund 1050 Punkten wieder deutlich lösen und notiert derzeit rund 60 Prozent über diesem Level, doch seit Juni 2014 beträgt das Minus dennoch rund 15 Prozent. Wirkliche, kurzfristige Impulsgeber sind für den RTX im Moment nicht in Sicht, zumal sich im Moment auch der politische Ton zwischen der EU und der Regierung in Moskau verschärft.

Zuerst hatte Moskau eine Liste mit 89 nicht erwünschten, europäischen Politikern veröffentlicht, dann folgte Anfang der Woche die Retourkutsche aus Brüssel mit einem Hausverbot für russische Diplomaten für das EU-Parlament. Nach dem raschen Kurseinbruch im RTX in den letzten Tagen könnte es da kurzfristig betrachtet weitere Kursverluste geben.

… Kuwait könnte aber bald wieder kommen

Top-Verlierer auf Jahressicht sind auch die Börsen Kasachstan und Kuwait. Die Börse des Öllandes am Kaspischen Meer hatte mit dem KASE in den letzten zwölf Monaten um rund 20 Prozent im Minus gelegen und der kuwaitische KSE-Index rutschte von rund 7300 auf 6300 Punkte ab. Während Kasachstan ein wahrer Exot und schwer investierbar ist, könnten sich die jüngsten Aussagen der OPEC zum Ölpreis als Kurstreiber für die Börse Kuwait erweisen. Denn mehrere OPEC-Staaten haben Mitte der Woche in Wien einen Ölpreis in einer Spanne von 75 bis 80 Dollar als gut bezeichnet. Anleger setzen auf einen ETF auf den FTSE Coast Kuwait 40 (ISIN: FR0010614834).