Aktien aus China haben im deutschsprachigen Raum schon viel verbrannte Erde hinterlassen. Verantwortlich dafür sind jene Unternehmen aus dem Reich der Mitte, die in den vergangenen Jahren ihre Aktien in Deutschland in den Handel einführten. Denn nicht selten entwickelten sich daraus für die Investoren herbe Verluste – entweder, weil das Management unfähig war oder weil von vornherein betrügerische Machenschaften im Spiel waren.

Das ist bitter für die Betroffenen, zumal es gleichzeitig möglich war, mit den richtigen China-Aktien sehr viel Geld zu verdienen. Vermutlich die beste Entscheidung ist es gewesen, auf ausgewählte Internet-Titel mit China-Bezug zu setzen. Die Kurse bei einigen dieser Werte streben jedenfalls seit Jahren fast wie am Strich gezogen nach oben. Doch zu diesen Einzeltiteln später mehr.

Zunächst erst einmal einige allgemeine Erläuterungen zum Internet-Geschäft in China. Die wichtigste Botschaft dabei lautet: Es handelt sich um ein echtes Wachstumssegment. Die vergangenen Jahre waren von hohen Zuwächsen gekennzeichnet, und noch wichtiger sind die als weiterhin gut einzustufenden Aussichten. Als Beleg dafür taugen Online-Einzelhandelsumsätze, die laut Marktforschern bis 2020 um 20 Prozent p.a. steigen sollen. Nachdem die Zuwachsrate im Vorjahr 33,3 Prozent betrug, würde noch mehr Dynamik als prognostiziert nicht verwundern.

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Internet und E-Commerce bleiben in China ein Wachstumsfeld

Plausibel ist weiteres Wachstum allein schon deshalb, weil die Zahl der Internetnutzer in dem rund 1,375 Milliarden Einwohner zählenden Land von derzeit rund 836 Millionen auf 1,078 Milliarden bis zum Jahr 2021 steigen dürfte. Zudem nimmt der Wohlstand zu, und das ermöglicht höhere Ausgaben auch für dieses Segment. Davon abgesehen ist es weltweit ein Trend, dass sich E-Commerce einen immer grösser werdenden Anteil an den gesamten Konsumumsätzen sichert. Wie aufgeschlossen insbesondere die Chinesen dem Thema E-Commerce gegenüberstehen, zeigt sich übrigens auch daran, dass bereits fast zwei Drittel der dortigen Internet-Nutzer mobil bezahlen.

Vielversprechend liest sich insbesondere die Vorhersage, wonach die digitalen und mobilen Werbeausgaben im laufenden Jahr einen Zuwachs von rund 30 Prozent auf 40,42 Milliarden Dollar verbuchen sollen. Zu den spannendsten Segmenten zählt ausserdem der Videospiele-Bereich. Der chinesische Markt für Online-Videospiele ist bereits der grösste weltweit, und Experten sehen das Volumen von im Vor­jahr 15,3 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2020 auf 20,4 Milliarden Dollar stei­gen.

Staatliche Einflussnahme scheint die Chinesen kaum zu stören

Anders als bei der chinesischen Konjunktur allgemein sind somit hier noch keine Anzeichen einer Ermüdung zu erkennen. Das Haar in der Suppe aus der Sicht westlicher Investoren ist höchstens die staatliche Einflussnahme des chinesischen Staates auf das Internet. Wer Demokratie und freie Meinungsäusserung liebt, wird wohl mit so manchen Zensur-Eingriffen, denen dieser Bereich ausgesetzt ist, Probleme haben.

Die meisten Chinesen scheint das aber nicht zu stören, zumindest machen sie diesen Eindruck, denn auch Seiten, bei welchen der Staat eingreift, erleiden deshalb nicht zwangsläufig einen Popularitätsverlust. Nicht stoppen lässt sich durch das Thema Internet-Zensur auch der Aufstieg einiger chinesischer Internet-Aktien. Wie gut es an der Börse für die Branchenvertreter läuft, lässt sich beispielhaft am Solactive China Internet Index ablesen. Dieser beinhaltet die zehn grössten chinesischen Unternehmen, die primär im Internet-Sektor aktiv sind. Und die Performance seit der Auflage vom 13. Juli 2009 beträgt 383 Prozent. Auf diesen Index gibt es ein von der Deutschen Bank emittiertes Open-End-Zertifikat (ISIN: DE000DB2CNT8). Charttechnisch sieht es hier angesichts von neuen Rekordkursen sehr gut aus, wegen der schwierigen geschäftlichen Lage, in der sich die Deutsche Bank befindet, ist aber das Emittenten-Risiko zu beachten.

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Mustergültige Aufwärtstrends bei Tencent und Netease

Bei den Einzelunternehmen sind als Vorzeige-Titel Tencent und Netease zu nennen. Bei der Tencent Hol­dings Ltd(ISIN: KYG875721634) beispielsweise hat sich der Kurs an der Börse in Hongkong seit Juli 2004 um 31,518 Prozent nach oben geschraubt. Der Langfrist-Chart kommt dabei mit einem sehr selten unterbrochenen Anstieg daher, wie man das nur ganz selten sieht. Charttechnisch betrachtet scheint hier auch weiterhin alles im Lot zu sein. Zuversichtlich stimmt ausserdem die Aufstellung dieses in den Geschäftsfeldern Online­-Spiele, Sofortnachrichtendienste, soziale Netzwerke, Onlinemedien und Musikstreaming tätigen chinesischen Internet-Konzerns. Die unlängst für das zweite Quartal vorgelegten Geschäftszahlen überzeugten, wie so oft, mit einem Nettogewinnplus von 47 Prozent. Für die nächsten fünf Jahre rechnen Analysten im Schnitt mit einem weiteren Ergebnisanstieg von 24 Prozent p.a. Klingt vielversprechend, wobei einschränkend als Wermutstropfen aber eine Bewertung zu erwähnen ist, die mit einem für 2016 geschätzten KGV von gut 40 bereits sehr anspruchsvoll ist.

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Beim zweiten Favoriten handelt es sich mit Netease Inc. (ISIN: US64110W1027) um einen Internet-Dienstleister, der Online-Spiele und mobile Video­spiele entwickelt, aber auch als Anbieter von E-Commerce oder von Content- und Web-Portalen auftritt. Das Chartbild sieht hier ähnlich toll aus wie bei Tencent, was einem Anstieg an der Nasdaq seit dem Jahr 2000 ausgehend von 0,133 Dollar bis auf 237,80 Dollar zu verdanken ist. Trotz dieser ebenfalls fulminanten Performance ist die Bewertung in diesem Fall zumindest auf KGV-Basis noch günstiger. Für das laufende Jahr beträgt das geschätzte KGV 19,4, wobei hier in den kommenden Jahren verglichen mit Tencent das Wachstum wahrscheinlich geringer ausfallen wird. Im abgelaufenen Quartal war davon angesichts deutlich ausgeweiteter Geschäfte allerdings noch nichts zu spüren.

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Weibo und Alibaba: Aufstrebende Börsen-Newcomer

Eine Börsen-Erfolgsstory aufbauen zu können, scheint auch die Weibo Corp. (ISIN: US9485961018). Das Listing erfolgte hier zwar erst im April 2014 zu 17 Dollar und anschliessend tat sich die Notiz eine Zeitlang schwer, doch im August 2015 konnte ein Boden markiert werden. Und inzwischen hat sich der Kurs an der Nasdaq gegenüber dem Ausgabepreis verdreifacht. Die Charttechnik sieht dadurch vielversprechend aus. Zur Historie dieses Unternehmens ist zu sagen, dass die Gründung 2009 unter dem Dach des Web-Portals Sina erfolgte. Der Name Weibo steht für Mikroblogging, und der angebotene Dienst ist letztlich vergleichbar mit dem, was das US-Pendant Twitter macht.

Inzwischen handelt es sich aber mehr um einen Unterhaltungs- und E-Commerce-Dienst und weniger um einen Informationskanal, was auch mit den Eingriffen in das Angebot durch den Staat zu tun hat. Die Zahl der täglichen Nutzer soll seit Ende 2013 trotzdem stark gestiegen sein. Das geschätzte KGV für 2017 beträgt 57, was happig ist, doch der Nettogewinn ist im zweiten Quartal auch um 516 Prozent auf 25,9 Millionen Dollar gestiegen.

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Alibaba hat das Zeug zum Dauerläufer

Das kann natürlich nicht in der Zukunft fortgeschrieben werden, interessant scheint diese Gesellschaft aber dennoch zu sein. Zumindest spricht dafür die Meldung aus der Vorwoche, wonach Alibaba die Beteiligung an Weibo von 30,1 Prozent auf 31,5 Prozent aufgestockt hat. Der chinesische E-Com­merce-Spezialist Alibaba Group Holding Ltd. (ISIN: US01609W1027) ist selbst momentan noch etwas entfernt vom Status als charttechnischer Dauerläufer, hat aber das Zeug dazu. Dafür spricht eine verfolgte Plattform-Strategie, die es ähnlich wie bei Amazon erlaubt, Geschäfte in verschiedenen Bereichen aufzuziehen.

Nach einem ausgeprägten Schwächeanfall hat dieser im September 2014 an die Börse gekommene Titel zuletzt die Wende nach oben geschafft. Dazu beigetragen hat ein Plus im zweiten Quartal von 59 Prozent, das zu 32,15 Milliarden Renminbi Umsatz führte. Ein geschätztes KGV von gut 25 für 2017 stellt zwar eine gewisse Bürde auf der Bewertungsseite dar, doch das würde sich relativieren, wenn es dem Platzhirsch auf dem chinesischen E-Commerce-Markt gelingen würde, das Wachstumstempo langfristig höher zu halten, als derzeit von Analysten noch unterstellt wird.

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