1. Home
  2. Invest
  3. Investieren in Europa ist wie schwimmen mit Haien

Kolumne
Investieren in Europa ist wie schwimmen mit Haien

Der Hai lauert schon nach der nächsten Welle: So ist es auch mit Anlagerisiken. keystone

Investieren in Europa erinnert an den Horrormovie «Der weisse Hai». Wenn man denkt, die Anlagegewässer seien sicher, lauert bereits die nächste Krise hinter der Welle. Doch die Risiken lohnen sich.

Von Peter Ahluwalia
am 25.08.2016

Wer in Europas Anlagemärkten investiert, schwimmt in Haiverseuchten Gewässern. Angelehnt an die Storyline des Filmklassikers «Der weisse Hai» könnte man sagen: «Gerade als du dachtest, es wäre sicher zu investieren, lauert bereits die nächste Krise.» Angesichts all der Krisen, die Europa durchlebt hat, erstaunt es, dass der Euro relativ stark geblieben ist und dass die Europäische Union überlebt hat.

Hinter einer der nächsten Wellen – so denke ich – könnte ein ganz grosser weisser Hai auftauchen, eine Krise grösseren Ausmasses. Denn irgendwann werden alle die Bad News das Fass zum Überlaufen bringen – ein Zeitpunkt, von dem wir meines Erachtens nicht mehr allzu weit entfernt sind.  

Europas Blue Chips mit Aufholpotential

Das spricht jedoch nicht gegen Europas Unternehmen, welche Krisenresistenz bewiesen haben. Europas Aktien haben sich denn auch nach dem Brexit-Schock rasch erholt. Sie sind aber im Vergleich zu ihren US-Pendants immer noch attraktiv bewertet. Ich erwarte, dass sich diese Bewertungslücke vor Jahresende noch mehr schliesst und schaue mir vor allem global orientierte Blue-Chips an.  

Mit unserer Ansicht, europäische gegenüber US-Aktien überzugewichten, stehen wir einmal mehr recht allein da. Denn die Mehrheit der Marktbeobachter empfiehlt das Gegenteil. Doch mehr und mehr Indizien sprechen für uns: Die Stimmung sowie die Ausgaben von Europas Konsumenten haben sich nach dem Brexit-Entscheid gut gehalten. Zudem zeigt sich der für die EU-Autofabrikanten wichtige britische Automarkt recht widerstandsfähig. 

Frankreich sticht heraus

Geografisch gesehen stechen französische Firmen heraus. Bereits letztes Jahr hatten französische Mega-Caps eine ausserordentlich gute Performance geliefert. Dieses Jahr sind sie ebenfalls gut gestartet – insbesondere im Bausektor, welcher sich jüngst im Abschwung recht widerstandfähig erwiesen hat.  

So beispielsweise das Unternehmen Vinci, ein französischer Konzessions- und Baukonzern. Der Titel hat sich im laufenden Jahr äusserst positiv entwickelt. Darüber dürften viele erstaunt sein. Denn es handelt sich um ein Mega-Cap-Unternehmen hervorragender Qualität; mit guter Bilanz, vernünftiger Bewertung, äusserst konstanten Cashflows – und ist somit mit einer Unternehmens- oder Staatsanleihe erstklassiger Qualität vergleichbar.   

Schwellenländer abseits der Benchmarks

Aber auch Emerging Markets sind ein brandaktuelles Thema, wo ein Schwall renditesuchendes Geld hineinschwappt. Vielleicht macht mich das etwas nervös und es ist wichtig, das im Auge zu behalten. Nichtsdestotrotz fahren wir eine – wenn auch leicht untergewichtete – Allokation in Emerging Markets. Angesichts der sehr hohen Volatilitäten meiden wir Benchmark-orientierte Investitionsansätze, weshalb wir hier unseren eigenen Fund of Funds einsetzen. Dies erlaubt es uns, mit geografischen Regionen zu spielen und deren Gewichtungen zu variieren. Dadurch, denke ich, können wir einen grossen Mehrwert generieren.

* Peter Ahluwalia ist Chief Investment Officer des Finanzdienstleisters swisspartners und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung für High Net-Worth Indiviuals. Er begann seine Karriere in Jersey wo er zuerst bei Lloyds Private Bank und danach bei HSBC Private Bank sowie HSBC Investment Management arbeitete. Danach wechselte er zu Credit Suisse in Genf, bevor er 2010 bei swisspartners einstieg.

Anzeige