Was am anderen Ende der Welt via Mikrokrediten schon seit Jahrzehnten Usus ist, kommt nun auch in der Schweiz an: Ein «Venture Capital» Fonds, der den Zugang von Unternehmern zu (Risiko-)Kapital verbessert. «Wir wollen Unternehmer züchten!», so Bundesrat Schneider-Ammann, der ab 2018 über eine Stiftung verstärkt Risikokapital für die Ideen junger ansässiger Start-Ups zur Verfügung stellen will. Damit soll das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft – das erfolgreiche Schweizer Unternehmertum gebildet und gefördert werden.

Förderung von Unternehmertum als Alternative zur Entwicklungshilfe

Da vielen potenziellen Unternehmern in Entwicklungsländern der Zugang zu Kapital aufgrund fehlender Sicherheiten und rudimentärer Finanzsysteme verschlossen ist, bilden Mikrokredite insbesondere für arme Menschen die einzige Möglichkeit, ihre Ideen und Pläne in die Tat umzusetzen und eine unabhängige, selbstbestimmte Existenz für sich und ihr näheres Umfeld aufzubauen.

Diese selbsterwirtschaftete Unabhängigkeit erlaubt es Kleinstunternehmern nicht nur gegenüber lokalen Anspruchsgruppen mit einem neu gewonnenen Selbstbewusstsein aufzutreten, sondern stärkt die lokale Wirtschaft und verringert auf lange Sicht die Abhängigkeit von allfälliger Entwicklungshilfe aus unseren Breitengraden. Individuen und Familien, die ihre eigenen Grundbedürfnisse selbständig decken können, finden auch eher die Zeit und die Kraft, sich sozial und politisch zu engagieren und investieren vermehrt in die Ausbildung ihrer Kinder. Investitionen in «Start-Ups» für Kleinstunternehmer geben also nicht nur den einzelnen Personen unternehmerische Chancen, sondern fördern aktiv die eigenständige Weiterentwicklung der gesamten Gesellschaft.

Soziales Engagement mit attraktiven Renditen

Für Anleger bilden Investments in Mikrofinanz – insbesondere angesichts des schwierigen Umfelds für festverzinsliche Anlagen – eine interessante Alternative, die sich zudem unabhängig zu den herkömmlichen Anlagen entwickelt. Dies haben die unbeeinträchtigten Renditen der Mikrofinanzfonds während der Finanzkrise deutlich gezeigt. Aufgrund der kurz laufenden Kredite sind Anleger zudem vor Zinsänderungsrisiken geschützt. Investitionen in Mikrokredite stehen privaten Investoren über verschiedenste Anlagefonds offen – jeder kann daher in «Start-Ups» in Entwicklungsländern investieren und damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung des Unternehmertums und somit zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in diesen Regionen leisten.

Anzeige
 
*Christophe Grünig ist Head of Investment Solutions bei BlueOrchard.