Die Sorgenkinder der europäischen Peripherie berappeln sich nicht nur, sie zeigen unerwartet Stärke. Nachdem jahrelang nur Hiobsbotschaften aus den hoch verschuldeten Nationen gekommen sind, fliesst derzeit zur Abwechslung ein positiver Newsflow über die Ticker. Zwei Meldungen ragten zuletzt besonders heraus: «Portugal verlässt den Rettungsschirm» und «Moody's stuft Kreditwürdigkeit Irlands hoch».

Irland hat im Dezember 2013 als erster Mitgliedstaat der Eurozone sein Finanzhilfeprogramm erfolgreich abgeschlossen. Das Land ist im Zuge zahlreicher Reformen – insbesondere durch die gesunkenen Lohnstückkosten – deutlich wettbewerbsfähiger geworden. Die Wirtschaft des Landes erholt sich zunehmend, und dieser positive Trend kommt allmählich auch auf dem Arbeitsmarkt an. Um diesen noch flexibler zu gestalten, wurde unter anderem der Kündigungsschutz gelockert und die Mindestlohnregelung verschlankt. Zudem wird das Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2028 stufenweise auf 68 Jahre erhöht.

Irland setzt Reformen um und gewinnt das Vertrauen zurück

Dass das Marktvertrauen nun zurückkehrt, zeigen die zuletzt erfolgreichen Anleihe-Emissionen und die moderaten Zinssätze auf irische Staatsanleihen. Inzwischen rentieren zehnjährige irische Staatspapiere wieder bei moderaten rund 3,5 Prozent. Auch die Ratingagentur Moody’s stellte dem Inselstaat jüngst ein besseres Zeugnis aus: Die Experten erhöhten die Bonitätsnote auf «Baa1» von zuvor «Baa3».

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Als Grund nannte Moody’s zum einen die Erholung am Immobilienmarkt, zum anderen dürfte sich das Wirtschaftswachstum beschleunigen und damit die Konsolidierung des Haushalts voranbringen.

Portugal: Schuldenabbau durch Privatisierungen

Auch für die beiden für Sommer, Sonne, Meer, bekannten Krisenstaaten Spanien und Portugal ist das Ende des Euro-Rettungsschirms gekommen. Während Spanien bereits im Januar das Finanzhilfeprogramm verlassen hatte, war es vier Monate später nun auch für Portugal soweit. Die Reformpolitik soll aber weiter ganz oben auf der Agenda der Regierung in Lissabon stehen. Nach Ausgabenkürzungen des Staates, Mehrwertsteuererhöhungen sowie einer Verlängerung der Arbeitszeit sollen unter anderem noch Privatisierungen das Land von seinen hohen Schulden befreien.

Die Regierung verabschiedete kürzlich ein mittelfristiges Strategiepapier mit dem Titel «Weg zum Wachstum». Dabei steht unter anderem der Arbeitsmarkt im Fokus, denn die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor immens. Die EU-Kommission erwartet im kommenden Jahr nur eine leichte Reduktion der Arbeitslosenrate auf 16,5 Prozent. Die Wirtschaft soll hingegen zulegen, 2014 um 0,8 Prozent.

Spanien wächst so stark wie seit 2008 nicht mehr

Für das Nachbarland Spanien gehen die Experten zwar von einem Plus des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,0 Prozent im laufenden Jahr aus, doch wird weiterhin jeder vierte Bürger ohne Job sein. Die aktuelle Entwicklung untermauert die Prognosen. Die spanische Wirtschaft legte im ersten Quartal 2014 so stark zu wie seit sechs Jahren nicht. Im Vergleich zu den letzten drei Monaten 2013 stieg das BIP um 0,4 Prozent.

Noch hängt zwar Europas Sorgenkind Nummer eins, Griechenland, zusammen mit Zypern am Tropf der Euro-Partner, doch steht das Land an einem wirtschaftlichen Wendepunkt. Für 2014 wird ein bescheidener Bruttoinlandprodukt-Anstieg von 0,6 Prozent erwartet, das erste Plus seit sechs Jahren.

Aktienmärkte zwischen Licht und Schatten

Grundsätzlich streben die Leitindizes der ehemaligen Krisenstaaten seit einiger Zeit in eine Richtung: Nach oben. Doch kam es zuletzt zu unterschiedlichen Entwicklungen. Während der spanische IBEX 35 an seinem Drei-Jahres-Hoch knabbert, kam es an der Lissabonner Börse zu einem Rücksetzer. Der PSI 20 verlor in den vergangenen vier Monaten rund 7 Prozent. Sorgen über die Konjunktur liessen Investoren vorsichtiger agieren. In Portugal brach die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 0,7 Prozent ein.

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Auch am griechischen Aktienmarkt kam es in der jüngsten Vergangenheit zu Gewinnmitnahmen. Zwar verbuchte auch Irlands Börse im Mai eine kleine Delle, doch ist diese bereits fast wieder ausgemerzt. Immerhin stürmte der Leitindex ISEQ innert vier Tagen um mehr als 3 Prozent nach oben. Eins zeigt sich damit aber: Die Volatilität bleibt hoch. Anleger sollten deshalb vorerst vorsichtig agieren und Investments in den Perhipheriestaaten eher nur als Depotbeimischung betrachten.

Baskets auf Europas Krisenstaaten

Der Tracker auf die Peripherieländer der RBS beinhaltet 15 Unternehmen aus der Peripherie, die allesamt bestimmte Bewertungskriterien erfüllen müssen. Der Basketanteil der einzelnen Mitglieder wird einmal jährlich auf die ursprüngliche Gewichtung zurückgesetzt. Nettodividenden werden reinvestiert. Die Managementgebühr beträgt 1,0 Prozent p.a. Seit Jahresbeginn legte der Tracker bereits um mehr als 11 Prozent zu.

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Seit kurzem hat auch Julius Bär einen entsprechenden Aktienkorb im Angebot. In diesem Basket befinden sich insgesamt zwölf Aktien, die anfänglich gleich gewichtet wurden. Achtung: Da der Basket starr ist, kann es innerhalb der Laufzeit von einem Jahr zu einer Klumpenbildung kommen. Das Schlussfixing findet am 1. April 2015 statt.

Auf das konjunkturell aufblühende Spanien können Anleger mit dem Tracker der UBS auf den IBEX 35 setzen. Das Produkt nimmt eins zu eins an der Entwicklung des Leitindex teil, besitzt eine Endloslaufzeit, und der durchschnittliche Spread zwischen An- und Verkaufskurs beträgt 0,64 Prozent.