Am Schluss fiel ihm sogar die Börse in den Rücken. Als letzte Woche die Absetzung des italienischen Ministerpräsidenten Enrico Letta immer wahrscheinlicher wurde, legten die Kurse sowohl der Aktien als auch der Staatsanleihen zu.

Die italienischen Finanzmärkte hoffen offenbar, dass die neue Regierung unter Führung von Matteo Renzi Wirtschaftsreformen entschlossener vorantreibt. Der Chef der sozialdemokratischen Partei (PD) liess Letta vergangene Woche am Donnerstag durch den erweiterten Parteiführungsausschuss abwählen. Bis zuletzt hatte Letta auf die vermeintlichen Wirtschaftserfolge seiner Regierung hingewiesen. Vergeblich.

Heikler Balanceakt

Sinnigerweise wurden erste Erfolgsmeldungen erst einen Tag nach seiner Abwahl am Freitag publik. So erhöhte die Ratingagentur Moody's den Ausblick für Italien von «Negative» auf «Stable». Das Rating «Baa2» blieb unverändert. Zudem veröffentlichte Italiens Statistikamt, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) des Apenninlandes im Schlussquartal 2013 zum ersten Mal seit Mitte 2011 wieder gewachsen sei, wenn auch nur um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Im Jahresvergleich schrumpfte die Volkswirtschaft hingegen weiter. Das BIP lag im Schlussquartal 2013 um 0,8 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresniveau.

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Ob Renzi mehr Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Um Reformen durchzubringen, muss er einen heiklen Balanceakt schaffen. Er will die PD-Linke im Kabinett stärker einbinden, als das bisher Letta tat. Gleichzeitig muss er aber weiterhin bürgerliche Positionen vertreten, um weiter mit dem Koalitionspartner Nuovo Centrodestra (NCD) zusammen regieren zu können.

Attraktive Aktien

Noch sind Renzis Reformvorstellungen vage, wenn auch ambitiös. So will er noch im Februar ein neues Wahlgesetz und andere institutionelle Reformen anpacken, und in den folgenden drei Monaten sollen Reformen des Arbeitsmarktes, der öffentlichen Verwaltung und des Steuerwesens folgen.

Am Montag, als Renzi von Staatsoberhaupt Giorgio Napolitano den Auftrag zur Regierungsbildung erhielt, zeigte sich die Börse abwartend. Hält die Stimmung, können sich Privatanleger ein Engagement in Italiens Aktienmarkt überlegen. Denn er umfasst einige hoch attraktive Titel.

Exor: Agnellis Familiensilber

Für die Zürcher Researchfirma Obermatt heisst die beste italienische Aktie Exor. Diese Beteiligungsgesellschaft schwingt klar oben aus, gemessen an den Kriterien Value, Growth sowie Safety beziehungsweise Bilanzsicherheit. Die Industriellenfamilie Agnelli besitzt 51,4 Prozent dieser Investmentfirma, die ihrerseits grosse Beteiligungen am Autokonzern Fiat (30,1 Prozent des Kapitals), am Nutzfahrzeugbauer CNH Industrial (27,3 Prozent des Kapitals) und am Immobiliendienstleister Cusham & Wakefield (68,6 Prozent) hält. Unter den weiteren kleineren Engagements sticht vor allem die Beteiligung von 63,8 Prozent am börsenkotierten Fussballclub Juventus Turin hervor.

Der Mix aus Industrie-, Finanz- sowie Sport- und Mediensektor hat sich bewährt: Der Aktienwert von Exor hat sich in den letzten fünf Jahren fast verfünffacht und damit den italienischen Aktienindex FTSE MIB 30 klar geschlagen. Die Aktie ist weiterhin günstig bewertet – basierend auf den von Bloomberg aufbereiteten Konsensschätzungen für das laufende Jahr betragen das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) nur 0,9 beziehungsweise 6,1, und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beläuft sich auf 12,4.

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STMicroelectronics: Turnaround-Kandidat aus Genf

Einigermassen überraschend auf dem zweiten Rang im Obermatt-Ranking landet STMicroelectronics, eine von Europas grössten Halbleiterherstellerinnen. Die holländische Firma mit Doppelkotierung in Mailand und Paris und Hauptsitz in Genf wies ein unerwartet starkes viertes Quartal 2013 auf, mit einem Umsatzplus von 3,9 Prozent. Doch das Ergebnis blieb im Schlussquartal im Minus, und das laufende Jahr verheisst ebenfalls wenig Gutes. So erwartet das Management in den ersten drei Monaten einen Umsatzrückgang um 6 bis 13 Prozent.

Die Aktie bietet somit keinerlei Wachstumsperspektiven, obwohl ihr für 2014 geschätztes KGV von 36,9 sehr hoch ist. Dafür aber punktet sie durch ihre tiefe Substanzbewertung: Das fürs laufende Jahr geschätzte KBV beträgt nur 1,4 und das KCV bloss 6,3. Zudem ist laut Analystenkonsens für das laufende Geschäftsjahr eine Dividendenrendite von 4,7 Prozent zu erwarten. Die hohe Ausschüttung versüsst das lange Warten auf den Turnaround.

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Campari: Beliebt an Bar und Börse

Der italienische Spirituosenhersteller Campari kann zwar nicht mit hochprozentigen Dividenden aufwarten wie STMicroelectronics. Aber für einen Markenartikler ist er relativ günstig bewertet, bezogen auf das Geschäftsjahr 2014 mit einem KGV von 19,2, einem KCV von 15,3 und einem KBV von 2,1.

Die Beliebtheit der Campari-Produkte schlägt sich auch in einer langfristig beeindruckenden Kursentwicklung nieder. So hat sich der Wert der Aktie in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht. 

 

Erfahren Sie hier mehr zur Methode des Value-, Growth- und Safety-Rankings von Obermatt. 
Hier finden Sie interaktiv die Top-10-Aktien der polnischen Börse

Lesen Sie mehr in der aktuellen «Handelszeitung» vom 20. Februar 2014: Auferstehung der Konvergenz – Die Machtübernahme durch Matteo Renzi sorgt für gute Stimmung bei den Staatsanleihen aus den EU-Peripherieländern.

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