Mit vielen Versprechungen ging Shinzo Abe Ende 2012 in Japan an den Start. Ein Massnahmenpaket aus lockerer Geldpolitik und Konjunkturprogrammen entzückte damals die Märkte, und der Nikkei 225 konnte sich seither verdoppeln. Doch allmählich wachsen die Zweifel an der revolutionären Wirtschaftspolitik des Premiers.

«Abenomics gescheitert» titeln die Medien derzeit, nachdem die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt zuletzt zwei Quartale in Folge geschrumpft war. Amtlich herrscht also nun Rezession im Land der aufgehenden Sonne.

Starke Wirtschaftsdaten – Rezession schon wieder vorbei?

Den Aktienmarkt lässt dies allerdings kalt. Im Nikkei 225 stehen sogar 5 Prozent Plus auf Sicht von einem Monat zu Buche. Es sind zum einen ermutigende Wirtschaftsdaten, welche Anleger hoffen lassen. Laut einer Umfrage des Markit-Instituts wächst die japanische Industrie derzeit so kräftig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanager-Index kletterte im November um 0,2 auf 52,6 Punkte. Damit blieb das Barometer den siebten Monat in Folge über der Marke von 50 Zählern und damit über der Wachstumsschwelle. Folglich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Japan im laufenden Quartal seine Rezession beenden kann.

Auch der Staat darf sich freuen. Regierungskreisen zufolge nimmt Japan im laufenden Jahr so viele Steuern ein wie seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Diese sollen sich auf mehr als 56 Billionen Yen (umgerechnet 470 Milliarden Franken) summieren. Das Geld soll wiederum durch ein Konjunkturprogramm in den Wirtschaftskreislauf zurückgepumpt werden. Damit könnte Abe der lahmenden Wirtschaft auf die Beine helfen. Auch kamen Spekulationen am Markt auf, dass die Regierung die Unternehmenssteuern bereits ein Jahr früher als geplant und damit ab April 2016 auf unter 30 Prozent senken wird. Gewehr bei Fuss steht zudem die Notenbank. Die Bank of Japan gab aktuell bekannt, dass die Währungshüter noch weitere geldpolitische Lockerungsmassnahmen planen würden, sollte sich die Schwäche der globalen Wirtschaften negativ auf die Inflation in Japan auswirken.

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Börsenplatz Tokio – begehrter Aktienmarkt

Der positive Aktienmarkt zieht immer mehr Unternehmen an. So ist die Anzahl japanischer Börsengänge 2015 so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Dieses Jahr wurden bereits 99 Unternehmen an japanischen Börsen neu gelistet, nach 80 IPOs im 2014 und 121 im 2007. Anleger müssen auf der Suche nach attraktiven japanischen Aktien aber nicht unbedingt auf einen Börsenneuling setzen, alteingesessene Titel wie Toyota Motor (ISIN JP3633400001) haben ebenfalls ihren Reiz. Der weltweit grösste Autokonzern konnte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2015/16 erneut die Profitabilität im Automobilbereich steigern.

Die operative Marge legte in der Auto-Sparte von 9,5 auf 10,8 Prozent zu. Damit erwirtschaftet Toyota im Massenmarkt Renditen, von denen sogar viele Premiumhersteller nur träumen können. Das Unternehmen profitiert dabei besonders vom schwachen Yen. Da der grosse Konkurrent Volkswagen derzeit massive Probleme infolge des Abgasmanipulationsskandals hat, dürfte Toyota in den nächsten Jahren ihre Erfolgsfahrt fortsetzen und damit den Titel des grössten Automobilherstellers der Welt zumindest noch einige Zeit verteidigen können.

Fast Retailing – ein Konsum-Profiteur

Ein direkter Gewinner eines neuen Konjunkturprogramms könnte Fast Retailing (ISIN JP3802300008) sein. Bei Japans grösstem Textilkonzern, der unter anderem über seine bekannteste Kette Uniqlo Mode für alle anbietet, würde eine verbesserte Verbraucherstimmung die Kassen klingeln lassen. Schon jetzt zeichnet sich das Unternehmen durch hohe Wachstumsraten aus.

Im Geschäftsjahr 2014/15, das im August zu Ende gegangen ist, legte der Gewinn des Konzerns aus Yamaguchi um satte 48 Prozent zu. Aufgrund von Wertberichtigungen in den USA war dies aber nicht ganz so viel wie erwartet. Das hatte einen deutlichen Rücksetzer bei der Aktie zur Folge. Dieser könnte aber mittlerweile verdaut sein. Der durchschnittliche Analystenkonsens hat sich in den letzten zwei Monaten von «Hold» auf mittlerweile «Outperform» verbessert.

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Renesas – ein Übernahmekandidat

Übernahmen sind auch im japanischen Aktienmarkt ein Thema. Ins Zentrum der Spekulationen ist zuletzt der Halbleiterhersteller Renesas gerutscht. Interessant macht den Konzern seine Ausrichtung auf das wachsende Geschäft mit Auto-Chips. Die deutsche Infineon, die bereits mehr als die Hälfte ihrer Erlöse im Fahrzeugbereich erzielt, wird als möglicher Käufer gehandelt. Sollten die beiden zusammenfinden, würde ein Marktführer mit einem Marktanteil von 20 Prozent im Automotive-Geschäft entstehen.

Mit Blick auf die Gewinnschätzungen sticht der japanische Aktienmarkt derzeit im internationalen Vergleich positiv hervor. Nach Daten von Barclays werden die Ergebnisse 2015 im Durchschnitt um 19 Prozent zulegen, 2016 soll die Wachstumsrate immerhin noch 11 Prozent betragen. Damit wird Japan nach Europa die höchste Gewinn-Steigerungsrate im internationalen Vergleich vorhergesagt. Anleger, die diversifiziert auf einen weiteren Kursaufschwung bei Nippon setzen möchten, können dies mit einem passiven Fonds, beispielsweise mit dem iShares MSCI Japan CHF Hedged ETF (ISIN IE00B8J37J31), einfach umsetzen. Die jährliche Gebühr für den Indexfonds beträgt 0,64 Prozent p.a.

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