Der Konjunkturzyklus, der Wechsel von geld- zu fiskalpolitischen Anreizen sowie eine Reihe politischer Risiken stellen Anleger vor Herausforderungen. Wer Performance und Risikomanagement an den Anleihemärkten in Einklang bringen will, muss auf ein unbeschränktes, opportunistisches Anleihemanagement setzen.

Dies eröffnet den erforderlichen Spielraum, um bei schwierigen Marktbedingungen Erfolge zu erzielen und Chancen weltweit zu nutzen.

Inflationsanstieg mehr als nur Basis-Effekt

Die Inflationserwartungen der Anleger sind zu konservativ: Aktuelle Preissteigerungen erscheinen weitreichender und nachhaltiger, als ein kurzfristiger Anstieg aufgrund höherer Ölpreise vermuten liesse. Die Renditen der zehnjährigen amerikanischen und deutschen Staatspapiere wären deutlich höher, gäbe es nicht die Sorge vor politischen Risiken in Europa.

Blickt man über die aktuellen politischen Risiken in Europa hinaus, wird klar, dass Anleger in ihren Portfolios die modifizierte Duration in den wichtigsten Industrieländern niedrig halten sollten.

Zweiteilung bei Schwellenländeranleihen erfordert selektives Vorgehen

Schwellenländer profitieren von einer Verbesserung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten, einer Stabilisierung der makroökonomischen Situation Chinas, einem stärkeren Dollar und einer Erholung der Rohstoffpreise. Allerdings ist unter so hartnäckig volatilen Bedingungen Selektivität gefragt sowie die Analyse der Risiken und Chancen jedes einzelnen Landes, um die vielversprechendsten Papiere in diesem gemischten Anlagebereich zu ermitteln.

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Rohstoff produzierende und exportierende Länder bieten weiterhin attraktive Risikoprämien gegenüber den verarbeitenden Schwellenländern. Bei den Schwellenländeranleihen kommt es zunehmend zu einer deutlichen Zweiteilung. Einerseits rohstoffimportierende Länder wie Ungarn, in denen die Inflation steigt und die Anleiherenditen weiterhin niedrig sind. Andererseits rohstoffexportierende Länder, in denen Anleihen hohe Renditen bieten und die Inflation sich deutlich verlangsamt. So etwa Brasilien, wo die Inflation kürzlich unter 5,5 Prozent fiel und die Zentralbank einen aggressiven Zinssenkungszyklus einleiten könnte, nachdem sie den Leitzins seit Anfang des Jahres bereits zweimal um 75 Basispunkte gesenkt hat.

Europäische Bankanleihen und CLOs attraktiv

Nachrangige Bankanleihen dürften von steileren europäischen Renditekurven und von der langfristigen Verbesserung der CET1-Quote grosser Banken profitieren. Insbesondere der Wechsel von einem Bail-out auf Kosten der Steuerzahler hin zu einem Bail-in unter Beteiligung privater Gläubiger sollte zu einer besseren Unterscheidung zwischen Risiken führen, wovon Qualitätsbanken in Europa profitieren. Auch die Tatsache, dass die EZB Risikoprämien für Nichtfinanz-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating praktisch beseitigt hat, macht Bankanleihen attraktiv.

Bei europäischen Wertpapieren, die mit Krediten unterlegt und zum Verkauf gebündelt werden (Collateralized Loan Obligations, CLOs) sorgen regulatorische Auflagen, die fälschlicherweise mit der Finanzkrise in Verbindung gebracht werden, für einige attraktive Spreads (kaum Ausfälle in der Vergangenheit).

*Charles Zerah, Fondsmananger des Carmignac Portfolio Global Bond bei Carmignac Risk Managers

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