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Jungfraubahn bis Titlis – Seilbahnen im Höhenflug

Jungfraubahn: Im vergangenen Jahr fuhren so viele Gäste auf das Jungfraujoch wie nie zuvor. Keystone

Ein Traumsommer und der Run asiatischer Touristen auf Schweizer Berge bescheren den Seilbahnen florierende Geschäfte. An der Börse wird die Luft für den Sektor aber dünner. Wo der Einstieg lohnt.

Von Wolfgang Hagl
am 14.01.2016

Am Wochenende blickt die Sportwelt gebannt nach Wengen. Dort findet das 86. Lauberhornrennen statt. Pünktlich zum Top-Event hielt der Winter im Berner Oberland Einzug. Wenn sich die Spitzenläufer am Samstag in die längste Abfahrt des Ski-Weltcups stürzen, gehen einmal mehr spektakuläre Bilder in alle Welt.

Dazu zählt gleich nach dem Start das mächtige Panorama von Eiger, Mönch und Jungfrau, der spektakuläre Sprung über den Hundschopf oder die Wasserstation, wo die Fahrer mit bis zu 100 Stundenkilometern durch eine Unterführung schiessen. Mit etwas Glück überquert sogar bei der Durchfahrt des einen oder anderen Rennläufers zeitgleich ein Zug die schmale Brücke.

Starker Andrang am Jungfraujoch …

Eine solch spezielle TV-Aufnahme dürfte die Manager der Jungfraubahn Holding (ISIN: CH0017875789) besonders freuen. Schliesslich profitiert die Betreibergesellschaft der höchstgelegenen Eisenbahnstation Europas in einem besonderen Ausmass von einer starken internationalen Aufmerksamkeit. Die Strecken auf das Jungfraujoch bezeichnet das Unternehmen als «strategisches Herzstück». Das Geschäft brummt: 2015 beförderte die Gesellschaft erstmals mehr als eine Million Besucher zum beliebten Reiseziel. Gegenüber dem Vorjahr dehnte sich das Fahrgastaufkommen damit um gut 16 Prozent aus. Ungeachtet dessen kämen dem Unternehmen winterliche Bilder vom Lauberhornrennen gerade recht. Schliesslich fiel der Start in die laufende Skisaison wegen der anhaltend warmen Witterung und dem Mangel an Schnee verhalten aus.

Da der Anteil des Wintergeschäfts am Gesamtergebnis gering ist, wird die Jungfraubahn Ende April wohl dennoch starke Zahlen für 2015 vorlegen. Geht es nach René Weber, Aktienanalyst bei Vontobel, wird die Holding ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 46,4 Millionen Franken einfahren – das wäre ein Fünftel mehr als im Vorjahreszeitraum. Obwohl auch der Überschuss prozentual zweistellig gewachsen sein soll, rechnet die Privatbank mit einer stabilen Dividende von 1.80 Franken je Anteilsschein. Beim Aktienkurs sieht Weber nach einer steilen Bergfahrt – seit Mitte 2011 steht ein Plus von knapp drei Vierteln zu Buche – allerdings nur noch wenig Luft nach oben. Er taxiert das Kursziel auf 100 Franken und stuft den Small Cap mit «Halten» ein.

… und Hoffnung auf die neue Bahn

Ronald Wildmann von Research Partners traut der Aktie 103 Franken zu und rät zum Kauf. «Die Jungfraubahn erntet derzeit die Früchte einer starken Managementleistung», erklärt der Analyst. Vor allem das forcierte Marketing in Asien mache sich bezahlt. In der Tat geben die Besucher aus Fernost dem Wachstum Auftrieb. Immerhin kommen 70 Prozent der Gäste aus Asien. Von zentraler Bedeutung für die weitere Entwicklung ist laut Wildmann auch die V-Bahn. 250 Millionen Franken möchte die Holding in das Grossprojekt investieren. Die zusammen mit der Gondelbahn Grindelwald-Männlichen geplante Baumassnahme soll die Fahrzeiten zum Jungfraujoch verkürzen und gleichzeitig die Kapazitäten erhöhen.

Überdies versprechen sich die Verantwortlichen eine Trumpfkarte im harten Wettbewerb um die Wintersportler. «Mittelfristig würde die V-Bahn enormes Wachstumspotenzial bringen», erklärt Wildmann. Ende Oktober haben die in der Bergschaft Wärgistal vereinten Grundeigner grünes Licht gegeben. «Das war eine Knacknuss für das Projekt», sagt der Analyst. Nun wartet das Unternehmen auf die Publikation des Plangenehmigungsverfahrens. Zudem stehen noch einige Beschwerden im Raum. Ronald Wildmann hält eine Baugenehmigung bis Ende Jahr dennoch für realistisch.

Zermatter BVZ – der Top-Performer am Matterhorn

Ein positiver Bescheid könnte der Jungfraubahn helfen, den kurzfristigen Performancerückstand gegenüber der Konkurrenz aufzuholen. An der Börse stahl ihr zuletzt vor allem die Zermatter BVZ (ISIN: CH0008207356) die Show. Der Aktienkurs dieser Holdinggesellschaft, zu der die Matterhorn-Gotthard-Bahn und die Gornergrat-Bahn zählen, legte im vergangenen Jahr um 84 Prozent zu. Auch hier zog der Traumsommer die Gäste an. Beispielsweise steigerte die Gesellschaft die Erträge am Gornergrat von Januar bis Oktober gegenüber der Vorperiode um 7,4 Prozent.

Insgesamt verbuchte BVZ ein Wachstum von knapp 3 Prozent. Insbesondere wegen der Investitionen in neues Rollmaterial ist der Gewinn im 2015 wahrscheinlich dennoch geschrumpft. Zum Halbjahr hatte BVZ einen Rückgang von mehr als einem Drittel gemeldet. Inwieweit der starke Sommer geholfen hat, dass Boden gutgemacht werden konnte, wird sich am 20. März zeigen. Dann präsentiert das Tourismusunternehmen die Bilanz für 2015. Wie auch immer: Nach den starken Avancen der vergangenen Monate könnte es sein, dass die Möglichkeiten der Aktie vorerst ausgereizt sind.

Einstiegschance am Titlis

Deutlich früher, bereits am 26. Januar, legen die Titlis-Bergbahnen (ISIN: CH0214706357) ihren Abschluss für das Geschäftsjahr 2014/15 (per 31. Oktober) vor. Schon jetzt steht fest, dass so viele Menschen wie nie auf den markanten Gipfel in der Zentralschweiz gefahren sind. Bereits per Ende August hatte das Unternehmen 1,05 Millionen Besucher gezählt und damit den Rekordwert aus der Periode 2013/14 eingestellt.

Entsprechend begehrt ist der Nebenwert bei Börsianern. Im 2015 stand ein Kursplus von knapp 56 Prozent zu Buche. Gegenüber dem im November markierten Allzeithoch bei 450 Franken hat sich die Aktie inzwischen jedoch wieder um rund 15 Prozent verbilligt. Damit bietet sich gerade mit Blick auf die anstehende Zahlenvorlage eine Einstiegsgelegenheit. Schliesslich wäre die Aktie mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet, falls Titlis-Bahnen im Gesamtjahr die Wachstumsrate der ersten sechs Monate halten konnten. Hinzu kommt die Aussicht auf eine weitere Dividendenerhöhung.

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