Deutschland zieht die Blicke der Welt auf sich. In den kommenden Tagen findet am 7. und 8. Juni im oberbayrischen Elmau der G7-Gipfel statt und schon einen Tag zuvor das Finale der Champions League in Berlin. Mehr als 70'000 Menschen im Olympiastadion und hunderte Millionen Zuschauer am TV werden dabei sein, wenn Juventus Turin und der FC Barcelona zum Showdown um die Krone des europäischen Fussballs antreten. Geht es nach den Buchmachern, dann ist das spanische Team mit Top-Star Lionel Messi klarer Favorit.

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Aber auch für Anleger ist die Partie interessant. Zwar ist ein Vergleich der beiden Kontrahenten an der Börse nicht möglich, aber immerhin ist der italienische Traditionsverein kotiert.

Juve könnten Geschichte schreiben

Juventus Turin (ISIN IT0000336518) besitzt die für Fussball-Aktien typischen Wesenszüge. Neben relativ dünnen Handelsumsätzen zählen dazu die mitunter stark vom sportlichen Erfolg abhängigen Kursbewegungen. Insofern überrascht die jüngste Entwicklung der Juve-Aktie nicht, die übrigens eine Marktkapitalisierung von weniger als 300 Millionen Franken aufweist. Auf jeden Fall kletterte das Papier in diesem Jahr bereits um mehr als einen Drittel. Ausschlaggebend dürfte dabei weniger die Tatsache gewesen sein, dass sich das Team von Trainer Massimiliano Allegri die vierte Meisterschaft in Folge und zusätzlich den italienischen Pokal sichern konnte. Der zentrale Kurstreiber sind wohl eher die Erfolge in der Königsklasse. Aus sportlicher Sicht könnte die «vecchia signora», die «Alte Dame», wie der Verein bei Fans oft genannt wird, in Berlin das erste Triple aus Europapokal, Meisterschaft und nationalem Pokal klar machen.

Finanziell dürfen sich die Italiener schon jetzt auf einen warmen Geldregen freuen. Real Madrid kassierte nach der vergangenen Saison für den Gewinn der Champions League mehr als 60 Millionen Euro. An den im Endspiel unterlegenen Stadtrivalen Atlético überwies der europäische Fussballverband Uefa knapp 53 Millionen Euro. Dennoch wird es wohl für Juventus am Ende der Saison nicht für schwarze Zahlen reichen. Nach drei Quartalen stand unterm Strich ein Minus von 5,8 Millionen Euro zu Buche. So rechnet auch Klubpräsident Andrea Agnelli, seine Familie hält die Mehrheit am Klub, im Gesamtjahr 2014/15 mit einem Verlust. Hier kommen vor allem die steigenden Kosten für das Kader zum Ausdruck. Allein in den vergangenen drei Spielzeiten nahm dieser Ausgabenblock um fast einen Drittel zu. Immerhin: Operativ hat Juventus Turin bereits in der Saison 2013/14 den Turnaround geschafft. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern reichte es allerdings nur zu einer kleinen Marge von 2,8 Prozent. Da Juve zudem auf einer Nettoverschuldung von mehr als 200 Millionen Euro sitzt, sollten nur wagemutige Anleger auf eine Fortsetzung der Rally des Penny Stock setzen. Immerhin könnte ein Sieg morgen im Champions-League-Finale der Aktie einen weiteren zumindest kurzfristigen Schub geben.

Borussia Dortmund sammelt Geld ein

Finanziell deutlich solider aufgestellt, ist mittlerweile Borussia Dortmund (ISIN DE0005493092). Dabei kämpfte der einzige börsenkotierte deutsche Klub nach der Jahrtausendwende noch um das nackte Überleben. Neben einem Wechsel im Management ist die finanzielle Gesundung Ergebnis grosser sportlicher Erfolge. 2011 und 2012 gewannen die Schwarz-Gelben die deutsche Meisterschaft. 2013 stand das Team im Finale der Champions League, musste sich aber gegenüber dem Erzrivalen Bayern München geschlagen geben. Gleichwohl riefen die starken Leistungen Investoren auf den Plan. Im vergangenen Jahr sammelte der Traditionsklub über zwei Kapitalerhöhungen rund 140 Millionen Euro ein. Jetzt zählen neben dem Industriekonzern Evonik der Versicherer Signal-Iduna sowie der Sportartikelkonzern Puma zum Aktionärskreis.

Sportlich ist der Erfolgsfaden in der vergangenen Saison dennoch gerissen. Nach dem Abgang von Trainer Jürgen Klopp steht die Borussia nun vor einem Umbruch. Der Neuanfang könnte für Anleger eine Chance bedeuten. Schliesslich hat die BVB-Aktie gegenüber dem im Juli 2014 markierten Top knapp einen Drittel an Wert verloren. Marcus Silbe, Analyst bei Oddo Seydler, verweist darauf, dass die Equity-Story auf Erfolgen in der Champions League basiert. Nachdem der Klub die Qualifikation für die kommende Spielzeit verpasst hat, tritt er in der weniger lukrativen Europa League an. Sprichwörtlich abgegrätscht wurde das SDAX-Mitglied zuletzt auch von Blackrock. Die Investmentgesellschaft setzt auf fallende Kurse und hatte zwischenzeitlich mehr als 1 Prozent des Grundkapitals leer verkauft. Silbe kann sich aber vorstellen, dass diese Short-Position in wenigen Wochen geschlossen wird. Generell hält er Borussia Dortmund für fundamental unterbewertet. Der Analyst stuft die Aktie daher mit «Kaufen» ein und taxiert das Kursziel auf fünf Euro – ein Aufschlag von 40 Prozent zum aktuellen Niveau.

Manchester United – britische Vermarktungsprofis

Eine Saison ohne internationalen Wettbewerb hat Manchester United (ISIN KYG5784H1065) hinter sich. Trotz der erstmaligen Absenz in der Champions League seit 19 Jahren peilt der Klub für 2014/15 einen operativen Gewinn von 103 bis 110 Millionen britischen Pfund (147 bis 157 Millionen Franken) an. Hier kommt auch die grosse Stärke des Vereins zum Tragen, die Vermarktung. Allein im ersten Quartal 2015 schlossen die Briten drei Sponsorenverträge ab. Unter anderem darf sich Swissquote seit kurzem als Partner des Clubs bezeichnen. Der Onlinebroker erhält Zugang zur Fan-Datenbank und darf sein Logo auf der Internetseite und in den Publikationen des Fussballvereins platzieren. Wenn die «Reds» in der kommenden Saison auf die europäische Bühne zurückkehren, laufen sie in Trikots von Adidas auf. Mit einem 750 Millionen Pfund (1,1 Milliarden Franken) schweren Zehn-Jahres-Deal löste der deutsche Sportartikelkonzern den US-Rivalen Nike als Ausrüster ab. Langfristig interessant macht die Aktie auch der neue TV-Vertrag für die britische Liga. Die Premier League hat die Übertragungsrechte für den Zeitraum 2016 bis 2019 für mehr als fünf Milliarden Pfund (7,1 Milliarden Franken) verkauft.

Trotz der positiven finanziellen Aussichten bleibt auch hier der sportliche Erfolg ein zentraler Treiber. Gelingt dem Team des niederländischen Trainers Louis von Gaal in der kommenden Champions-League-Saison ein erfolgreiches Comeback, könnte der knapp drei Milliarden Franken schwere Klub auch an der Börse einen Konter setzen. J.P. Morgan Cazenove hebt den Daumen. Gerade hat das Researchhaus sein «Overweight»-Rating für Manchester United bestätigt und das Kursziel auf 21 US-Dollar erhöht. Daraus ergibt sich ein Potenzial von rund 25 Prozent.