Egal, ob SMI, Euro Stoxx 50 oder S&P 500: Per Saldo treten viele wichtige Aktienindizes seit Monaten auf der Stelle. Vor diesem Hintergrund dürfte sich so mancher Investor den Kopf darüber zerbrechen, ob die mehrjährige Hausse dieser Anlageklasse vorbei ist oder ob es sich nur um eine vorübergehende Konsolidierung handelt. Eine Möglichkeit, auf weiter steigende Kurse zu setzen, gleichzeitig aber die Risiken zu begrenzen, bieten Kapitalschutz-Zertifikate. Bei dieser Derivategattung ist der Einsatz zum Laufzeitende grösstenteils oder sogar vollständig durch den Emittenten garantiert. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, an einer positiven Entwicklung des Basiswertes zu partizipieren.

Offenbar kommt diese Funktionsweise bei den Anlegern an. Jedenfalls bringen die Banken laufend neue Kapitalschutz-Produkte an den Markt. «Wir stellen in diesem Bereich eine stabile Nachfrage fest», bestätigt Manuel Dürr, Head Public Distribution bei Leonteq Securities. Seinen Worten zufolge ziehen die Kunden diese Zertifikate mittlerweile als Alternative für auslaufende Obligationen heran. «Neue Franken-Anleihen werfen häufig keine Rendite mehr ab», erklärt der Derivateexperte. Allerdings stellt das Zinstief die Emittenten bei Kapitalschutz-Strukturen vor Herausforderungen. Ursächlich hierfür ist die rechtliche Natur dieser Produkte. Es handelt sich um Nullcouponanleihen. Da der Zins einer solchen Obligation erst zum Laufzeitende fällig ist, liegt ihr Ausgabepreis unter 100 Prozent. Den Abschlag auf den Nominalwert setzen die Emittenten zum Erwerb einer Option ein. Auf diese Weise ermöglichen sie die Partizipation am Basiswert. Das Problem: In Zeiten tiefer Renditen bleibt nicht viel, um diese Komponente zu finanzieren.

Referenzanleihen bieten höhere Renditen …

Eine Möglichkeit, dennoch interessante Konditionen zu bieten, stellen Referenzanleihen dar. Von dieser Praxis macht Leonteq in einer laufenden Neuemission Gebrauch. Bis zum 31. August steht ein Kapitalschutz-Zertifikat (ISIN CH0266686754) auf den SMI in der Zeichnung. In diese Struktur ist eine Obligation von Hewlett-Packard eingebaut. Anleger nehmen dabei neben dem Emittentenrisiko die Ausfallgefahr des US-Computerkonzerns in Kauf. Zum Laufzeitende in sieben Jahren stellt Leonteq eine Tilgung in der Höhe von 101 Prozent des Nominalwertes von 1000 Franken in Aussicht. «Der Kapitalschutz gilt, solange kein Kreditereignis eintritt», erläutert Dürr. Falls der US-Computerkonzern in Schieflage gerät, würde ein Liquidationsbetrag errechnet – schlimmstenfalls müssten Produktinhaber in diesem Szenario einen Totalverlust hinnehmen.

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Derweil macht Leonteq den Coupon vom absoluten Stand des SMI abhängig. Dazu dividiert die Emittentin einmal jährlich den Kurs des Leitindex durch eine Million. Angenommen, das Aktienbarometer hält sich bis zum ersten Beobachtungstermin im September 2016 auf dem aktuellen Niveau: Dann würde sich die Ausschüttung auf 0,95 Prozent belaufen. Das Beispiel zeigt, dass Anleger bei auf Franken lautenden Kapitalschutz-Zertifikaten trotz Referenzanleihe nicht zu viel erwarten dürfen. Schliesslich müsste der SMI in den fünfstelligen Bereich vorstossen, damit der Coupon bei diesem Produkt ein Prozent erreichen könnte.

… noch mehr ist bei Berücksichtigung von Fremdwährungen drin

Eine Alternative zur Einbindung von Drittschuldnern stellen auf Fremdwährungen lautende Zertifikate dar. Den Zinsvorsprung des US-Dollars gegenüber dem Franken nutzt die Credit Suisse für ein neues Kapitalschutz-Zertifikat (ISIN CH0288453738). Per 31. Juli 2020 gibt die Grossbank eine Garantie für den vollständigen Nominalwert ab. Bis dahin kann sie das Produkt alle zwölf Monate vorzeitig kündigen. Macht die Emittentin von diesem Recht Gebrauch, überweist sie neben dem Nominalwert einen Coupon in der Höhe von 5 Prozent p.a. an den Anleger.

Falls es nicht zu einer vorzeitigen Tilgung kommt, partizipiert das Zertifikat zur Schlussfixierung überproportional mit einer Rate von 175 Prozent an Kursgewinnen beim SMI. Der Leitindex sollte also seine Aufwärtsbewegung fortsetzen, damit dieses Produkt einen ordentlichen Ertrag abwirft. Andernfalls wird die Emittentin das Kündigungsrecht wohl kaum nutzen respektive die Schlusstilgung nicht besonders hoch ausfallen.

Internationale Auswahl und Minimum-Coupon

Einen Minimum-Coupon von einem Prozent verspricht die ZKB bei ihrem neuen Kapitalschutz-Zertifikat (ISIN CH0284405476). Per Verfall gibt die Kantonalbank zudem eine vollständige Garantie für den Nominalwert in der Höhe von 1000 norwegischen Kronen ab. Eine höhere Ausschüttung ist möglich, falls sich ein dem Produkt zugrunde liegender Aktien-Basket positiv entwickelt. Konkret fixiert die ZKB alle zwölf Monate die durchschnittliche Wertentwicklung der 20 Blue Chips gegenüber ihrem anfänglichen Niveau. Dabei ist der Performancebeitrag jedes einzelnen Titels auf 3,3 Prozent begrenzt, weshalb auch die jährliche Ausschüttung maximal diesen Wert erreichen kann. Auf der anderen Seite rechnet die ZKB Kursabschläge nur bis zu einem Minus von 10 Prozent ein.

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Was den Basiswert anbelangt, liegt ein Schwerpunkt auf den USA. Neun Unternehmen aus Amerika sind an der Wall Street kotiert. Dazu zählen beispielsweise Coca-Cola, GE und Pfizer. Für die Schweiz geht neben den drei SMI-Schwergewichten Nestlé, Novartis und Roche die Swisscom ins Rennen. Hinzu kommen Aktien aus Deutschland, aus den Niederlanden sowie aus Schweden und Japan.