Es ist eine Konferenz der Superlative: Vom 30. November bis zum 11. Dezember kommen in Paris Delegationen aus 195 Ländern zusammen. Zwölf Tage lang werden sich Politiker, Wissenschaftler, Wirtschaftsvertreter und Nicht-Regierungs-Organisationen den Kopf darüber zerbrechen, wie der Klimawandel als eine der grössten Bedrohungen für die Menschheit eingedämmt werden kann.

Das Ziel ist klar: Am Ende des Sitzungsmarathons soll sich die Staatengemeinschaft auf ein neues Abkommen einigen, welches die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius begrenzt. «Das Paris-Ergebnis ist bedeutender als das Kyoto-Protokoll», schreiben die Analysten von HSBC Global Research in einer aktuellen Publikation. Sie verweisen darauf, dass der Beschluss für alle Länder gelten soll, während sich die 1997 in Japan getroffene Vereinbarung nur auf die Industrienationen bezogen hat.

BNP Paribas lanciert Ethik-Index

Allein die Tatsache, dass die britische Grossbank ein eigenes Expertenteam für den Klimawandel beschäftigt, zeigt, dass dieses Megathema längst beim Kapitalmarkt angekommen ist. Schliesslich kosten wirkungsvolle Massmahmen gegen die Erderwärmung sehr viel Geld. «Finanzierung wird in Paris ein Schlüsselthema sein und könnte zum Stolperstein für die Verhandlungen werden», mahnt HSBC Global Research. In jedem Fall rückt mit der UN-Klimakonferenz das Thema nachhaltige Investments in den Fokus. Insbesondere die Anbieter von strukturierten Produkten haben sich bereits im Vorfeld in Stellung gebracht. Mit dem neuen «Ethical Europe Climate Care Index» wartet dabei BNP Paribas auf. Florian Stasch, Derivateexperte der französischen Emittentin, skizziert das Alleinstellungsmerkmal: «Der Index bringt zum ersten Mal ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Standards zusammen.» Bei der Konzeption nutzte BNP Paribas das Know-how von Vigeo, einer auf die Beurteilung der unternehmerischen Sozial- und Umweltverantwortung spezialisierten Agentur.

Ausgangspunkt für die Zusammensetzung ist der STOXX Europe 600. Dieser marktbreite Aktienindex wird zunächst auf die von Stasch genannten Kriterien hin abgeklopft. Aussen vor bleiben unter anderem Tabak- oder Waffenproduzenten. Im nächsten Schritt kommen der Treibhausgasausstoss der Konzerne sowie deren Gegenmassnahmen auf den Prüfstand. «Je höher der CO2-Fussabdruck ist, desto mehr wird von einem Unternehmen erwartet, dass es eine ehrgeizige Energiewende-Strategie verfolgt», erklärt der BNP-Paribas-Experte. Für die finale Indexzusammensetzung und -gewichtung sind das Handelsvolumen der übrig gebliebenen Aktien sowie deren Dividendenrenditen und historischen Kursausschläge massgeblich.

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Klima-Ethik – die Aktien haben die Nase vorn

Während britische Unternehmen die Startaufstellung mit einem Anteil von gut 40 Prozent dominieren, steuern heimische Valoren immerhin 18 Prozent bei. Mit Swiss Re und Swisscom sind zwei SMI-Mitglieder sogar die Schwergewichte des neuen Index. Hinzu kommen Zurich, Roche und Nestlé. Die Beispiele zeigen, dass die Auswahl in den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen positioniert ist. Insofern muss sich – wie so oft bei Themen-Zertifikaten – erst zeigen, ob sich das Konzept bezahlt machen wird.

In der historischen Rückrechnung kann der stringent und nachvollziehbar gestrickte «Ethical Europe Climate Care Index» überzeugen: Auf Sicht von zehn Jahren hat er gegenüber dem STOXX Europe 600 die Nase deutlich vorn. Seit einigen Tagen handelt BNP Paribas an der SIX mehrere Derivate auf den neuen Basiswert. Dazu zählt ein in Schweizer Franken denominiertes Tracker-Zertifikat (ISIN CH0300523062). Alternativ steht das Open-End-Produkt in der Indexwährung Euro (ISIN CH0300523070) sowie in US-Dollar (ISIN CH0300523088) zur Verfügung. Die Verwaltungsgebühr beträgt unabhängig von der Valuta ein Prozent p.a.

Julius Bär setzt auf saubere Energie

Mit einer laufzeitbegrenzten Lösung bringt sich Julius Bär im Vorfeld der Klimakonferenz in Stellung. Am 4. Dezember startet der Börsenhandel mit einem Tracker-Zertifikat (ISIN CH0263889161) auf den «Clean Energy Yieldco Basket». Der Begriff Yieldco steht für eine Gesellschaftsform, in der regenerative Energieträger gebündelt sind. Zu ihren typischen Wesensmerkmalen zählen laut Julius Bär stabile Cashflows und attraktive Ausschüttungen. Bei der Zusammensetzung des Portfolios achtete die Privatbank zudem auf einen erfolgreichen Track Record sowie auf tiefe Kapitalkosten, solide Bilanzen und ein erfahrenes Management. Der Basket ist mit 14 Unternehmen aus Nordamerika und Europa bestückt.

Die Gewichtung erfolgt auf Basis der Cashflows. Zu den Schwergewichten zählt mit einem Anteil von 10 Prozent Pattern Energy. Die Gruppe hält in den USA sowie in Kanada und Chile insgesamt 16 Windparks. Ebenfalls einen Zehntel steuert die spanische EDP Renovaveis bei. Das Energieunternehmen entwickelt, baut und betreibt diesseits wie jenseits des Atlantiks Wind- und Photovoltaikkraftwerke. Zwar wirkt auch die Vorgehensweise von Julius Bär schlüssig, doch ist die Laufzeit mit zwölf Monaten ziemlich kurz. Immerhin: Anfallende Dividenden der enthaltenen Unternehmen werden in den auf US-Dollar lautenden Basket reinvestiert.

ZKB mit eigenem Label

Die vorgestellten Produkteinführungen treten in eine direkte Konkurrenz zu bestehenden Nachhaltigkeitsinvestments. Ein besonders umfangreiches Angebot fährt hier die ZKB. Sie hat zu diesem Thema eigens das Konzept «MeinIndex» konzipiert. Damit können sich Anleger gezielt in Sektoren wie Solar, Wind oder Wasser positionieren oder geballt auf nachhaltige Unternehmen aus bestimmten Regionen setzen. Eine erfolgreiche Zwischenbilanz zeigt unter anderem das Tracker-Zertifikat (ISIN CH0107166461) auf den «MeinIndex Nachhaltigkeit Europa». Seit der Emission im Juli 2012 verteuerte sich das Produkt um knapp zwei Drittel. Damit schnitt die mit «sauberen» Unternehmen des alten Kontinents bestückte Auswahl deutlich besser ab als der breite Markt.

Einen nationalen Ansatz verfolgt J. Safra Sarasin mit dem «DAXglobal Sarasin Sustainability Switzerland Index». Dieser Börsengradmesser bedient sich beim renommierten Nachhaltigkeits-Universum der Privatbank. Massgeblich für die Aufnahme sind insbesondere Umwelt- und Sozialstandards. Geht es nach diesem Konzept, dann arbeiten die heimischen Grosskonzerne durchaus nachhaltig. Vier von fünf SMI-Mitgliedern qualifizieren sich momentan für den Index. Aussen vor bleiben lediglich die beiden Banken Credit Suisse und UBS, der Öldienstleister Transocean sowie das Agrarchemieunternehmen Syngenta. Zu den 16 Blue Chips aus der ersten Börsenreihe kommen 24 heimische Small und Mid Caps. Das Indexkonzept geht bis dato auf, aktuell notiert das entsprechende Tracker-Zertifikat (ISIN CH0034606159) um rund 14 Prozent über dem vor gut acht Jahren fixierten Emissionspreis. Damit hängt es den SPI deutlich ab.

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