Börsianer könnten denken: Da ziehen graue Wolken auf. Gestern ist die Meldung gekommen, dass der Auftragseingang in der Industrie in den USA im August überraschend stark um 10,1 Prozent gefallen ist. Ökonomen hatten einen Rückgang um 9,5 Prozent erwartet. Der starke Einbruch war Folge massiver Ordereinbrüche bei zivilen Flugzeugen. Ohne Transportsektor hielt sich der Auftragseingang aber mit -0,1 Prozent so gut wie stabil.

Zuletzt trübten sich auch die Hoffnungen der Experten bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, ein. Insbesondere die Euro-Zone kommt nach Schätzung der Volkswirte nicht so richtig aus der Krise heraus. Erst vor wenigen Tagen kappten die OECD-Spezialisten ihre Erwartungen beim Wachstum für den Euro-Raum für 2014 von 1,2 auf 0,8 Prozent. Für das nächste Jahr werden nun nicht mehr wie zuvor 1,7 Prozent Zuwachs erwartet, sondern nur 1,1 Prozent.

Konjunktur Schweiz – langsam, aber beständig nach oben

Etwas schneller geht es in der Schweiz voran. Nach Einschätzung der BNP Paribas wird sich das Plus von 1,1 Prozent von diesem Jahr im 2015 auf 1,4 Prozent erhöhen und 2016 mit 1,7 Prozent noch einen Gang höher schalten.

In Europa, ausserhalb der Euro-Zone, verspricht Polen sehr hohes Wachstum. Nach einem geschätzten Plus von 2,9 Prozent wird damit gerechnet, dass die Wirtschaft in den nächsten zwei Jahren mit 2,5 und 3,1 Prozent zulegen wird. Für Tschechien werden im nächsten und übernächsten Jahr Steigerungen von 2,2 und 2,7 Prozent erwartet. Aber die beiden Länder Osteuropas sind nur ein erster Lichtblick. Anders als viele angesichts gekappter Prognosen und wegen Kursrückgängen im SMI oder an Europas Börsen derzeit vermuten, sind die Erwartungen zu vielen Regionen der Welt nicht selten mehr als rosig.

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Hohes Wachstum – China, Indien, Philippinen und Vietnam

Schon vor der Tür Europas – die Türkei erweckt Hoffnung. Das Land am Bosporus soll nach einem kleinen Wachstumsdämpfer von 3,5 Prozent im 2014 auf 3,0 Prozent im nächsten Jahr und im 2016 wieder mit 3,7 Prozent zulegen.

Mexiko – in der letzten Ausgabe empfahl stocksDIGITAL mehrere vielversprechende Investments im lateinamerikanischen Land – wird nach Schätzung der Ökonomen bei BNP 2015 um 4,2 Prozent wachsen und 2016 mit 4,3 Prozent weiter zulegen. Die Analysten der französischen Bank rechnen auch für Brasilien für 2016 wieder mit einer Wachstumsbeschleunigung. Nach einer Stagnation in diesem Jahr und flauen 1,0 Prozent im 2015 soll die Wirtschaft am Zuckerhut im 2016 wieder auf 2,5 Prozent beschleunigen.

Die stärksten Wachstumsperspektiven unter den grossen Ländern bieten China und Indien. Während davon ausgegangen wird, dass die Wirtschaft im Reich der Mitte im nächsten und übernächsten Jahr mit 6,8 und 6,5 Prozent steigen wird, werden für Indien Zuwächse von 5,9 Prozent und 6,5 Prozent erwartet. Im 6er-Prozentbereich liegen auch die Philippinen und Vietnam. Die arabische Welt wird zusammen mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Emiraten mit Wachstumsraten im Bereich von 4,0 Prozent in den nächsten Jahren ebenfalls zu den Top-Wachstumsbeschleunigern der Welt zählen. Mehr als 5,0 Prozent könnten es in Singapur und in Indonesien werden. Und eine Wachstumsverdopplung auf 5,0 Prozent wird im nächsten Jahr für Thailand erwartet, Malaysia wird möglicherweise ähnlich rasch zulegen. Knapp dahinter werden nach Schätzung der BNP Australien, Südkorea und Taiwan mit Zuwächsen bis 2016 von jeweils mehr als 3,0 Prozent folgen.

Welche wachstumsstarken Länder besonders vielversprechend sind

Nicht ganz so grosse Sprünge machen, werden die USA, aber auch ihnen gegenüber herrscht Zuversicht. Für die grösste Volkswirtschaft der Welt wird erwartet, dass sie im nächsten Jahr beim Wachstum nicht nur von 2,1 Prozent auf 2,8 Prozent beschleunigen wird, sondern auch, dass sie im 2016 um weitere 2,4 Prozent zulegen wird. Das wird wahrscheinlich – auch infolge im Vergleich zum schwachen Euroraum steigenden US-Zinsen – den Dollar und die US-Aktien beflügeln. Doch auch Titel aus anderen Regionen bleiben angesichts der hohen Wachstumsperspektiven vielversprechend.

Der polnische Leitindex WIG 20 etwa läuft seit zwei Jahren seitwärts in ein charttechnisches Dreieck hinein. Zieht die Wirtschaft im Land an, könnte der Ausbruch nach oben bald erfolgen. Anleger spielen dieses Szenario mit einem Index-Tracker-Zertifikat (ISIN: CH0025003994, Laufzeit endlos). Auch Thailands SET 50 könnte interessant sein. Zwar ist der Index in den letzten Monaten bereits deutlich gestiegen, die erwartete Wachstumsverdopplung für das nächste Jahr scheint aber noch nicht voll in den Kursen drin zu sein (Index-Tracker, ISIN: CH0017760403, Laufzeit endlos). Nach längerem Seitwärtslauf des BSE der Bombay Stock Exchange zwischen 2010 und 2014 ist der indische Aktienmarkt zwar seit dem Jahresanfang in einem deutlichen Aufwärtstrend, angesichts der erwarteten hohen Wachstumsraten der Wirtschaft wird aber wohl das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht worden sein (ETF, ISIN: FR0010375766). Für etwas risikofreudigere Anleger spannend sind auch die wachstumsstarken Märkte Indonesien (ETF, ISIN: IE00B46G8275) und Vietnam (ETF, ISIN: LU0322252924).

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