Für Aktionäre gab es in den vergangenen Jahren viel Grund zu Feiern. Seit Ausbruch der Finanzkrise legten S&P 500, DAX und Co. eine beachtliche Performance hin – diese hat sich teilweise vom Tiefpunkt ihrer Notierungen aus dem Jahr 2009 mehr als verdreifacht. Danksagungen können dabei gerne direkt an die lokale Zentralbank gerichtet werden.

Mit dem Versuch die Finanzkrise einzudämmen, senkten die Zentralbanken die Zinsen auf Rekordniveaus und fluteten die Märkte mit Geld aus den immer grösser werdenden Programmen der Quantitativen Lockerung (QE - Quantitative Easing). 

Bilanzsummen der Zentralbanken vervielfacht

Um sich ein Bild davon zu machen, welche Dimensionen diese QE-Programme mittlerweile angenommen haben, braucht man nur die Bilanzsummen der Zentralbanken anzuschauen. Während die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Bilanzsumme bis dato «nur» um knapp das 2.5-fache steigerte, schöpften andere Zentralbanken wie die US-Notenbank (FED), die Bank of Japan (BOJ), die Englische Zentralbank (BOE) aber auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) aus dem Vollen.

Die Bilanzsummen stiegen hier im Schnitt um das 4- bis 5-fache der Ausgangswerte von Anfang 2008. Besonders besorgniserregend sind insbesondere die Zahlen der SNB und der BOJ, welche mittlerweile eine Bilanzsumme in der Höhe des BIP ihres jeweiligen Landes erreichen.

Anleiherenditen auf dem Nullpunkt

Was dieser massive Aufkauf von Staatsanleihen durch die QE-Programme für den Renditemarkt konkret bedeutet, lässt sich schnell veranschaulichen. Ein Investor, der dem deutschen Staat heute auf zehn Jahre Geld leiht, muss froh sein, wenn er am Ende nicht draufzahlen muss. Denn sollte in diesen zehn Jahren die Inflation doch wieder steigen, verliert er bei so einem Investment unterm Strich Geld.

Anzeige

Kein Wunder also, dass sowohl Privatinvestoren als auch institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen in solch einem Zinsumfeld bislang beherzt zu Aktien griffen. Bis heute scheint diese Rechnung aufzugehen, denn die Kurse kannten nur eine Richtung – nach oben. Doch auf welch wackeligen Beinen die Aktienmärkte stehen, haben wir vergangene Woche gesehen. Allein die blosse Andeutung von Mario Draghi, dass eine weitere Ausweitung des QE-Programms seitens der EZB derzeit nicht diskutiert wird, reichte aus, um die internationalen Aktienmärkte in Angst und Schrecken zu versetzen. Und genau hier stehen die Zentralbanken nun vor den Geistern, die sie selbst riefen.

Die Problematiken einer Zinserhöhung

Zum einen wissen die Zentralbanken, dass eine dauerhafte Niedrigzinspolitik dem ohnehin schon stark gebeutelten Bankensektor weiter zusetzen würde, zum anderen könnten steigende Zinsen die wackelige Konjunkturerholung kippen und zu grösseren Verwerfungen an den Aktienmärkten sorgen. Wie schwierig sich eine Zinswende tatsächlich gestaltet, zeigt sich aktuell bei der FED. Nachdem dort im vergangenen Dezember die «Zinswende» mit einer Zinsanhebung von 25bp eingeleitet wurde, stockt dieses Vorhaben seither. Warum dies so ist, lässt sich an 5 Punkten erklären:

  • In den USA gibt es zwar Erfolge auf dem Arbeitsmarkt wo sich im Laufe des Jahres die Arbeitslosenquote bei knapp unter 5% eingependelt hat. Jedoch steigen die Gehälter durchschnittlich nicht so stark wie vor der Krise. Dies wiederum hat Auswirkungen auf den wichtigen Binnenkonsum. Weiter würden Kredite wieder teurer, was den Binnenkonsum weiter schmälern würde, da die Bevölkerung weniger Geld für den Konsum übrig hätte.
  • Die Inflationsraten befinden sich nach wie vor deutlich hinter der Zielgrösse von 2%.
  • Das Geschäftsklima in den USA trübt sich auch wegen diverser globaler Krisen wieder ein.
  • Steigende Zinsen in den USA würden den US Dollar weiter stärken und somit die exportorientierte Industrie belasten.
  • Zusätzlich würde eine weitere Zinsanhebung deutlichen Druck auf viele Emerging Markets ausüben, die im Rahmen der Niedrigzinspolitik ihre USD-denominierten Verbindlichkeiten deutlich vergrössert haben. Höhere Zinsen in den USA würde also das Wirtschaftswachstum bei den Emerging Markets ausbremsen.  

Zentralbanken treten auf die Bremse

Nachdem in den vergangenen Wochen Zentralbanken wie die EZB, die BOE und die SNB auf die Bremse getreten sind, folgten ihnen diese Woche auch die FED und die BOJ. Während die BOJ zur Kontrolle der Kurvensteilheit der Renditekurve immerhin einen neuen Weg beim Ankauf von Staatsanleihen eingeht, tritt die FED weiter auf der Stelle. Zwar betonte Janet Yellen erneut, dass sich die Grundlage für einen weiteren Zinsschritts verstärkt hätte, doch beliess der Offenmarktausschuss die Zinsen weiterhin unverändert.

Der Markt bleibt also nach wie vor im ungewissen ob im Jahr 2016 noch ein Zinsschritt erfolgen wird. Den perfekten Zeitpunkt für eine Zinserhöhung in den USA wird es nicht geben. Jedoch sollten sich die Zentralbanker wieder daran gewöhnen die Märkte mit ruhiger Hand und Weitblick zu leiten und sich nicht von überraschenden Schritten treiben zu lassen. Um dies umsetzen zu können, müssen die Zentralbanken künftig jedoch verstärkt die Unterstützung von Seiten der Fiskalpolitik erhalten.  

Die Zentralbankparty legt derzeit eine kurze Pause ein, wohl um den Kater danach etwas zu mildern.

* Christos Maloussis ist Market Analyst der Genfer IG Bank.