Gold bringt wirklich Spannung. Nach dem starken Kursverfall im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent und dem darauf folgenden Preisaufschwung von Januar bis Mitte März um 15 Prozent war das gelbe Metall bis Ende Mai überhaupt nicht gefragt. In zwei Monaten fiel die Notierung um bis zu 10 Prozent.

Im Juni kam die Wiederbelebung. Mit dem starken Rebound von der Unterstützung um 1245 Dollar sah es für ein neues Comeback wirklich schon sehr gut aus. Ein ähnliches Kursmuster gab es bereits im Februar und danach schnelle Kursgewinne von 11 Prozent bis Mitte März. Auch jetzt hat Gold rasant zugelegt und den Abwärtstrend geknackt. Vor wenigen Tagen sprang der Preis nämlich über die obere Begrenzungslinie des Abwärtstrends vom Oktober 2012. Gleichzeitig schaffte das gelbe Metall den Sprung über die wichtige 100- und 200-Tage-Linie.

Widerstand zum Greifen nahe

Gold konnte auch beim Momentum die 100-Prozentlinie überschreiten. Auch das war als Kaufsignal zu werten. Und schliesslich war Mitte  Woche beim Kurs von 1328 Dollar die nächste Hürde zum Greifen nahe. Um 1330 Dollar je Unze liegt ein starker Widerstand, von dem aus die Notierung des gelben Metalls zuletzt Anfang März kräftig durchstarten und innert zwei Wochen um 4 Prozent auf bis 1386,50 Dollar steigen konnte. Am Donnerstag legte das Metall aber erst einmal wieder eine Verschnaufpause ein.

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So viel zum Kursverlauf. Nun zu fundamentaleren Dingen. Im Juni haben sich die Investoren zurückgemeldet. So stieg die Zahl der Gold-Calls an der Terminbörse Comex im vergangenen Monat um rund 18 Prozent. Bei Puts – mit denen Anleger auf fallende Kurse spekulieren – gab es hingegen einen Rückgang um einen Viertel.

Gleichzeitig verbucht derzeit mit dem SPDR-Gold-Trust der grösste Gold-ETF der Welt wieder einen starken Anstieg der Bestände. Zwischen Montag und Mittwoch kletterten diese um 1,4 Prozent auf 796,4 Tonnen. Das war der stärkste Goldzufluss im ETF an zwei Tagen seit November 2011. Obwohl der Kurseinbruch von 2013 noch bei vielen Investoren in den Köpfen steckt, könnten die jüngsten Gewinne im Juni und das Jahresplus von knapp 10 Prozent Gold langsam wieder interessant machen. Das war der stärkste Anstieg im ersten Halbjahr seit 2010. Immerhin scheinen auch Goldmünzen und -barren gefragt zu sein. So verbuchte die australische Münzprägeanstalt Perth Mint im Mai ein Plus bei den Verkäufen von 9,1 Prozent auf 39'405 Unzen.

Auch das grosse Bild sieht gut aus. Nach Schätzungen der Londoner Investmentfirma ETF-Securities deuten aktuelle Daten darauf hin, dass allein China, Indien und die Notenbanken in diesem Jahr rund 90 Prozent der gesamten Goldproduktion nachfragen werden. Dabei ist China inzwischen vor Indien der grösste Goldkonsument weltweit. Mit 1176,4 Tonnen gingen im vergangenen Jahr 28 Prozent des Edelmetalls ins Reich der Mitte – ein neuer Rekordwert.

China: Goldnachfrage soll deutlich steigen

Die steigende Nachfrage ist eine Folge der wachsenden wohlhabenden Mittelschicht im Land. Das World Gold Council rechnet damit, dass der Bedarf an Gold in China in den nächsten vier Jahren um 25 Prozent auf mindestens 1350 Tonnen im Jahr steigen wird. Die Nachfrage aus Asien könnte sogar kurzfristig noch etwas anziehen. Derzeit besteht die Hoffnung, dass die indischen Importbeschränkungen bei Gold gelockert und die Importsteuer, die Ende 2013 auf 10 Prozent erhöht worden war, wieder gesenkt werden könnte.

Es gibt aber auch Skepsis. Steigende Zinsen infolge gedrosselter Geldpolitik könnten Gold noch weniger attraktiv machen. Die Analysten von Goldman Sachs sehen deshalb Abwärtsrisiken und rechnen mit einem Goldpreis von nur noch 1050 Dollar im Lauf der nächsten zwölf Monate. Doch im 2011er- und 2012er-Boom hatten Auguren vor dem Absturz auch schon einen Goldpreis von 5000 Dollar je Unze prognostiziert.

Gold-Anleger setzen auf ETFs, auf Zertifikate und auf Minen

Wer auf einen weiteren Aufschwung des Edelmetalls setzen will, kann beispielsweise mit dem Gold-ETF des SPDR Gold Shares (ISIN: US78463V1070) mit Partizipation eins zu eins an der Goldpreisentwicklung teilhaben. Ein Call bringt jedoch etwas mehr Bewegung in die bekanntermassen vergleichsweise kleinen Schrittchen der Goldnotierung. Etwas konservativere Anleger, die davon ausgehen, dass Gold rasch über die 1330-Dollar-Marke springen wird, wählen einen Knock-out mit einem etwas niedrigeren Hebel (ISIN: CH0238748104, Laufzeit 19.12.14, Knock-out und Basis jeweils 1100 Dollar, Bezugsverhältnis 100:1). Wer etwas risikofreudiger ist, greift zu einem höheren Knock-out-Level und hat dadurch etwas mehr Risiko (ISIN CH0214852060, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 1153,98 Dollar, Bezugsverhältnis 100:1).

Eine Art Hebel auf den Goldpreis gibt es auch bei Aktien von Minengesellschaften wie Barrick Gold (ISIN: CA0679011084). Nachdem der Konzern aus Toronto in den letzten zwölf Monaten deutlich abgespeckt und die Produktionskosten um einige hundert Dollar gedrückt hat, könnten weitere Steigerungen beim Goldpreis den Barrick-Kurs wieder über den Widerstandsbereich um 20 Dollar treiben. Im ersten Quartal hielt das Unternehmen die Förderkosten mit 833 Dollar je Unze immerhin unter der selbst gesteckten Zielspanne für 2014 von 920 bis 980 Dollar. Und in diesem Jahr sollen Einsparungen von 500 Millionen Dollar realisiert werden.