Rund 15'000 Menschen pro Jahr sterben allein hierzulande an Krebs, weltweit sind es mehr als acht Millionen – Tendenz steigend. Auch die Neuerkrankungen nehmen dramatisch zu. Bis zum Jahr 2025 ist es nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO möglich, dass weltweit jährlich 20 Millionen Menschen an Krebs erkranken werden. Das wären 40 Prozent mehr als zurzeit. Als Gründe nennt die Organisation den Anstieg des Bevölkerungswachstums, die zunehmende Lebenserwartung sowie häufig schädliche Ernährungsgewohnheiten.

Angesichts des erwarteten dramatischen Anstiegs forschen Pharma- und Biotechunternehmen mit Hochdruck an neuen Medikamenten. Eine vielversprechende Option in der Verteidigung gegen die Tumore stellt die Immuntherapie dar. Dieses Heilverfahren setzt auf das körpereigene Abwehrsystem. Verschiedene Krebsmittel, die das Immunsystem diesbezüglich positiv stimulieren sollen, sind schon auf dem Markt.

Roche: Positive Überraschung ist möglich

Besonders eifrig in der Entwicklung immuntherapeutischer Krebsmedikamente ist Roche. Bis zum Jahresende sollen elf Projekte die dritte und letzte Phase der klinischen Entwicklung erreichen. Im Fokus steht derzeit der Wirkstoff «MPDL3280A» gegen Lungen- und Blasenkrebs. Für diesen möchte der Konzern bereits 2016 Zulassungsanträge in den USA und in Europa stellen. Die Fortschritte bei den Entwicklungen wird Roche vom 29. Mai bis 2. Juni in Chicago vorstellen. Dort findet die 51. Jahrestagung der amerikanischen Onkologiegesellschaft (ASCO) statt, die wichtigste Grossveranstaltung der Branche.

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Kein Wunder, dass die Analysten von Goldman Sachs den Genussschein von Roche (ISIN CH0012032048) vor der Jahreskonferenz der Krebsforscher mit «Buy» bestätigen. Für den Fall, dass der Konzern seine Ansätze zur Immuntherapie gegen Krebs schneller zur Marktreife führen wird als erwartet, rechnet Analyst Keyur Parekh damit, dass die Gewinne bis 2018 höher als bisher erwartet ausfallen werden. «Jüngste Daten für die ASCO stimmen diesbezüglich optimistisch», urteilt der Experte.

Aussichstreiche US-Player

Neben Roche gelten auch die beiden US-Konzerne Bristol-Myers Squibb (ISIN US1101221083) und Merck & Co. (ISIN US58933Y1055) sowie die britisch-schwedische AstraZeneca (ISIN GB0009895292) als führend in diesem Bereich. Merck & Co. erhielt im vergangenen Herbst für «KEYTRUDA», den ersten Antikörper, der die körpereigene Immunantwort gegen fortgeschrittenen Hautkrebs reaktiviert, in den USA eine Zulassung. Um das Potenzial des Wirkstoffs noch besser zu verstehen, testet das Unternehmen «KEYTRUDA» in mehr als 85 Studien und 30 verschiedenen Krebsarten. Das Unternehmen wird an der ASCO Neuigkeiten dazu bekanntgeben.

Kapitalmarktexperten stufen die Aussichten des Pharma-Titels überwiegend als positiv ein. Der Analystenkonsens lautet derzeit auf «Outperform». Dabei kam es zuletzt zu einigen Hochstufungen nach den vorgelegten Quartalszahlen. So hat beispielsweise Argus ihr Kursziel von 66 auf 70 Dollar erhöht. Dank starker Nachfrage nach ihrem Diabetes-Mittel «Januvia» und ihrer Tiermedizinprodukte konnte Merck & Co. die Erwartungen der Wall Street mit einem Quartalsgewinn von 85 Cent je Aktie um satte 10 Cent übertreffen.

Dynamisches Wachstum

Setzt sich die Immuntherapie bei der Krebsbekämpfung durch, dürfte dies auch die Gewinne von Bristol-Myers Squibb (BMS) deutlich anschieben. Einen wichtigen Erfolg feierte der US-Konzern Anfang des Jahres mit dem Wirkstoff «Nivolumab», der bei vielen Lungenkrebspatienten Wirkung zeigte. An der ASCO wird BMS gleich zu drei potenziellen Mitteln für die Immuntherapie klinische Daten präsentieren.

Anleger honorieren die Erfolge von BMS bereits seit längerem mit Kursaufschlägen. Auf Jahressicht liegt die Aktie um knapp 40 Prozent vorne. Doch, obwohl der Titel mittlerweile ein KGV von 29 auf Basis der erwarteten Profite für 2016 aufweist, könnte sich die Klettertour noch fortsetzen. Das erwartete durchschnittliche Gewinnwachstum für die kommenden zwei Jahre beträgt immerhin 38 Prozent.