Es war ein Paukenschlag, was Barack Obama Mitte Dezember mitzuteilen hatte: Der US-Präsident kündigte nach mehr als einem halben Jahrhundert die Wiederaufnahme bilateraler Gespräche mit Kuba an sowie Pläne zur Aufhebung der Kuba-Blockade. Insbesondere einigen Exil-Kubanern und den ihnen nahestehenden Republikanern gefällt dies zwar nicht, weil sie primär zuerst eine Ablösung des kommunistischen Regimes anstreben, aber die Politik-Wende werden auch sie vermutlich nicht mehr umkehren können.

Die Meldung führt natürlich sofort zu Gedankenspielen und Spekulationen darüber, wie sich die Entscheidung auf Kuba auswirken wird, das am Tropf Chinas, Venezuelas und Russlands hängt, und wie Anleger davon profitieren können. Überlegungen dieser Art wurden in der Vergangenheit immer wieder dann angestellt, wenn es Hoffnung auf eine Öffnung des sozialistischen Wirtschaftsmodells gegeben hat. Vor der Einführung des Embargos im Jahr 1962 sind rund 80 Prozent aller kubanischen Exporte in die USA gegangen.

Schon jetzt laufen Reformen …

Mit dem Richtungswechsel in Washington fallen die Überlegungen dieses Mal nicht nur intensiver aus als früher, sondern die Chancen auf lukrative Geschäfte sind auch greifbarer  geworden. Obendrein versucht sich der karibische Inselstaat schon seit einigen Jahren an einer vorsichtigen Öffnung der heimischen Wirtschaft. So gibt es seit dem Vorjahr ein Gesetz über Auslandsinvestitionen in Kuba und zu einer Sonderwirtschaftszone. Zudem wird mehr Privatinitiative zugelassen, und Beschränkungen beim Auto- und Immobilienkauf werden aufgehoben.

… und ein Anlagevehikel mit Fokus Kuba

Auf der Suche nach Anlageoptionen, mit denen sich auf eine Öffnung des kommunistischen Tropenstaates möglichst einfach spekulieren lässt, bleiben Interessenten meistens zuerst beim bereits 1994 aufgelegten Herzfeld Caribbean Basin Fund (ISIN: US42804T1060) hängen. Wie auch schon in früheren Spekulationswellen ist dieser börsennotierte Fonds, der Kuba als zentrales Anlagethema verfolgt, auch dieses Mal wieder schnell in den Fokus geraten.

Im Dezember schoss der Kurs im Zuge des Tauwetters gleich um 60 Prozent nach oben. In diesem Produkt, Börsenwert rund 32 Millionen Dollar, ist im Moment jedoch schon etwas Hoffnung und Phantasie eingepreist, liegt doch der aktuelle Kurs mit etwa 8,70 Dollar deutlich über dem zuletzt gemeldeten Nettoinventarwert von 7,33 Dollar je Anteil. Dass der Fonds immer wieder im Fokus der Spekulanten steht, zeigt auch die Entwicklung der Vergangenheit. 2006/07 beispielsweise, als es schlecht um die Gesundheit des damals noch regierenden Fidel Castro gestanden ist, hatte sich der Kurs innert kurzer Zeit auf 17 Dollar verdoppelt. Wenig später wurden dann aber alle Kursgewinne auch schnell wieder abgegeben, nachdem sich die Aussicht auf nachhaltige politische Veränderungen nicht erfüllt hatte.

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Auch aktuell dürfte selbst bei einer positiven Entwicklung nach wie vor ein mittlerer Zeithorizont vonnöten sein, damit man beim Setzen auf Kuba Erfolg haben kann. Wer diese Zeit hat, findet weitgefächert Tummelfelder, denn durch die Mangelwirtschaft, die bisher vorgeherrscht hat, besteht Bedarf an allen Ecken und Enden. Naheliegende potenzielle Wachstumsbranchen sind der Tourismus, Infrastruktur, Energie, Handel, Konsum, Telekommunikation, Hausbau oder Finanzdienstleistungen. Bei vielen ausländischen Unternehmen, die versuchen, davon zu profitieren oder die vielleicht sogar schon vor Ort aktiv sind, ist es das grösste Problem, dass ihre Kuba-Operationen nur einen kleinen Teil ihrer Aktivitäten ausmachen. Erfolge auf Kuba schlagen sich somit nur geringfügig in der Bilanz und gegebenenfalls nur marginal im Kurs nieder.

Tourismus-Profiteure: Copa Holding, Royal Caribbean Cruises, Carnival und Sol Melia

Dennoch gibt es auch ein paar Unternehmen, die von einer Belebung der Karibik-Insel deutlich messbar profitieren dürften. So halten Tourismus-Experten allein bei der Zahl der Kuba-Reisenden aus den USA in kurzer Zeit einen Anstieg von 500'000 auf zwei Millionen Gäste für möglich. Das wird wohl Fluggesellschaften wie Copa Holdings (ISIN: PAP310761054) aus Panama, die Kuba bereits jetzt anfliegt, ebenso zu lukrativen Zusatzgeschäften verhelfen wie den Kreuzfahrtunternehmen.

Schon jetzt ist die Karibik bei Royal Caribbean Cruises (ISIN: LR0008862868) oder Carnival (ISIN: GB0031215220) bei 44 Prozent und 34 Prozent der Kreuzfahrten ein Baustein der Route, und wenn Kuba, das nur 90 Meilen von Florida entfernt ist, als weitere Anlaufstation dazukommen sollte,  ist es möglich, dass dieser Anteil in Zukunft weiter steigen wird. Im Unterkunftssegment ist die spanische Hotelkette Sol Melia (ISIN: ES0176252718) bereits in Kuba vertreten.

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Transport, Banken, Immobilien – Kuba-Gewinner breit gestreut

Vom zunehmenden Handel wird sich vielleicht der Schiffstransport-Spezialist Seaboard (ISIN: US8115431079) eine Scheibe abschneiden oder Norfolk Southern (ISIN: US6558441084), die an der Ostküste Floridas eine Eisenbahnlinie betreibt, die auch die südlich gelegenen Häfen ansteuert. Im Finanzsektor stehen Kreditkartenanbieter wie American Express in den Startlöchern, um ihre Dienstleistungen nun endlich auch in Kuba anzubieten. Unter den Banken weisen wohl regionale Institute wie Banco Latinoamericano de Comercio Exterior (ISIN: PAP169941328) oder Bancolombia (ISIN: US05968L1026)  die besten Startvoraussetzungen auf.

Ein Immobilienboom könnte zudem Unternehmen wie dem US-Hausbauer Lennar Corp. (ISIN: US5260571048) in die Karten spielen. Viel Nachholbedarf gibt es auch im Telekommunikationsbereich. Schätzungen zufolge verfügen von den rund elf Millionen Kubanern nur etwa 5 Prozent über einen Internetanschluss. Diese geringe Penetrationsrate wird möglicherweise einen spanischsprachigen Anbieter wie die mexikanische America Móvil (ISIN: US02364W1053) nach Kuba locken.

Auch grosse Konzerne wie Pernod mischen kräftig mit

Gut positioniert scheint auch MasTec (ISIN: US5763231090) zu sein, ein Spezialist für Engineering und Bau-Dienstleistungen im Infrastrukturbereich. Dort ist der Vorstandschef obendrein Kubaner, was bei der Erschliessung des Marktes helfen dürfte. MasTec ist allerdings auch im Öl-Sektor tätig und wird deshalb wohl primär unter der aktuellen Ölpreisschwäche leiden und kaum von vagen Kuba-Hoffnungen profitieren.

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Im Getränkebereich hat sich übrigens die französische Pernod Ricard bereits mit 50 Prozent an Havana-Club-Rum, dem beliebtestem Exportgut Kubas, beteiligt.

Was wird aus den alten Ansprüchen?

Neben den genannten Profiteuren gibt es auch andere Optionen, die Kuba-Gewinne bringen könnten. Dazu zählen beispielsweise die Ansprüche von Unternehmen, die sich durch das kommunistische Regime enteignet fühlen. In diese Gruppe einzustufen, ist unter anderem der Rohstoff-Produzent Freeport-McMoRan Copper & Gold (ISIN: US35671D8570), der früher die Moa-Nickelmine in Holguin betrieben hat, bevor sie Ende der 1950er-Jahre von Fidel Castro konfisziert worden ist. Heute wird dort von Sherritt International (ISIN: CA8239011031) Nickel gefördert, einem kanadischen Unternehmen, das ein Joint Venture mit dem kubanischen Staat unterzeichnet hat.

Der zu OfficeDepot gehörende Büro-Ausrüstungs-Händler Office Max hatte früher die Cuban Electric Company im Besitz, bevor es auch hier nach der Revolution zur Enteignung gekommen ist. Starwood Hotels & Resorts Worldwide (ISIN: US85590A4013) besitzt die Rechte auf enteignete Immobilien, und es gibt noch die alten Staatsanleihen aus der Zeit vor der Revolution. Diese sind kaum etwas wert und werden wenig gehandelt. Aber falls das Land irgendwann an den Kapitalmarkt zurück will, könnten diese Papiere wieder interessant werden. Aber trotz der neuen Hoffnung sind diese Anleihen Exoten, wie die gesamte Insel eine Exotin ist. Wer dort investieren will, sollte Zeit und Risikobereitschaft mitbringen. Gerade am Anfang, bei der grössten Unsicherheit, winken hier zwar die grössten Gewinnchancen, es wird hier aber auch das meiste Geld in den Sand gesetzt.

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