In den letzten zwei Jahren zählten ausgewählte Börsen im Nahen Osten weltweit zu den Top-Performern unter den globalen Aktienmärkten. Und seit dem Jahresbeginn konnten mehrere regionale arabische Börsen erneut um 10 bis 20 Prozent zulegen. Der «arabische Frühling» und die damit verbundenen politischen Turbulenzen haben die Kurse damit zuletzt wohl nicht sonderlich belastet.

Sehr gut geschlagen, hat sich unter anderem die Börse in Dubai. Der heimische DFM General Index hat sich allein in den vergangenen zwölf Monaten auf 4100 Punkte mehr als verdoppelt. Das zeigt, dass auch der in den Jahren 2008/09 in Dubai zusammengebrochene Immobilienmarkt keine grosse Belastung mehr darstellt. Dennoch blicken vor allem westliche Anleger nach den Kursverlusten während der Finanzmarktkrise noch skeptisch auf die Börsen in Nahost. Vor allem die dort vorherrschende Neigung zu Superlativen ist vielen nicht ganz geheuer. Immerhin birgt diese Einstellung die Gefahr neuer Blasen, etwa an den lokalen Immobilienmärkten. 

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Starkes Wirtschaftswachstum in Nahost

Hinzu kommen politische Risiken. So würde eine Militärintervention in Syrien die ganze Region in Mitleidenschaft ziehen. Ein Regionalbericht der Bertelsmann Stiftung bescheinigt dem politischen Transformationsprozess hin zu mehr Demokratie keine grossen Fortschritte. Dennoch hat die Region einiges zu bieten. So dürften die Volkswirtschaften im Nahen Osten wie schon 2013 in diesem und im nächsten Jahr mit einer Rate von gut 3 Prozent wachsen.

Was die Konjunktur schmiert, ist unter anderem der weiterhin hohe Ölpreis. Ausserdem macht sich die immer stärkere Zusammenarbeit mit der Wachstumsregion Asien positiv bemerkbar. Nicht unerwähnt bleiben, sollte auch die Anziehungskraft, die von den lokalen Steuersystemen ausgeht. So belegen die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Saudi-Arabien die ersten drei Plätze in der Kategorie der einfachsten steuerlichen Rahmenbedingungen im «Doing-Business 2014 Report» der Weltbank.

Auch 2014 sind hohe Kursgewinne drin

Positiv hervorzuheben, ist zudem die Stärke, welche die Aktienmärkte im Nahen Osten in einer Zeit bewiesen haben, in der viele andere Schwellenländerbörsen unter Druck standen. Was die Investoren neben den genannten Faktoren an der Region schätzen, sind geringe Währungsschwankungen, Leistungsbilanzüberschüsse und nicht selten attraktive Dividendenrenditen. Vor diesem Hintergrund hält J.P. Morgan bis zum Jahresende weitere Kurssteigerungen der lokalen Börsen von im Schnitt rund 15 Prozent für möglich. Allerdings sehen Experten inzwischen häufig die Gefahr von übertriebenen Bewertungslevels an einigen Märkten, die besonders gut gelaufen sind, wie Dubai oder Vereinigte Arabische Emirate VAE.  

Bewertungstechnisch noch günstig, gestaltet sich die Lage im Libanon und in Bahrain. Die Bank Audi beispielsweise beziffert das KGV der libanesischen Börse auf 7,7 und in Bahrain auf 9,8. Die Kurs-Buchwert-Verhältnisse werden mit moderaten Werten um 1,0 angegeben. Allerdings ist insbesondere der Libanon stark von der Entwicklung in Syrien abhängig. Ein Investment in diesem Land – etwa mittels eines Zertifikats auf den MSCI Libanon TR Index (ISIN: DE000AA20815, Laufzeit endlos) – scheint deshalb momentan nur für wirklich risikofreudige Anleger geeignet zu sein.

Bahrain mit guten Noten

In Bahrain herrscht Autoritarismus, zudem schwelt der Konflikt zwischen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und der sunnitischen Herrscherfamilie weiter. Immerhin bescheinigen die Experten der Agentur Germany Trade & Invest der lokalen Wirtschaft eine bessere Diversifizierung als anderen Golfstaaten. Im jährlich von der Heritage Foundation und vom «Wall Street Journal» erstellten «Index of Economic Freedom» belegt das Land für 2014 den regionalen Spitzenplatz. Der Solactive-Bahrain-Kursindex ist nach einem steilen Absturz auf dem besten Weg, um seinen langen Bodenbildungsprozess erfolgreich abzuschliessen. Spekulativ wird da ein Zertifikat auf den Bahrain-Kursindex interessant (ISIN: DE000DR2BAH4, Laufzeit endlos).

Die Börse Katar ist bereits länger in einem Aufwärtstrend. Experten halten den Markt für defensiver als etwa jenen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zudem steigt die Börse in Katar Anfang Mai in den MSCI Emerging Markets auf. Das könnte das Interesse von internationalen Investoren und Anlegern schon kurzfristig auf sich ziehen, ebenso wie mittel- bis langfristig die Austragung der Fussball-WM im 2022.  

Katar mit solidem Staatshaushalt

Die Volkswirte von Capital Economics trauen Katar jedenfalls in den kommenden Jahren, angetrieben von Branchen ausserhalb des Ölsektors, ein jährliches Wirtschaftswachstum von mehr als 5 Prozent zu – das wäre die höchste Wachstumsrate der gesamten Region. Zusammen mit einem hochsoliden Staatshaushalt – Katar schreibt derzeit einen Überschuss von 10 Prozent im Jahr – scheint die Börse des Landes attraktiv zu sein. Mit einem Zertifikat auf den Katar-Kursindex (ISIN: DE000DR3KAT8, Laufzeit endlos) setzen Anleger auf den weiteren Aufschwung der Katar-Börse.