In den letzten Wochen kam es urplötzlich zu einer rasanten Neubewertung der Zinskurve deutscher Bundesanleihen. Die Zinsen stiegen, die Kurse gingen nach unten. Diese Entwicklung illustriert wieder einmal das Risiko, dem das Kapital von Anleihen-Investoren ausgesetzt ist, wenn die Zinsen allmählich wieder steigen. Sämtliche Anleihenmärkte Europas sind dadurch bis zu einem gewissen Grad beeinträchtigt worden. Eine Nische der Anleihenmärkte hat sich jedoch als äusserst widerstandsfähig erwiesen. Und zwar die der variabel verzinsten Papiere.

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Hochzinsanleihen mit variabler Verzinsung sind Anlageinstrumente mit positiven Eigenschaften, die sich bei steigenden Zinsen als hilfreich erweisen könnten. Dazu zählt insbesondere die sehr geringe Sensitivität dieser Papiere im Hinblick auf die Entwicklung der Staatsanleihenmärkte. Anders ausgedrückt: Eine Obligation mit einer lediglich geringen oder mit gar keiner Zinsduration war in den letzten Wochen einfach ein gutes Anleihen-Investment.

Fixer Coupons versus variabler Zinssatz

In der Praxis lässt sich dies anhand von zwei Obligationen veranschaulichen, die kürzlich vom schweizerischen Mobilfunkanbieter Salt (vormals Orange Switzerland) emittiert worden sind. Dieses Unternehmen hat seine Verbindlichkeiten im April refinanziert und zu diesem Zweck vier unterschiedliche Bonds begeben. Die beiden interessantesten Papiere sind dabei in vielerlei Hinsicht identisch. So handelt es sich bei beiden um in Euro denominierte, vorrangig besicherte Obligationen mit gleicher Laufzeit. Allerdings gibt es einen sehr wesentlichen Unterschied. Während das eine Papier einen fixen Coupon von 3,875 Prozent besitzt, weist die andere Anleihe einen variablen Zinssatz auf, der alle drei Monate an das jeweils aktuelle Niveau des dreimonatigen EURIBOR, zuzüglich einer festen Marge von 3,75 Prozent, angepasst wird.

Man erkennt, dass sich die variabel verzinste Anleihe gegenüber den jüngsten Schwankungen am Markt für deutsche Bundesanleihen praktisch als immun erwiesen hat und dass sie sogar um etwa 1 Prozent zugelegt hat. Im Gegensatz dazu ist die fest verzinste Anleihe unter Druck geraten und verbuchte einen Kapitalverlust von 2 Prozent. Diese unterschiedliche Zinssensitivität hatte also innert weniger Wochen eine Ertragsdifferenz von 3 Prozent zur Folge. Man kann also sagen, dass variabel verzinste Anleihen von Unternehmen in den vergangenen Wochen ihr Geld wirklich wert gewesen sind.

James Tomlins, Fondsmanager M&G Global Floating Rate High Yield Fund, M&G Investments, London