Die Weltbevölkerung wächst, die Menschen ernähren sich immer besser und gesünder. Das beschert der Nahrungsmittelbranche gute Perspektiven. Besonders aussichtsreich sind Teilsegmente wie der Fisch. Der Verbrauch dürfte weiter steigen, und speziell ist das auch für den Konsum von Lachs zu erwarten. Ein hoher Anteil an Proteinen und an Omega-3-Fettsäuren sorgt für ein positives Image. Experten rechnen auf Jahre hinaus mit einem ansehnlichen Nachfragewachstum. Das Angebot wird da wohl nicht mitkommen. 

Das führt zu Preissteigerungen. So stieg der Preis in Norwegen, im weltweit grössten Produktionsland, für ein Kilo Frischlachs im 2013 um 44 Prozent auf 39,74 norwegische Kronen. Das brachte im Oslo-Seafood-Index mit seinen 14 Indexmitgliedern ein Plus von 50,5 Prozent. Schon 2012 war der Index um 59,3 Prozent geklettert. Für Anleger interessant: Trotz der Kurszuwächse der letzten beiden Jahre sind die Bewertungen noch nicht aus dem Ruder gelaufen.

Lachs – der Sektor könnte vor der Entdeckung stehen

So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2014 im Durchschnitt im einstelligen Bereich. Allerdings ist die niedrige Bewertung Folge von branchentypischen Risiken. Wegen der volatilen Lachspreise gilt der Sektor als riskant. «Die Lachsproduktion in Aquakultur ist ein extrem zyklisches Geschäft, das trotz Marktkonsolidierung in den letzten zwanzig Jahren von starken Preisschwankungen des Endprodukts geprägt ist», sagt Martin Moeller, Head of Global Equities bei der Union Bancaire Privée. Daneben besteht die ständige Gefahr eines Befalls des Fischbestandes durch Krankheiten, die etwa durch Fischläuse ausgelöst werden. Der Lachsindustrie in Chile, weltweit die Nummer zwei der Branche, brachte ein Virus zwischen 2007 und 2009 Verluste von rund fünf Milliarden Dollar. Dazu kamen letzthin sogar noch politische Risiken im Zusammenhang mit dem wichtigsten Abnehmer Russland.

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Dennoch könnte sich ein Investment in diesem Sektor für Anleger auszahlen. Abgesehen von der niedrigen Bewertung, bei der aber schon viele Risiken eingepreist sind – bei Lachsaktien werden hohe Dividenden gezahlt, nicht selten von deutlich über 5 Prozent. Obendrein führt der Sektor bei Börsianern noch ein Schattendasein. Die Titel der Branche werden beispielsweise von den  führenden US-Investmentbanken nicht mit Research abgedeckt. Seit der Notierungsaufnahme von Marine Harvest an der US-Börse im Januar könnte sich das aber schon bald ändern.

Lachsaktien – reihenweise Tiefstpreise

EinWert wie Marine Harvest ASA (ISIN: NO0003054108, 67,35 norwegische Kronen, 8,20 Euro) hat unter den skandinavischen Branchenanalysten jedenfalls viele Fürsprecher. Gefallen finden die Experten unter anderem an der Marktmacht des weltweit grössten Produzenten von Zuchtlachs. Nach Rekorden beim Umsatz und beim operativen Ergebnis im vergangenen Jahr scheinen 2014 noch bessere Geschäftszahlen möglich zu sein. Der Aufbau des Fischfutterbereichs könnte zusätzlich zum Wachstum beitragen. An der Börse wird der Titel nur mit einem 8er-KGV gehandelt. Die geschätzte Dividendenrendite für 2014 liegt bei 8,9 Prozent.

Nach dem Verkauf von Geschäftseinheiten handelt es sich beim zweiten Kaufkandidaten Cermaq ASA (ISIN: NO0010003882, 65,75 norwegische Kronen, 7,956 Euro) inzwischen ebenfalls um einen reinen Zuchtlachsproduzenten. Wie Marine Harvest hat dieses Unternehmen seinen Sitz in Oslo, und ein weiterer Anknüpfungspunkt zu Marine Harvest besteht in einem Übernahmeversuch, den der Marktführer im Vorjahr lanciert hat. Diese Offerte ist zwar gescheitert, hat Cermaq aber als Übernahmekandidaten ins Gespräch gebracht.

Übernahmephantasie bei Cermaq

Die damit verbundene Phantasie dürfte den Kurs weiter stützen, zumal in Börsenkreisen nicht ausgeschlossen wird, dass sich der mit 60 Prozent am Unternehmen beteiligte norwegische Staat doch noch zum Verkauf seines Aktienpakets durchringen könnte. Trotz dieser vielversprechenden Mixtur wird Cermaq nur mit einem 7er-KGV an der Börse gehandelt und liefert dabei sogar noch eine attraktive Dividendenrendite von 5,5 Prozent.  

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Ebenfalls in einer vielversprechenden Verfassung präsentiert sich Lerøy Seafood Group ASA (ISIN: NO0003096208, 194,50 norwegische Kronen, 23,123 Euro), weltweit der zweitgrösste Lachszüchter. Das Unternehmen überzeugt mit solider Bilanz, vertikaler Integration der Geschäftseinheiten sowie mit einer überzeugenden Geschäftsentwicklung. Die Gesellschaft, deren Wurzeln bis in das Jahr 1899 zurückreichen, steigerte den Umsatz im 2013 von 2,4 Milliarden auf 3,2 Milliarden Kronen. Der operative Gewinn pro Kilogramm Fisch stieg dabei von 3,3 auf 10,3 Kronen.

Lerøy Seafood – charttechnisches Kaufsignal

Beim geschätzten KGV wird Lerøy Seafood aber nur ein tiefer Wert von 7,5 zugestanden, und auch die Dividendenrendite ist mit 6,1 Prozent ansehnlich. Insgesamt ist die Bewertung damit so tief, dass bei stabilen Lachspreisen bald mit einem Sprung über das Rekordhoch von Ende 2010 bei 198,50 Kronen zu rechnen ist. Gelingt das, wäre charttechnisch gesehen ein prozyklisches Kaufsignal generiert.

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