So schnell kann es gehen. Nachdem Leonteq im Jahr 2012 an die Börse gegangen war, zählte der Valor des auf strukturierte Produkte spezialisierten Finanzdienstleisters lange zu den Top-Titeln am Schweizer Aktienmarkt. Marktbeobachter sagten dem Fintech eine rosige Zukunft voraus – schliesslich wächst der Markt für IT-basierte Finanzfirmen zusehends.

Inzwischen sieht es allerdings ganz anders aus: Allein im vergangenen Monat hat die Leonteq-Aktie fast 37 Prozent an Wert verloren, über ein Jahr betrachtet büsste sie sogar 75 Prozent ein. Und seit das Unternehmen am Montag eine Gewinnwarnung herausgegeben hat, ging es mit dem Kurs noch einmal kräftig bergab.

Besserung ist nicht in Sicht

Allzu bald dürfte sich der Titel von dem starken Kursverfall nicht erholen, sagen Analysten. Auch die jüngsten Nachrichten aus dem Unternehmen geben Anlegern wenig Grund für Optimismus: So rechnet Leonteq für das zu Ende gehende Geschäftsjahr 2016 mit einem niedrigeren Umsatz und einem deutlich niedrigeren Gewinn als im Vorjahr. Nach einem Gewinn von 69 Millionen Franken im Jahr 2015 soll das Vorsteuerergebnis in diesem Jahr nur noch bei rund 17 Millionen Franken liegen.

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Leonteq plant zudem harte Sparmassnahmen, will 50 Vollzeitstellen abbauen. Als Gründe nannte das Unternehmen die Flaute am Markt für strukturierte Produkte sowie stark gestiegene Kosten.

Die Talsohle ist noch nicht erreicht

«Eine schöne Bescherung», lautet der Kommentar von Michael Kunz, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Nach den Hiobsbotschaften vom Wochenbeginn hat er die Leonteq-Aktie neu als «Untergewichten» eingestuft. Er geht davon aus, dass der Titel im kommenden Jahr 24 Prozent schlechter abschneiden wird als der breite Gesamtmarktindex SPI. «Nach dem jüngsten Kurssturz wird die Aktie nicht in der Lage sein, mit dem breiten Markt mitzuhalten», sagt Kunz. Zudem sehe Leonteq sich genötigt, seine Dividendenpolitik zu überdenken, nachdem noch vor vier Wochen die Rede von einer Ausschüttung von «mindestens 1,75 Franken je Aktie» die Rede gewesen sei.

«Die Signalwirkung dieser Massnahme darf nicht unterschätzt werden», sagt Kunz. Das heisst: Sollte das Fintech die angestrebte Dividende senken, dürften Anleger noch weniger Interesse an dem Valor haben und den Aktienkurs noch weiter auf Talfahrt schicken.

Zukunft macht Probleme

Kunz und andere Marktbeobachter bescheinigen Leonteq Schwierigkeiten beim Übergang vom Startup zu einem gereiften internationalen Unternehmen. Um wieder in die Erfolgsspur zu finden, müsste der Fintech an einigen Stellschrauben drehen und nachhaltige Veränderungen angehen. Firmengründer und CEO Jan Schoch müsste etwa einen Teil seiner Macht abgeben, um nicht jede grössere Entscheidung allein treffen zu müssen.

Ausserdem muss Leonteq sein sein komplexes Geschäftsmodell künftig besser erklären, um Investoren anzulocken, die langfristig dabei bleiben. Und nicht zuletzt raten Analysten, in Zukunft noch mehr Partnerbanken zu gewinnen. Diese Partner sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Fintech, das einerseits selbstentwickelte strukturierte Produkte vertreibt und andererseits diese Leistungen für Outsourcing-Partner übernimmt.

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An seinen mittelfristigen Zielen bis zum Jahr 2020 hält Leonteq weiterhin fest, ebenso an seinem Geschäftsmodell. Momentan gibt es keine Alternative zu dem Zürcher Fintech. Darauf sollte das Unternehmen sich aber nicht ausruhen. Sonst verläuft das Jahr 2017 aus Anlegersicht ähnlich schwach wie 2016.

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