Anders als Aktien werden Anleihen vor allem «over the counter» gehandelt. Der Kaufinteressent meldet sich beim Broker, der nach passenden Verkaufsangeboten sucht und den Deal durchführt. Der Grund, dass Anleihen oft nicht an einer Börse gehandelt werden, ist die fehlende Standardisierung. Das Volumen von Anlagefonds und von Exchange Traded Funds in Unternehmensanleihen erreicht heute gut 900 Milliarden Dollar, rund dreimal mehr als vor sechs Jahren.

Fonds gehören zu den grössten Nachfragern nach Unternehmensanleihen, denn sie bieten ein breites und kostengünstiges Exposure zu einem Teil des Anleihenmarktes. Gleichzeitig sind sie leicht handelbar. Diesbezüglich problematisch sein, können die unterschiedlichen Liquiditätsbedingungen des zugrunde liegenden Obligationenmarktes und der Anlageprodukte/Fonds, welche tägliche Handelbarkeit offerieren.

Fehlende Liquidität und massive Kursverluste

In normalen Zeiten, das heisst solange die Abflüsse aus bestimmten Anlageklassen nicht wesentlich höher sind als die Zuflüsse, funktioniert der Markt für alle Anlageinstrumente, also auch für wenig liquide Papiere wie alternative Anlagen oder Unternehmensanleihen. Doch wie sieht es damit in Notsituationen aus?

Als der Bondmarkt im letzten Jahr mehrmals von kleineren und grösseren Beben erschüttert worden ist, war oft zu hören, dass die Liquidität plötzlich ausgetrocknet sei und dass auf der Käuferseite niemand zu finden gewesen war. Wenn nun der Markt auf dem falschen Fuss erwischt wird und Investoren grössere Obligationenbestände veräussern wollen/müssen, kann dies wegen der fehlenden Liquidität zu massiven Kursverlusten führen. Dies würde auch den Ruf nach zusätzlicher Regulierung im sogenannt risikoarmen Bondgeschäft laut werden lassen.

Markus Fuchs, Geschäftsführer Swiss Funds & Asset Management Association SFAMA

Anzeige