Wachsende wirtschaftliche und politische Unsicherheit, insbesondere in den Schwellenländern, lässt den einstigen Glanz der Luxusgüterindustrie derzeit verblassen. Insbesondere die anhaltend schwachen Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte trüben die Stimmung.

Hinzu gesellt sich seit kurzem die drohende Isolierung Russlands durch den Westen. Beide Märkte sind jedoch enorm wichtig für die Luxusgüter-Branche. Der Kult-Juwelier Tiffany reagierte bereits mit einem unerwartet zurückhaltenden Ausblick auf das laufende Jahr. An der Börse kam das nicht gut an: Der Titel fiel innert zwei Tagen um 7 Prozent.

Luxus-Valoren im Rückwärtsgang

Aber auch hierzulande sind die Marktteilnehmer vorsichtiger geworden. Im SMI-Ranking sind seit Jahresbeginn die Valoren von Richemont und Swatch mit einem Minus von rund 8 Prozent klare Underperformer. Aus der Swatch-Zentrale waren zuletzt ebenfalls leisere Töne zu vernehmen. Der Konzernchef Nick Hayek hatte noch im Januar für 2014 ein zweistelliges Umsatzplus für sein Unternehmen in Aussicht gestellt, zwei Monate später ist dies für ihn nicht mehr so sicher. Für die gesamte Schweizer Uhrenindustrie erwartet Hayek im laufenden Jahr ein Wachstum von 5 bis 10 Prozent. Ob er diese Wachstumsrate allerdings übertreffen wird, liess er nun offen. Neben den konjunkturellen Unsicherheiten macht vor allem die Franken-Stärke dem Luxus-Unternehmen zu schaffen.

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Branchenprimus LVMH wird bereits konkreter: Mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 5 bis 7 Prozent möchten die Franzosen mit ihren Marken TAG Heuer, Zenith und Hublot im Uhrensegment «inline» mit der Branche zulegen. Wie es um den Gesamtkonzern derzeit bestellt ist, werden Anleger am 10. April an der Generalversammlung erfahren. Zuletzt sorgten die Franzosen für positive Überraschungen. Mit seinen bekannten Modemarken, beispielsweise Louis Vuitton und Dior, schaffte der Konzern im Schlussviertel 2013 in seinem Kerngeschäft ein Erlösplus von 7 Prozent und konnte damit die Erwartungen der Analysten klar übertreffen.

Luxus-Sektor – hohes Wachstum durch Onlinehandel

Geht es nach den Experten von Goldman Sachs, ist es um den Luxus-Sektor nicht schlecht bestellt. Die US-Bank erwartet in der Branche ein Wachstum von 10 Prozent für dieses Jahr und von 12 Prozent für 2015. Haupttreiber dieser Entwicklung werden allerdings nicht die Nobel-Läden sein – hier wird nur mit einem Anstieg von 6 Prozent gerechnet, sondern der E-Commerce. Dass das Internet zur Luxusmeile wird, zeigt auch die Branchenanalyse «Digital Luxury Study». Diese kommt zum Ergebnis, dass 84 Prozent der sogenannten «Heavy-Käufer» bereits Luxusmarken im Web erworben haben und rund jeder fünfte sogar regelmässig oder ausschliesslich per Mausklick kauft.

«Der Luxus-Sektor handelt derzeit auf dem niedrigsten Niveau im Verhältnis zum Markt seit der Finanzkrise», erklärt Goldman-Sachs-Analyst William Hutchings. Seiner Ansicht nach spiegelt die aktuelle Bewertung eine Verlangsamung des Umsatzwachstums wider. Der Analystenkonsens geht von einem leichten Rückgang von 7 Prozent im 2013 auf 6 Prozent im laufenden Jahr aus.

Übertriebener Pessimismus und hohes Kurspotenzial

Angesichts der wohlhabenden Verbraucher in den entwickelten Märkten – vor allem in den USA und in Japan –, einer starken Mittelschicht in China sowie einem abnehmenden Gegenwind seitens der Währungen, ist für Hutchings die Prognose zu konservativ. Er glaubt an eine Neubewertung der Aktien und sieht daher eine attraktive Kaufgelegenheit in diesem Sektor.

Insbesondere bei den führenden Marken der Branche: «Wir glauben, Burberry und Richemont sind die entscheidenden Chancen mit einem durchschnittlichen Kurspotenzial von 54 Prozent auf 12-Monats-Sicht im Vergleich zu durchschnittlich 30 Prozent für den Luxus-Sektor.»

Luxusgüter – Investments für Börsianer

Burberry, (ISIN: GB0031743007)

Der Analystenkonsens ist für das britische Luxusmodelabel positiv gestimmt. Er geht von einem Ergebnisanstieg zwischen 2013 und 2016 von durchschnittlich 17 Prozent aus.

LVMH (ISIN: FR0000121014)

Die Valoren des Branchenprimus bewegen sich seit rund zwei Jahren seitwärts. Trotz zuletzt positiver News gelang kein nachhaltiger Ausbruch nach oben. Wichtig wird der Ausblick auf 2014.

Richemont (ISIN: CH0210483332)

Das letzte Tradingstatement im Januar für das dritte Quartal enttäuschte. Spannung verspricht nun der 19. Mai, dann wird Richemont ihre Jahreszahlen veröffentlichen.

Swatch (ISIN: CH0012255151)

Der heimische Uhrenhersteller ist eigentlich positiv für das laufende Jahr gestimmt. Allerdings setzen dem Konzern die starken Währungsschwankungen zu.