«Stühlerücken» heisst es derzeit in den Konzernzentralen der deutschen Autobauer. BMW leitet in wenigen Tagen als Erster den Generationswechsel an der Spitze ein. Der erst 49-jährige Harald Krüger beerbt am 12. Mai den derzeitigen Firmenchef Norbert Reithofer, dessen Vertrag eigentlich erst 2016 ausgelaufen wäre. Während dieser Wechsel so geplant und von allen Beteiligten auch so gewollt ist, brodelte es hingegen zuletzt bei Daimler.

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Unerwartet wurden Stimmen laut, dass der ebenfalls im kommenden Jahr auslaufende Vertrag des CEOs Dieter Zetsche nicht mehr verlängert wird. Verwaltungsratschef Manfred Bischoff aber stärkte Zetsche an der jüngsten Generalversammlung den Rücken. Ein neuer Vertrag wurde aber noch nicht unterzeichnet. Und was macht VW? Bei den Wolfsburgern ist derzeit ein offener Kampf um Konzernlenker Martin Winterkorn entbrannt.

Machtkampf bei Volkswagen – Aktie unter Druck

Mit der Aussage «Ich bin auf Distanz zu Winterkorn» leitete VW-Verwaltungsrats-Chef und Grossaktionär Ferdinand Piëch kürzlich die Führungsdiskussion in Wolfsburg ein. Damit war die Überraschung perfekt, denn eigentlich sollte Winterkorn bis 2017 den Konzern leiten und dann Piëch im Verwaltungsrat ersetzen. Doch so einfach, wie sich das der VW-Patriarch vorgestellt hat, lässt sich dieser Plan nun nicht verändern. Porsche distanzierte sich – die Familien Porsche und Piëch haben sich per Vertrag versichert, dass sie nur einstimmige Voten abgeben, – und auch die Mehrzahl der Verwaltungsräte solidarisierte sich mit Winterkorn. Problem: Durch diese Machtprobe geht nun keiner der beiden Hauptdarsteller gestärkt hervor. Investoren ziehen sich aufgrund des Hin und Her erstmal zurück und trennen sich von der Aktie (ISIN DE0007664039). Um mehr als 8 Prozent ist es für VW in den vergangenen fünf Tagen abwärts gegangen.

Operativ zeigt sich beim zweitgrössten Autobauer der Welt ein gemischtes Bild. Während es bei den Premiumtöchtern Audi und Porsche steil bergauf geht, kämpft die Kernmarke VW mit einigen Baustellen. Das hat auch dazu geführt, dass das operative Ergebnis in dieser Sparte im 2014 um 417 Millionen Euro unter jenem des Vorjahres gelegen ist. Die operative Rendite reduzierte sich dabei von 2,9 auf 2,5 Prozent. Konzernweit verbesserte sich dank der beiden profitablen Töchter die Marge hingegen leicht auf 6,3 Prozent. Die Frage ist nun, ob VW ihre Probleme im Kerngeschäft aufgrund der Personaldiskussion nun schnell angehen kann. Immerhin konnte die VW-Vorzugsaktie jetzt bei 220 Euro eine Gegenbewegung einleiten.

BMW und Daimler – gute Perspektiven

Anders sieht es bei BMW (ISIN DE0005190003) und bei Daimler (ISIN DE0007100000) aus. Was die Konzernspitzen betrifft, ist dort ziemlich viel geklärt, und so können sich die beiden Premiumhersteller auf das operative Geschäft konzentrieren. Und dies gelingt ihnen vorbildlich. Die Weiss-Blauen aus München erzielten im ersten Quartal mit einem Plus von 8,1 Prozent einen neuen Absatzrekord, die Verkäufe von Mercedes-Benz entwickelten sich mit einem Zuwachs von 14,8 Prozent sogar noch besser. Aktuell befindet sich die Marke mit dem Stern auf Verfolgungsjagd. Bis 2020 möchte Daimler die Münchner vom Premiumthron stürzen. Im vergangenen Jahr zeigten die Stuttgarter deutliche Verbesserungen: Die operative Marge kletterte von 6,2 auf 8,0 Prozent, liegt aber noch klar unter jener von BMW von 9,6 Prozent.

Auch wenn beide Aktien mit Zuwächsen von mehr als einem Viertel im laufenden Jahr ein deutlich höheres Tempo als der Gesamtmarkt eingeschlagen haben, ist das Kurspotenzial wohl noch nicht vollends ausgeschöpft. Die Unternehmen verfügen jeweils über eine relativ junge Modellpalette, was nicht nur die Verkäufe antreibt, sondern möglicherweise auch die Rentabilität weiter steigern wird. Angesichts der guten Aussichten ist die Bewertung der beiden Aktien mit 10er-KGVs auf Basis 2016 nicht teuer.

PSA – auf die chinesische Karte setzen

In Sachen Machtverhältnisse gibt es auch beim französischen Autokonzern PSA (ISIN FR0000121501) eine interessante Konstellation. Bei Peugeot/Citroën ist seit dem vergangenen Jahr mit Dongfeng ein chinesischer Investor mit einem Anteil von 14 Prozent vertreten, der zusammen mit dem französischen Staat (14 Prozent) beim traditionsreichen Familienunternehmen – die Familie Peugeot hält ebenfalls 14 Prozent – alte Strukturen aufgesprengt hat.

Angesichts der wirtschaftlichen Situation von PSA sowie der Erholung am europäischen Automarkt gibt es Gerüchte, der Investor aus dem Reich der Mitte könnte weiter zukaufen. Für dieses Szenario spricht auch die Tatsache, dass Peugeot vor allem in China noch über Wachstumspotenzial verfügt. Die Übernahme des italienischen Reifenherstellers Pirelli durch die China National Chemical, die kürzlich erfolgt ist, zeigt darüber hinaus das Interesse chinesischer Unternehmen an europäischen Konzernen im Automobilsektor. Für spekulative Anleger ist die PSA-Aktie damit eine Wette wert.