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Ausblick
«Macron wird der nächste französische Präsident»

Emmanuel Macron: «Wir gehen davon aus, dass Macron der nächste französische Präsident sein wird.» Keystone

Julius-Bär-Experte Heinz Rüttimann erwartet für die französischen Präsidentschaftswahlen einen klaren Ausgang – mit entsprechend deutlichen Effekten auf die Börsen.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 10.03.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Heinz Rüttimann*: Die Finanzmärkte werden derzeit von drei Faktoren bestimmt. Erstens, die anstehende Zinserhöhung in den USA und Divergenz zwischen der US- und europäischen Zinspolitik. Zweitens, die starken US Frühindikatoren (verarbeitender Bereich und Dienstleistungssektor), welche zuletzt auf den höchsten Stand seit August 2014 und Oktober 2015 gestiegen sind und, drittens, ob die vergangene Rally an den Aktienmärkten Bestand haben kann oder nicht.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Von den entwickelten Ländern gehört der SMI, hinter den USA, seit Jahresanfang zu den besten Märkten mit plus 4.5 Prozent. Grund dafür war vor allem der Pharmabereich, welcher 35 Prozent des SMI ausmacht. Grundsätzlich ist der SMI ein eher defensiver Index und dürfte in einem zyklischen Marktumfeld an Zugkraft gegenüber anderen Indices verlieren. Im jetzigen Marktumfeld gehören klein- und mittelgrosse Unternehmen mit zyklischem Charakter zu unseren Favoriten. 

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Der SMI steht derzeit bei 8590 Punkten und unser 12-Monats-Preisziel liegt bei 8700 Punkten. Sprich, wir sehen für 2017 einen seitwärts tendierenden Markt mit Auf- und Ab-Bewegungen. Ein grösseres Potenzial sehen wir beim SPI20. Dieser Index repräsentiert 20 mittelgross kapitalisierte Firmen und hat den SMI in den letzten vier Jahren stetig übertroffen. 

Wie wird sich die SNB-Politik 2017 entwickeln?
Seit Mai 2016 hat sich der Franken gegenüber dem Euro von 1.11 auf 1.06 per Ende Februar aufgewertet. Seither hat die SNB mit mehreren Milliarden Franken pro Woche den Franken wieder auf 1.07 abschwächen können. Die Politik der SNB ist es, die Frankenaufwertung so gut als möglich abzufedern. Je nach Ausgang der Wahlen in Frankreich mag der Franken wieder an Attraktivität zulegen. Auf der anderen Seite zieht die Konjunktur in der Eurozone an und mildert so den Druck auf die Schweizer Exporteure.  

Welchen Ausgang erwarten Sie für die Wahlen in Frankreich?
Nach der ersten Runde am 23. April, sind Emmanuel Macron (En Marche!) und Marine Le Pen (Front National) die zwei wahrscheinlichsten Kandidaten für die zweite und entscheidende Runde am 7. Mai. Wir gehen davon aus, dass Macron der nächste französische Präsident sein wird. Neben den Präsidentschaftswahlen sind die Parlamentswahlen im Juni aber genauso wichtig. Der Grund hierfür ist, dass der Präsident den Premierminister ernennt, welcher von der grössten Partei im Parlament gestellt wird. Sprich, je nach Ausgang der Parlamentswahlen erhält der nächste Präsident die nötige Unterstützung oder auch nicht, um seine politische Agenda umsetzen zu können. 

Welchen Einfluss wird diese auf die Märkte haben?
Die Popularität von Marine Le Pen und ihr radikales Parteiprogramm haben die Märkte verunsichert. Als Konsequenz hat sich eine Risikoprämie für französische Anleihen gegenüber deutschen Anleihen aufgebaut, der CAC40 hinkt den globalen Aktienmärkten hinterher und klein- und mittelgross kapitalisierte Unternehmen outperformen grosskapitalisierte Firmen. Bis zu den Wahlen am 7. Mai dürfte diese Situation mehrheitlich anhalten. Bei Macrons Wahl als nächster Präsident, dürften sich diese Risikoprämien wieder abbauen. Zusätzlich erwarten wir, dass sich das Bruttoinlandprodukt von 1.2 Prozent in 2016 auf 1.5 Prozent in 2017 und 2018 verbessern wird. 

Aktien oder Anleihen – worauf setzen Sie dieses Jahr?
In 2017 zeigt sich die Weltkonjunktur in einer robusten Verfassung. Die USA dient als Lokomotive, die Wachstumsaussichten für die Eurozone haben sich verbessert und Chinas Wirtschaftswachstum ist stabil mit rund 6.5 Prozent. Ganz allgemein haben sich die Systemrisiken abgebaut und die Zuversicht der Unternehmen zugenommen. Für 2017 bevorzugen wir Kredit- vor Laufzeitenrisiken. In einem positiven Wachstumsumfeld mit steigender Inflation profitieren Anleger von sinkenden Kreditrisiken. Auf der anderen Seite steigen die Risiken von höheren Zinsen für langfristige Anleihen. In einem gut diversifizierten Portfolio setzen wir deshalb die Schwerpunkte bei Aktien und Papieren mit aktienähnlichen Charakteristiken, wie hochverzinsliche und nachrangige Anleihen.

* Heinz Rüttimann ist Emerging Market Strategy Analyst bei der Bank Julius Bär.

 

 

 

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