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Ausblick
«Märkte in Osteuropa sind ein Geheimtipp für Aktien»

Prag: In Osteuropa werden sich die Märkte weiter erholen.   Keystone

Anleger müssen sich auf ein schwieriges Börsenjahr einstellen, ist Axa-Chefstratege Franz Wenzel überzeugt. Er verrät, wie die SNB mit dem Franken verfährt und kritisiert die Idee zum Helikoptergeld.

Von Julia Fritsche
am 13.01.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Franz Wenzel*: Diverse Faktoren werden die Kapitalmärkte in Atem halten. In den USA werden die politische wie auch die ökonomische Neuausrichtung viel Gesprächsstoff bieten. Wir erwarten, dass sowohl Wachstum als auch Inflation anziehen werden. Die US-Notenbank wird die Zinsen weiter anheben und den Zinsabstand zu Europa vergrössern. Terrorismus bleibt ein zentrales Thema im Nahen Osten und in Europa und wird damit die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland beeinflussen. Im Laufe des Jahres wird die Frage aufkommen, wann und in welcher Form die EZB den aktuellen geldpolitischen Pfad verlassen wird.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Nach dem fulminanten Jahresendspurt ist davon auszugehen, dass sich die Leitbörsen in den kommenden Wochen schwertun werden. Zwar bietet ein positives Gewinnwachstum, gekoppelt mit nach wie vor hoher Liquidität (mit Ausnahme der US-Notenbank), eine willkommene Stütze. Aber die aktuelle hohe Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 22x (MSCI-Weltaktienindex) ist eine hohe Hürde. Gemessen an diesem Parameter ist die Schweizer Börse mit dem 24-fachen KGV sogar noch teurer bewertet und bietet kaum Aufwärtspotential.

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
2017 wird nach unserer Erwartung ein insgesamt eher schwieriges Börsenjahr. Im Spannungsfeld von hoher Bewertung, einem moderaten Gewinnwachstum und ansteigenden langfristigen Zinsen erwarten wir, dass sich die Weltaktienbörsen seitwärts bewegen. Die latente Aufwertung des Schweizer Frankens bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Schweizer Börse. Allerdings haben sich sowohl die internationalen als auch die Schweizer Konjunkturdaten leicht verbessert und bieten daher eine momentane Stütze. Korrekturen sollten zum Aufbau von Positionen genutzt werden.

Was ist Ihr Geheimtipp am Aktienmarkt?
Wir meinen, dass sich die Märkte in Osteuropa weiter erholen und von der aktuell eher vorsichtigen Haltung zu Schwellenländern loslösen können. Das sich erholende konjunkturelle Panorama, verbunden mit einer niedrigen Bewertung und eher zurückhaltenden Gewinnperspektiven von etwa 5 Prozent, spricht für ein konstruktives Engagement. Allerdings wird der Ölpreis eine gewichtige Rolle spielen, zumal Russland und der Energiesektor ein hohes Marktgewicht haben. Selbst wenn unsere Aussichten für den Ölpreis eher verhalten bleiben, werden sich die Unternehmensgewinne weiter erholen und den Markt stützen.

Welches sind die grössten Gefahren in diesem Jahr?
Wir sehen insbesondere vier Bereiche. Zuvorderst bleibt die politische Grosswetterlage ein Hauptthema. Die geopolitische und wirtschaftspolitische Neuausrichtung in den USA sowie die anstehenden Wahlen hier in Europa bieten ein nicht unbeachtliches Risikopotential. Eine weitere Normalisierung der langfristigen Zinsen in den USA, welche an den weiteren wichtigen Kapitalmärkten nicht spurlos vorübergehen würde, wäre ein weiteres Argument für steigende Volatilität und würde die hohe Bewertung an den Aktienmärkten unterminieren. Höhere Volatilität der Währungskurse, insbesondere aus China heraus, sollte nicht unterschätzt werden.

Nach einem Verlust 2015 verbucht die SNB nun wieder rund 24 Milliarden Franken Gewinn. Wird die Nationalbank den Frankenkurs jetzt stärker drücken?
In den vergangenen Monaten hat es die Schweizerische Notenbank geschafft, den Wechselkurs in einer Bandbreite zwischen 1.05 und 1.12 gegenüber dem Euro mittels massiver Zukäufe von ausländischen Vermögenswerten zu stabilisieren. Im Durchschnitt hat die Notenbank seit Januar 2015 ausländische Aktiva im Wert von etwa 7,5 Milliarden Franken gekauft. Eine weitere Abwertung wäre zweifellos im Sinne der Exportwirtschaft. Jedoch würde dies eine weitere Expansion der Zentralbankbilanz bedeuten, welche die eigene Geldpolitik konterkarieren könnte. Dies kann nicht im Sinne der Zentralbank sein. Wechselkursstabilität wird wohl die primäre Marschrichtung bleiben.

SNB-Ökonom Romain Baeriswyl gefällt die Idee vom Helikoptergeld. Welche Chancen und Risiken dieses Konzepts sehen Sie für die Schweiz?
Keine der führenden Notenbanken hat das Konzept «Helikoptergeld» in die Realität umgesetzt, zumal die Wahrscheinlichkeit, dauerhaft Inflation zu initiieren, niedrig ist. Hierzu müsste die Notenbank einen dauerhaften Geldtransfer einrichten, um eine längerfristige positive Inflationserwartung zu generieren. Ferner bleibt unbekannt, inwieweit die Transferzahlung nicht einfach gespart wird oder einmal mehr in Immobilien investiert wird. Preissteigerungen wären die Folge. Ferner bleibt die Frage, inwieweit eine solche Transferzahlung zu höheren sozialen Spannungen führt.

* Franz Wenzel ist Anlagestratege für Institutionelle Kunden bei AXA Investment Manager.

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