Nach dem Zusammenbruch der New Economy mit dem Jahrtausendcrash wurden Technologieaktien lange Zeit verschmäht. Doch in den vergangenen Jahren kamen sie wieder in den Fokus der Anleger. Bestes Beispiel ist die US-Tech-Börse Nasdaq, die inzwischen sogar neue Bestmarken gesetzt hat und über dem Niveau aus dem Jahr 2000 notiert. So weit ist es beim deutschen Pendant TecDAX zwar noch nicht, der Index notiert noch meilenweit unter seinem Allzeithoch von Anfang 2000 bei 9694 Punkten. Doch inzwischen markiert der TecDAX bereits wieder den höchsten Stand seit Mai 2001.

Das hohe Tempo, welches die deutschen Tech-Aktien derzeit anschlagen, lässt die anderen Indizes aus der DAX-Familie alt aussehen. Allein seit Silvester verteuerte sich der TecDAX um einen Drittel, auf Sicht von einem Jahr ergibt sich ein Zuwachs von 46 Prozent. Die Gewinne sind damit mehr als doppelt so hoch wie im Blue-Chip-Index DAX. Nach dieser Rally wundert es einen nicht, dass einige Marktteilnehmer bereits das Wort «Überhitzung» in den Mund genommen haben. Doch auch, wenn diese Gefahr besteht, es lohnt sich immer noch ein Blick in die 30-Mitglieder-starke Mannschaft des TecDAX. Denn darunter befinden sich einige Aktien, deren Potenzial längst noch nicht ausgereizt ist.

Adva ausgereizt, GFT liefert ein wichtiges Chartsignal

Spitzenreiter in diesem Jahr ist Adva (ISIN DE0005103006) mit sage und schreibe einem Gewinn von mehr als 200 Prozent. Allerdings dürften nach der stürmischen Rally allmählich Gewinnmitnahmen drohen. Anleger sollten ihre Käufe bei der Aktie vorerst zurückstellen. Anders sieht es bei der Nummer vier der aktuellen Top-Performance-Liste aus: Bei GFT Technologies (ISIN DE0005800601) – plus 80, 1 Prozent seit dem Jahresbeginn – kam es nach einer längeren Phase der Konsolidierung zu einem entscheidenden charttechnischen Kaufsignal.

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Der Titel sprang über das 14-Jahres-Hoch bei 19,93 Euro und schoss danach wie befreit nach oben. Bis auf 22,84 Euro reichte die Kraft der Bullen. Doch sollte die Dynamik längst nicht am Ende sein, denn der auf Banken spezialisierte IT-Dienstleister zeigt nicht nur ein starkes Momentum, der Titel ist auch fundamental interessant. Banken haben einen gewissen «digitalen Druck», sei es von wirtschaftlicher oder auch von regulatorischer Seite und sind damit auf die Dienste von IT-Experten wie GFT angewiesen. Auch beim Trendthema FinTech mischt das Unternehmen mit. GFT dürften damit auch in Zukunft hochprofitable Zeiten ins Haus stehen. Der Analystenkonsens rechnet bis 2017 mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von jährlich 20 Prozent.

Manz: Berg- und Talfahrt und neue Aufträge

Ebenfalls unter den Outperformern ist Manz (ISIN DE000A0JQ5U3) zu finden. Allerdings hat der Solar- und Batterie-Spezialist hochvolatile Zeiten hinter sich. Am 1. Juli überraschte der Konzern mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung, welche die Aktie auf Talfahrt schickte. Nur rund zwei Wochen später sorgte Vorstandschef Dieter Manz für die nächste Verwunderung – dieses Mal allerdings in einem positiven Sinn. Das Unternehmen veröffentlichte, dass es mehrere Grossaufträge in der Batteriesparte erhalten hatte, die sich auf insgesamt rund 50 Millionen Euro summieren. «Mit diesen Aufträgen und dem, was wir noch in Aussicht haben, sehe ich die weitere Entwicklung des Unternehmens optimistisch», sagt Manz.

Die Orders betreffen den Bau von Produktionsanlagen für Lithium-Ionen-Batterien für elektronische Geräte. Warburg-Research-Analyst Malte Schaumann geht davon aus, dass die Aufträge von Apple für die Herstellung neu eingeführter Akkus in ihren MacBook-Modellen stammen. Der Experte bekräftigte daraufhin sein Kaufen-Votum. Dem schlossen sich auch die Analysten von Equinet an, die einen Kurs von 91 Euro als gerechtfertigt sehen. Dies entspricht einem Potenzial von 20 Prozent zum aktuellen Kurs.

Wirecard: Unbegründeter Underperformer

Nicht so recht in Fahrt kam dieses Jahr der Online-Bezahlprofi Wirecard (ISIN DE0007472060). Mit einem Zugewinn von nur 8 Prozent zählt die Aktie zu den schwächsten Titeln im TecDAX. Dabei ist das Unternehmen in zukunftsträchtigen Bereichen tätig. Dazu zählen unter anderem mobile Zahlungssysteme, die weltweit an Bedeutung gewinnen. Die Marktforscher bei BI Intelligence gehen davon aus, dass allein in den USA das mobile Zahlungsvolumen in den kommenden Jahren um jährlich mehr als 170 Prozent zulegen wird.

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Hohe Wachstumsraten stehen auch bei Wirecard auf der Tagesordnung. Wegen guter Geschäfte erhöhte das Unternehmen kürzlich zum zweiten Mal in diesem Jahr sein Gewinnziel. Erwartet wird ein operatives Ergebnis zwischen 220 und 232 Millionen Euro. Bereits im Januar hatte Wirecard die Spanne auf 210 bis 230 Millionen Euro erhöht. Im Vergleich zum vergangenen Jahr bedeutet die aktuelle Prognose in der Spitze ein Wachstum von 34 Prozent. Der Grundstein für die Zielanhebung wurde im zweiten Quartal gelegt. Nach vorläufigen Zahlen legte der Umsatz um 27 Prozent, der Betriebsgewinn sogar um einen Drittel zu. Die Wachstumskurve von Wirecard dürfte also weiterhin steil nach oben zeigen. Denn vor allem der Trend zum kontaktlosen Bezahlen mit dem Smartphone gilt als grosser Wachstumsmarkt. Branchenkenner gehen davon aus, dass der von Apple eingeführte Zahlungsdienst «Apple Pay» dem mobilen Bezahlen zum Durchbruch verhelfen wird.

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