Vor rund zwei Monaten wurde Matteo Renzi als neuer Ministerpräsident Italiens vereidigt. Seither legte der italienische Leitindex FTSE MIB um 7 Prozent zu. Der mit 39 Jahren ungewöhnlich junge und zugleich forsche Renzi gilt unter Marktbeobachtern als Hoffnungsträger in einem Land, dessen politische Kaste als überaltert, korrumpiert und selbstgefällig gilt.

Wie der Verschrotter durchgreift

Schon mehrmals stellte der Sozialdemokrat klar, was er unter zeitgemässer Politik versteht, zuletzt in einem Aufsatz für ein Buch. Darin heisst es: Die Welt sei in ständiger Bewegung, der Versuch sie zu blockieren, müsse scheitern. Man dürfe «keine Angst vor der Modernität haben», sondern müsse sie als Segen begreifen und nicht als Hindernis. Das politische Establishment gehöre von Grund auf erneuert. Renzi bezeichnet sich deshalb gerne  auch als «Il Rottamatore», als «Verschrotter» der alten Politik.

Renzi mag nicht frei von Populismus sein, unstrittig ist aber, dass der ehemalige Bürgermeister von Florenz mit viel Elan an die Arbeit geht. Erst wenige Wochen an der Macht, hat er bereits eine Menge auf den Weg gebracht, etwa eine Arbeitsmarktreform sowie Steuersenkungen, von der rund zehn Millionen italienische Haushalte profitieren sollen. Zur Finanzierung will er unter anderem die Spitzengehälter staatlicher Funktionäre deckeln, Dienstwagen abschaffen und Büroräume von Staatsdienern verkleinern. Das kommt gut an bei der Bevölkerung, wenngleich es in der vergangenen Woche in Rom zu Demonstrationen gegen seine Sparpolitik gekommen ist.

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Wachsendes Vertrauen – Zinsen auf Rekordtief

Auch an den Finanzmärkten hat Renzis Tatendrang bereits Spuren hinterlassen. Italien gilt unter Analysten inzwischen wieder als ein Land mit Perspektive. Das zeigt sich nicht nur am Höhenflug der Aktienkurse an der Börse Mailand, sondern auch bei den Zinsen für Staatsanleihen. Obwohl sich die Schuldenquote Italiens auf fast 130 Prozent des Bruttoinlandprodukts beläuft – das ist der zweithöchste Wert in der Eurozone –, sank die Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen binnen eines Jahres um knapp einen Prozentpunkt auf zuletzt rund 3,1 Prozent. Für einen solch niedrigen Zins bekam Italien noch nie Geld.

Gut ins Bild passt, dass sich auch die Wirtschaft des Landes auf dem Weg der Genesung befindet. Die Besserung könnte sogar schneller voranschreiten, als bislang gedacht worden ist. Davon ist zumindest Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan überzeugt. Er rechnet damit, dass das Bruttoinlandprodukt in diesem Jahr stärker wachsen wird, als es die offizielle Prognose von 0,8 Prozent vorgibt. In den beiden Vorjahren war die drittgrösste Volkswirtschaft der Eurozone noch geschrumpft, erst im Schlussquartal 2013 gab es erstmals seit Jahren wieder ein kleines Wachstumsplus.

Italien ins Depot

Für Anleger stellt sich die Frage, ob italienische Aktien nach den jüngsten Kursgewinnen noch attraktiv sind. Die Mehrzahl der Analysten sieht auf jeden Fall noch Spielraum nach oben. «Wir halten Italien für attraktiver als Spanien», sagt Emmanuel Cau, Analyst bei J.P. Morgan. Der Markt sei günstiger bewertet, die Probleme seien kleiner, und die Politik scheine zielführender zu Werke zu gehen. Auch die Experten des Researchhauses Kepler Cheuvreux zeigen sich optimistisch: Die Reformpläne von Renzi seien ein richtiger und wichtiger Schritt, um Italiens Wirtschaft zu stärken.

Zu ihren Aktienempfehlungen gehören unter anderem der Lotterie- und Gaming-Spezialist GTECH, Telecom Italia sowie der Versorger Enel Green Power. Nur wenig Kurspotenzial sehen die Analysten von Kepler Cheuvreux hingegen für italienische Bankaktien.

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Der an der SIX Swiss Exchange gehandelte ETF bildet den italienischen Leitindex ab (physische Replikation). Der FTSE-MIB-Index enthält die 40 grössten Aktien der Börse Mailand.

Für das in Deutschland gehandelte und auf EUR lautende Produkt wird eine Bonusrendite von 9,6 Prozent gezahlt, sofern der FTSE MIB die Barriere bei 16'800 Punken nicht verletzt (Puffer: 23,1 Prozent).

Der Lotterie- und Gaming-Dienstleister könnte von der im Mai geplanten Privatisierung der türkischen Lotterie profitieren. Die Aktie gilt als attraktiv bewertet.

Obwohl sich der Kurs binnen eines Jahres schon fast verdoppelt hat, gilt die Aktie unter Analysten noch immer als aussichtsreich.

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