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McDonald's, Pepsi & Co.: Dividende im Visier

McDonald's: Die Aktie ist im Visier von Hedgefonds.  Keystone

Die Strategie von Hedgefonds gilt als spekulativ. Doch wider Erwarten sind viele von ihnen in dividendenstarken Aktien investiert. Welche Firmen dabei im Fokus der Investoren stehen.

Von Jürgen Büttner
am 10.03.2016

Hedgefonds gelten als Investoren, die auf das schnelle Geld aus sind. Je heisser der Zock und je schneller der Gewinn verbucht werden kann, umso besser. So zumindest ist die weitverbreitete öffentliche Einschätzung. Aber offenbar finden zahlreiche Hedgefonds auch Gefallen am traditionellen Geldverdienen, etwa mit dem Investieren in dividendenstarke Aktien. In der quartalsweise vom US-Datenanbieter Factset erstellten Top-50-Liste jener Aktien, die gemessen am Börsenwert am stärksten in den 50 grössten Hedgefonds gewichtet sind, lassen sich jedenfalls einige Titel finden, die traditionell als sehr stabile Dividendenzahler einzustufen sind. Die Dividendenrenditen dieser Werte fallen zwar absolut betrachtet nicht sehr hoch aus, doch das ist aufgrund von zwei grundsätzlichen Überlegungen auch kein Problem, sondern im Gegenteil sogar gut so.

Zum einen läuft man bei Aktien mit überdurchschnittlich hohen Dividendenrenditen Gefahr, bei der Kursentwicklung enttäuscht zu werden oder, dass die Ausschüttung gekürzt wird. Das lässt sich auch damit erklären, dass Unternehmen, bei denen die Dividendenrenditen auf den ersten Blick ein optisch ungewöhnlich hohes Niveau erreicht haben, nicht selten in Schwierigkeiten stecken und dass deswegen langfristig der Ausschüttungssatz nicht gehalten werden kann oder dass die Zahlung gar gestrichen werden muss.

Zum anderen handelt es sich bei den von Hedgefonds favorisierten Dividendenbringern um Firmen, die ihre Dividende kontinuierlich erhöhen. Und regelmässige Steigerungen der Ausschüttungen sind ein Hinweis auf ein funktionierendes Geschäftsmodell und eine Begründung dafür, warum die Dividendenrenditen dort trotz steigender Zahlungen oft relativ gering ausfallen. Denn der Kurs einer solchen Gesellschaft legt häufig beständig zu, und deshalb bleiben höhere Dividenden in Prozent betrachtet oft auf einem mehr oder weniger konstanten Level.

Auch, weil Hedgefonds trotz nicht immer durchgängig überzeugender Performance-Werte nach wie vor einen legendären Ruf geniessen – was auch in einem aktuell rekordhohen verwalteten Vermögen von fast drei Billionen Dollar zum Ausdruck kommt –, hat sich die Redaktion von stocksDIGITAL einmal fünf von Hedgefonds favorisierte stabile Dividendenzahler angesehen.

McDonald’s – im Visier von Hedgefonds, …

Der erste, sehr verlässliche Dividendenzahler ist mit McDonald’s (ISIN: US5801351017) eine allseits bekannte Gesellschaft. Die Fast-Food-Kette hat sich zuletzt in gewisser Weise neu erfunden, und auch mit Hilfe eines ganztags bestellbaren Frühstücks-Menüs ist es in den USA gelungen, das beste Quartalsergebnis seit vier Jahren einzufahren. Zum Lohn dafür ist der Aktienkurs seit August auf Rekordkurs. Was Anleger freut, hat den Effekt, dass sich die Dividendenrendite auf akzeptable, aber nicht überragende 3,0 Prozent beläuft, obwohl die Ausschüttung seit 39 Jahren in Folge angehoben worden ist.

Gestiegen ist durch die Kursavancen das KGV, das sich auf geschätzte 22 beläuft. Analysten sehen beim Kurs dennoch im Konsens weiteren Spielraum bis 126 Dollar, und auch 20 der 50 grössten Hedgefonds scheinen von höheren Notierungen auszugehen. Stimmen die Analystenschätzungen, die für den Zeitraum 2015 bis 2019 einen kontinuierlich steigenden Gewinn bei McDonald's je Aktie von 4,98 Dollar auf 7,11 Dollar erwarten, dann kann diese Rechnung auch aufgehen. Zumal man dann auch von weiter steigenden Dividenden ausgehen kann.

… und auch Air Products wird gerne von den Investoren gekauft

Deutlich weniger geläufig als der Name McDonald’s ist dasUnternehmen Air Products and Chemicals Inc. (ISIN: US0091581068). Der weltweit grösste Hersteller von Industriegasen befindet sich aber ebenso wie der «Burger»-Konzern mit 20 Mal ebenso häufig in den Depots der 50 grössten Hedgefonds. Kein Wunder, verfügt dieser Titel doch nach wie vor über einen beeindruckenden langfristigen charttechnischen Aufwärtstrend. Zuletzt ist aber auch diesem Wert die Puste etwas ausgegangen, was mit dem allgemeinen Marktumfeld, aber auch mit dem zunehmend herausfordernden Branchenumfeld zu tun hat.

Immerhin konnte Air Products aber mit den jüngsten Quartalszahlen wieder einmal überzeugen, und die Gesellschaft blickt auch zuversichtlicher nach vorne als viele Wettbewerber. Nach 38 Jahren in Folge mit Dividendenanhebungen bewegt sich der Ausschüttungssatz bei 3,24 Dollar. Daraus ergibt sich eine überschaubare Rendite von 2,4 Prozent, wobei das aber über dem dreissigjährigen Durchschnitts-Dividendensatz von rund 2,2 Prozent liegt. Gelingt es, den Gewinn in den kommenden fünf Jahren wie von Analysten erwartet um gut 11 Prozent p.a. zu erhöhen, wird sich nicht nur das für 2016 auf gut 18 zu veranschlagende KGV verringern, sondern mit Sicherheit wird die Serie von Dividendenerhöhungen weiter fortgesetzt werden.

40 Dividendenerhöhungen in Folge bei Walgreens …

Die Aktie von Walgreens Boots Alliance Inc. (ISIN: US9314271084) war Ende 2015 immerhin in 17 der 50 grössten Hedgefond-Portfolios enthalten. Wer schon länger investiert ist, kann zufrieden sein, hat sich der Titel doch seit Oktober 2008 verdreifacht. Von dem im August aufgestellten Rekordhoch von 96,68 Dollar ist der Wert zuletzt zwar abgefallen, aber in den vergangenen Jahrzehnten konnte die Aktie nach Verschnaufpausen dank des anhaltenden Wachstumspfads immer wieder zurück in den Vorwärtsgang schalten.

Zuletzt wurde dieser Wachstumskurs wieder einmal extern durch den Kauf des Konkurrenten Rite Aid verstärkt, wobei dieser Deal der US-Apothekenkette aber noch nicht ganz in trockenen Tüchern ist. Analysten prognostizieren hier für die nächsten fünf Jahre ein Gewinnplus je Aktie von gut 14 Prozent p.a. Die 40 Mal in Folge erhöhte Dividende würde bei einem Erreichen dieser Vorgabe mit ziemlicher Sicherheit kontinuierlich weiter steigen. Derzeit beträgt der Ausschüttungssatz des 1901 gegründeten Unternehmens 1,44 Dollar, was einer Dividendenrendite von 1,8 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Die Durchschnittsrendite seit 1985 des für 2016 mit einem geschätzten KGV von 17,7 bewerteten Titels liegt bei 1,3 Prozent.

… und 44 Dividendenanhebungen bei PepsiCo

Auf dem aktuellen Kursniveau hält die Aktie von PepsiCo Inc. (US7134481081) Kontakt zu dem im Oktober bei 103,08 Dollar aufgestellten Rekordlevel. Die Meldung, wonach der US-Getränke- und Snackanbieter im vierten Quartal trotz eines leichten Umsatzrückgangs mehr verdient hat, war dabei wenig kursrelevant. Das macht auch Sinn, denn mit den vorgelegten Zahlen wurden die Gewinnerwartungen der Analysten exakt erfüllt. Es gab somit keinen Grund für eine Neubewertung. Zumal die derzeit gültige Bewertung ohnehin als recht anspruchsvoll erscheint. Für 2016 bewegt sich das KGV bei einem geschätzten Gewinn je Aktie von 4,68 Dollar bei 21,4.

Das ist relativ viel, wenn man wie der Analystenkonsens beim Ergebniswachstum für die kommenden fünf Jahre von 6,5 Prozent p.a. ausgeht. Aber darin kommt eben die Wertschätzung zum Ausdruck, die Anleger Unternehmen wie jenen aus dem Nahrungsmittelsektor zollen, deren Geschäftsmodell als sehr stabil gilt. Unter den 50 grössten Hedgefonds zeigen sich 16 von den Vorzügen von PepsiCo angetan. Der Konzern, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1893 zurückreichen, blickt auf 43 Dividendenerhöhungen in Folge zurück, und es wäre eine negative Überraschung, wenn diese Serie nicht fortgesetzt würde.

AbbVie will ein verlässlicher Dividendenzahler werden

Beim fünften Wert handelt es sich um einen Titel, der nicht nahtlos zu den bereits erwähnten vier Aktien passt. Denn es handelt sich mit dem Biopharma-Unternehmen AbbVie (ISIN: US00287Y1091) um einen Wert, der erst seit 2013 börsennotiert ist. Ihn trotzdem als Dividendenzahler mit Historie einzustufen, gelingt durch den Rückgriff auf die Mutter Abbott Laboratories, von der AbbVie vor drei Jahren abgespalten worden ist. Denn dieser Pharmakonzern hat seit 44 Jahren stets die Dividende erhöht, und auch AbbVie verfolgt seit dem Listing eine derartige Dividendenpolitik. Derzeit wird eine auf das Jahr hochgerechnete Dividende von 2,28 Dollar gezahlt. Daraus ergibt sich eine Rendite von 4,0 Prozent. Das liest sich ebenso einladend wie ein KGV von 11,2, das sich auf der Basis des für 2016 erwarteten Gewinns je Aktie von 5,05 Dollar errechnen lässt. Zumal Analysten im Konsens für 2017 mit einem weiteren Ergebnisanstieg auf 5,98 Dollar rechnen sowie mit der Zahlung einer höheren Dividende von 2,49 Dollar.

Der Kurs ist nach einem deutlichen Anstieg nach dem Börsengang zuletzt trotzdem in einen mittelfristigen Seitwärtstrend eingeschwenkt. Das hat mit den Bedenken zu tun, die rund um das unter anderem zur Behandlung von Arthritis verwendete Mittel Humira bestehen. Der Blockbuster ist mit einem Vorjahresumsatz von rund 14 Milliarden Dollar für AbbVie von überragender Bedeutung, doch 2016 läuft der Patentschutz in den USA ab und im 2018 in Europa. Das weckt Wachstumszweifel, aber die mit einer gut gefüllten Produkt-Pipeline bestückte Gesellschaft gibt sich zuversichtlich und stellt bis 2020 einen Umsatzanstieg auf 37 Milliarden Dollar nach 23 Milliarden Dollar im Vorjahr in Aussicht. Auch grosse Hedgefonds setzen bei AbbVie auf andauernd gute Geschäfte, auch für die Zeit nach dem Ablauf der Humira-Patente. 17 der 50 grössten halten die Aktie.

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