Viele Branchen knüpfen ihre Wachstumshoffnungen an vermeintlich grosse Zukunftstrends. Während der Geldsektor auf das Thema Fintech setzt, zerbrechen sich die Manager der Automobilindustrie ihre Köpfe über E-Mobility oder unbemannte Fahrzeuge. In der Medienwelt ist derweil das Schlagwort Digitalisierung omnipräsent. Egal, ob Verlagshäuser, TV-Sender oder Werbeagenturen: Der rasante technische Fortschritt führt dazu, dass immer mehr Inhalte nicht mehr nur über klassische Kanäle wie Zeitung, Radio oder Fernseher, sondern auch via PC, Smartphone und Tablet zu den Menschen gelangen.

Das Beratungsunternehmen PwC rechnet damit, dass die auf digitale Dienstleistungen entfallenden Ausgaben für Medien und Unterhaltung zwischen 2013 und 2018 global im Schnitt um 12,2 Prozent jährlich steigen. Damit würde das Segment knapp zwei Drittel zum Wachstum des Sektors beisteuern.

ProSiebenSat.1 – Kursschwäche zum Einstieg nutzen

Wenig überraschend hat die Börse diesen Trend längst für sich entdeckt. Auf Sicht von fünf Jahren hat sich der Stoxx Europe 600 Media annähernd verdoppelt. Damit hängte der aktuell mit 29 Aktien bestückte Sektorindex den breiten europäischen Markt deutlich ab. Medienunternehmen, die früh und konsequent auf eine Digitalisierungsstrategie gesetzt haben, stehen bei Investoren besonders hoch im Kurs. Beispiel ProSiebenSat.1 (DE000PSM7770): Im Fünf-Jahres-Zeitraum hat sich der Börsenwert der Sendergruppe mehr als verdreifacht. Nicht nur im klassischen TV-Segment setzt der Konzern konsequent auf die neuen technischen Möglichkeiten. Gleichzeitig forcieren die Münchner ihre Sparte «Digital & Adjacent». Hier sind unter anderem Online-Videotheken und Webportale angesiedelt. Dazu kommt SevenVentures. Die konzerneigene Beteiligungsgesellschaft hält nach aussichtsreichen Internet-Start-ups Ausschau.

Der digitale Geschäftszweig ist ein Wachstumstreiber von ProSiebenSat.1 – 2014 legten die Umsätze um 30 Prozent zu. Im Kerngeschäft Fernsehen spielt das positive deutsche Konsumklima dem Konzern in die Hände. Ausserdem wird die Sendergruppe wohl davon profitieren, dass 2015 weder eine Fussball-WM noch Olympische Spiele anstehen. Solche Grossereignisse werden in der Regel von den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen und zerren an den Einschaltquoten privater Anstalten. Der Start in das Jahr ist jedenfalls geglückt: Am Donnerstag meldete ProSiebenSat.1 für das erste Quartal ein überraschend hohes Umsatzplus von 13 Prozent. Da die Aktie in einem schwachen Marktumfeld dennoch nachgab, könnte sich für mutige Anleger eine Einstiegschance bieten.

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Publicis Groupe – Top-Pick für Analysten

Operativen Rückenwind hat auch Publicis Groupe (FR0000130577). Anders, als von Analysten erwartet, verbuchte die Werbeagentur von Januar bis März ein organisches Wachstum von 0,5 Prozent. Weltweit ist sie die Nummer drei des Sektors. Sie legte bei den verbuchten Erlösen sogar um knapp einen Drittel zu. Hier wirkten sich neben dem schwachen Euro die jüngsten Übernahmen positiv aus. Vor allem der Kauf der auf digitale Werbung spezialisierten Agentur Sapient soll die Probleme des vergangenen Jahres vergessen machen.

Publicis musste Pläne begraben, durch den Zusammenschluss mit dem US-Konkurrenten Omnicom den grössten Werbekonzern der Welt zu kreieren. Nachdem der französische Blue Chip 2014 unter Druck stand, legte er im laufenden Jahr bis dato um mehr als einen Fünftel zu. Kepler Cheuvreux rechnet mit weiteren Avancen. Das Researchhaus zählt die Publicis-Aktie zu seinen Top-Picks im Mediensektor und taxiert das Kursziel auf 82 Euro. Daraus ergibt sich ein Aufschlag von 14 Prozent auf die aktuelle Notierung.

Highlight Communications bietet weiteres Potenzial

Hingegen taucht auf dem Radar der meisten Analysten Highlight Communications (CH0006539198) gar nicht auf. Dabei erlebt dieser relativ kleine Medienvalor gerade ein Börsen-Comeback und notiert 29 Prozent über dem 2014er-Ultimo. Zum Portfolio der Basler Holding zählt Constantin Film. Das Münchner Traditionsunternehmen bringt 2015 einige aussichtsreiche Streifen in die Kinos. Dazu zählt neben den beiden internationalen Produktionen «Resident Evil 6» und «The Fantastic Four» insbesondere die deutsche Komödie «Fack Ju Göhte 2». Über eine wahre Perle verfügt Highlight mit der Tochter Team. Die in Luzern ansässige Agentur vermarktet unter anderem die Clubwettbewerbe des europäischen Fussballverbandes Uefa, allen voran die Champions League. Dieser Auftrag beschert dem Segment Sport- und Eventmarketing eine operative Marge von mehr als 40 Prozent. Gerade hat Team den Vertrag mit der Uefa über das Jahr 2020 hinaus verlängert. Neben diesem Abschluss spricht die aussichtsreiche Filmpipeline für weitere Avancen des günstig bewerteten Small Caps.

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Während Highlight Communications nur in Deutschland kotiert ist, befinden sich auf dem Kurszettel der SIX neben den beiden vorgestellten Blue Chips auch Möglichkeiten, diversifiziert in den Mediensektor zu investieren. Beispielsweise bildet die Commerzbank den eingangs erwähnten Stoxx Europe 600 Media Index über einen Exchange Trade Fund (ISIN LU0378436363) passiv ab. Die Gesamtkostenquote des ETFs liegt bei 0,25 Prozent p.a.