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MIB: Italiens Börse ist für Anleger wieder attraktiv

Abkühlung angesichts der Hitzewelle in Italien: Die Börse hat Aufholpotenzial. Keystone

War Italien viele Jahre das Sorgenkind in Europa, so zieht die Konjunktur nun deutlich an. Die Börse des Landes mit dem Leitindex MIB hat enormes Nachholpotenzial.

Von Georg Pröbstl
am 25.08.2017

Keine Frage – über einen längeren Zeitraum von rund 20 Jahren zählt der italienische Aktienmarkt mit dem Leitindex MIB zu den schlechtesten Börsen der Welt. Vom Allzeithoch im Jahr 2000 trennen den MIB heute noch 30'000 Punkte oder 150 Prozent und auch zu den Rekorden aus 2007 sind es noch 100 Prozent. Entsprechend notiert die Börse in Mailand 60 und 50 Prozent unter diesen beiden Hochs. Andere Märkte in Europa dagegen laufen längst auf neuen Kursrekorden und sogar der krisengeschüttelte EuroStoxx 50 ist nicht mehr allzu weit von seinem 2007er-Niveau entfernt.

Immerhin zählt das Nachbarland im Süden aber auch seit längerem zu den schwächsten Ländern nicht nur in der Eurozone. In den letzten zehn Jahren gab es vier Jahre – 2008 und 2009 sowie 2012 und 2013 – mit einer Rezession und die Arbeitslosenrate ist mit aktuell rund elf Prozent immer noch sehr hoch. Denn vor Finanzmarkt- und Euro-Schuldenkrise lag die Quote nur im Bereich von etwa sechs Prozent. Grund für die notorisch schlaffe Konjunktur sind fehlende Reformen für den unflexiblen, verkrusteten Arbeitsmarkt, zu viel Regulierung in der Wirtschaft und eine ineffiziente öffentliche Verwaltung. 

Wachstum – das Tempo steigt…

Zuletzt allerdings konnte der MIB deutlich zulegen. In den letzten sechs Monaten kletterte der Index bereits um 15 Prozent. Auslöser waren unerwartet positive Wachstumszahlen. So legte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,4 Prozent zu und für das Gesamtjahr hatte der Internationale Währungsfonds seine Prognose erst im Juni von 0,8 auf 1,3 Prozent erhöht. 

Für nächstes und übernächstes Jahr rechnet der IWF zwar nur mit einem Wachstumsplus von jeweils rund 1,0 Prozent. Doch wie die Prognoseanhebung vor zwei Monaten zeigt, gibt es bei diesen Schätzungen grosse Unsicherheiten und das Wachstum könnte im nächsten Jahr deutlich höher sein. Denn in Italien stehen Parlamentswahlen an.

… aber es gibt (noch) politische Unsicherheiten

Und da bremst im Moment noch die politische Unsicherheit. Es könnte nämlich passieren, dass nicht die Demokratische Partei, sondern die radikale Partei der 5-Sterne zusammen mit der Lega Nord an die Macht kommen und Reformen erneut blockieren würde. Immerhin kommt die 5-Sterne-Bewegung derzeit auf knapp 30 Prozent der Stimmen und Lega Nord ist im Aufwind und bei über zehn Prozent. Beide Kräfte sind aber EU-kritisch und das könnte Investitionen aus dem Ausland bremsen. Sollte aber die Demokratische Partei von Matteo Renzi erneut die Regierung stellen, wären nicht nur weitere Reformen zu erwarten, sondern auch ein verstärkter Mittelzufluss für Investitionen aus dem Ausland.

Aber schon vorher könnte es sich lohnen in Mailand in Aktien einzusteigen. Der MIB notiert aktuell an der psychologischen Marke und im Bereich des Widerstands um 22000 Punkte. Erneut überraschend starke Konjunkturdaten aus Italien zum dritten Quartal oder Verschiebungen in den Umfragen zugunsten Renzis Demokraten könnte den Index über diese Marke schieben und ganz schnell weitere Steigerungen von rund zehn Prozent auf das Neunjahreshoch von 24000 Punkten bringen. Für diese Spekulation bietet sich ein Indexzertifikat (ISIN: CH0301557408) auf den MIB, das die Entwicklung des Index 1:1 widerspiegelt.

ENI – hohe Dividenden und die Chance auf einen Rebound

Unter den Einzelwerten scheint derzeit ENI (ISIN: IT0003132476) interessant. Der Energiekonzern aus Rom konnte erst vor wenigen Wochen beim Gewinn überraschen. Es gibt Sparmassnahmen und steigende Produktion. Zudem soll die Verschuldung durch den Verkauf von Randbereichen gesenkt werden. Obendrein winken hohe nachhaltige Dividenden von aktuell rund 6,0 Prozent.

Die Aktie notiert dagegen nicht weit über einem langjährigen Tief, dafür aber an der starken Unterstützung im Bereich von 12 Euro. Anleger setzen darauf, dass der Titel von dort schon bald wieder nach oben dreht.

Intesa – hoher Gewinn durch Staatszuschuss

Noch höhere Dividenden sind bei Intesa Sanpaolo (ISIN: IT0000072618) drin. Nach der starken Underperformance der Börse Mailand ist die Bank übrigens neben Enel und ENI der letzte im EuroStoxx 50 verbliebene Titel aus Italien. Die Bank hat sich bisher aber auch trotz Finanzkrisen gut gehalten und profitiert jetzt auch noch von der Übernahme der beiden Krisenbanken Banca Popolare di Vicenza und Banco Veneto.

Dafür erhält die Grossbank aus Turin 3,5 Milliarden Euro aus der Staatskasse und schrieb im zweiten Quartal so einen Gewinn von 4,3 Milliarden Euro. Das war viermal so viel wie im Zeitraum im Jahr zuvor. Für 2017 ist deshalb erneut mit einer hohen Dividende im Bereich von etwa 7,0 Prozent zu rechnen. Der italienische Bankensektor erholt sich weiter, bei Intesa könnten deshalb auch ganz schnell wieder Kurse deutlich über 3,0 Euro drin sein.

Atlantia – Zukäufe bringen starkes Wachstum

Nach oben ausgebrochen ist dagegen schon jetzt Atlantia (ISIN: IT0003506190). Der Autobahnbetreiber und Anteilseigner von Flughäfen notiert auf einem Allzeithoch und ist auch operativ schnell unterwegs. Im ersten Halbjahr verzeichnete der Konzern aus Rom ein Umsatzplus von 10,5 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro und der Gewinn legte sogar um 25 Prozent zu. Atlantia setzt auf Expansion und will durch Zukäufe zum grössten Mautbetreiber weltweit werden. Zudem wächst das Unternehmen auch im Bereich der Flughäfen. So wurde erst Anfang August ein Anteil von 29 Prozent am Airport Bologna übernommen. Nach dem Ausbruch könnte der Titel jetzt ganz schnell in Richtung 30 Euro laufen.

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