Das Geld sitzt bei Software-Konzernen derzeit locker. Im Juni übernahm Oracle den Konkurrenten Micros Systems für rund fünf Milliarden Dollar und startete damit einen weiteren Angriff auf den deutschen Erzrivalen SAP. Die Antwort aus Walldorf liess nicht lange auf sich warten. Vor wenigen Tagen gab SAP ihre bislang teuerste Übernahme in der Firmengeschichte bekannt: Der Weltmarktführer für Firmensoftware schnappt sich Concur für rund 8,5 Milliarden Dollar. Der US-Konzern ist auf Firmensoftware für Geschäftsreisen spezialisiert.

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Mit dem Deal baut SAP ihr Angebot im Cloud-Geschäft aus. Neben den beiden anderen Zukunftsthemen Big Data und Mobiltechnologie ist die «Wolke» eine der drei Wachstumsinitiativen des Konzerns. Bis zum Jahr 2015 soll sich der Umsatz mit Internet-Mietsoftware auf zwei Milliarden Euro verdoppeln, 2017 sollen die Erlöse bereits bei 3 bis 3,5 Milliarden Euro liegen. Das Anfang des Jahres ausgegebene Ziel könnte durch den aktuellen Zukauf sogar angehoben werden.

SAP – die Margen sinken

Allerdings stellen höhere Erlöse Investoren nicht immer zufrieden. Ihr Blick gilt vor allem der Profitabilität, und hier zeigte sich bei SAP zuletzt eine Stagnation. Auch der Kauf von Concur verschlingt in erster Linie viel Geld. Neben dem Kaufpreis dürften hohe Integrationskosten das Ergebnis belasten. «Die angekündigte Akquisition strapaziert SAPs Bilanz, und die von SAP erklärten Ziele für die operative Marge und das Wachstum sind wohl kaum mehr realistisch», sagt auch Oskar Schenker, Analyst bei J. Safra Sarasin.

Ein Blick in die Bilanz von Konkurrent Oracle lässt ebenfalls keine Jubelstürme zu. Im jüngst abgelaufenen ersten Quartal des Geschäftsjahres 2014/15 kletterte zwar der Umsatz im Jahresvergleich um 3 Prozent, blieb aber hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Der Nettogewinn trat sogar auf der Stelle. Steigende Kosten für den Ausbau des Geschäfts für Cloud-Lösungen drückten auf das Ergebnis.

Oracle – Larry Ellisons Rücktritt lastet auf dem Kurs

Neben dem teuersten Zukauf seit vier Jahren und einem durchwachsenen Zwischenbericht hatte Oracle aber noch eine News in petto: Der charismatische Vorstandschef Larry Ellison legte überraschend sein Amt nieder. Der Konzerngründer wechselt in den Verwaltungsrat und übergibt das Zepter nun seinem bisherigen Stellvertreter Mark Hurd und Safra Catz. Zwar ist Ellison schon 70 Jahre alt, dennoch quittierten Börsianer den Entschluss mit Verkäufen der Oracle-Aktie.

Mit einem Tagesverlust von mehr als 5 Prozent reagierten Anleger zuletzt bei Adobe Systems noch enttäuschter. Grund: Der gross angelegte Transformationsprozess des US-Konzerns zeigt Risse. Adobe kommt aber bei ihrem Umstieg auf die Cloud bei den Nutzern gut voran. Im dritten Quartal gewann der Entwickler von Programmen wie Photoshop und Acrobat gut 500'000 Kunden für das Abo-Modell hinzu. Wenn dieses Tempo anhält, wird bis zum Geschäftsjahresende im November das Ziel von 3,3 Millionen Abo-Kunden erreicht.

Adobe – Gewinneinbruch im dritten Quartal

Adobe musste im Ende August abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch verkraften. Das operative Ergebnis reduzierte sich deutlich von 110 auf 74 Millionen Dollar. Höhere Marketingkosten sowie niedrigere Erlöse im Softwaregeschäft für digitale Medien, das auch Cloud- und Dokumenten-Dienstleistungen beinhaltet, werden dafür verantwortlich gemacht. Kleiner Trost: Der Umsatz legte um 1 Prozent auf 1,01 Milliarden Dollar zu. Fazit: Das eigentliche Ziel, mit dem Cloud-Geschäft ein stabileres Geschäft aufweisen zu können, bekam durch das jüngste Quartal einen Rückschlag.

Geht es um Neupositionierung, Übernahmen und Managerwechsel, steht Microsoft ihren Software-Konkurrenten in nichts nach. Letzteres hat sich bereits Anfang des Jahres vollzogen, als Steve Ballmer das Zepter an Satya Nadella übergeben hat. Der neue Mann auf dem Chefsessel möchte sich vom geschrumpften PC-Markt unabhängiger machen. Dazu hat er die Devise «mobile-first, cloud-first» ausgegeben.

Microsoft – starkes Wachstum mit der Cloud

Während ein Zahnrad des neuen Konzepts, die übernommene Handy-Sparte von Nokia, sich noch nicht problemlos einfügt und dem Konzern aus Redmond Verluste beschert, laufen andere Bereiche glänzend. Im vergangenen Quartal entwickelten sich die Business-Kunden und das Cloud-Geschäft immer mehr zu den Zugpferden. So konnte sich der Umsatz in der Cloud-Sparte auf 4,4 Milliarden Dollar verdoppeln. Auch die Nachfrage nach der Software «Office 365» zog kräftig an, innerhalb von drei Monaten erhöhte sich die Kundenzahl um eine Million auf 5,6 Millionen Abonnenten. Börsianer honorieren diese Entwicklung: Die Microsoft-Aktie verteuerte sich seit Jahresbeginn um einen Viertel.

Jeder weiss: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Doch gilt dies auch umgekehrt. Selbst, wenn Adobe im jüngsten Quartal enttäuschte, kommt das Unternehmen bei seiner Transformation gut voran. Etwas risikofreudigere Anleger spekulieren darauf, dass die Schwäche einmalig war und dass die nächsten Zahlen besser ausfallen werden.

Auch wenn die Microsoft-Aktie mit einem 2015er-KGV von 17 nicht mehr günstig ist – die neue Strategie des Softwaregiganten könnte sich langfristig auszahlen. Aufgrund des starken Momentums ist die Aktie für risikobewusste Anleger ein Investment.

Mit einem 2015er-KGV von 12 ist die Aktie nicht teuer. Zudem hat das Unternehmen einen Aktienrückkauf über 13 Milliarden Dollar angekündigt. Ausserdem fehlt es derzeit an Wachstum. Investierte Anleger bleiben dabei, Neueinsteiger setzen darauf, dass die Aktie die 40-Dollar-Marke rasch zurückerobert und dann wieder Fahrt aufnehmen wird.

Der jüngste Zukauf ist mit Blick auf Synergieeffekte und Marktanteilsgewinne sinnvoll. Doch ist die Übernahme sehr teuer und begrenzt den weiteren Handlungsspielraum von SAP. Zudem besteht die Gefahr, dass sich das Anfang des Jahres ausgegebene Margenziel für 2017 nach hinten verschieben wird. Die Aktie läuft seit Jahresanfang in einer engen Trading Range zwischen 55 und 60 Euro. Vor dem Einstieg warten Anleger einen Rückgang bis zur Unterstützung ab.