Saroum Toum lebt in Kambodscha in der Nähe von Phnom Penh. Die dreifache Mutter ist in ärmsten Verhältnissen aufgewachsen und arbeitete bereits als Kind auf einer Müllhalde, wo sie PET-Flaschen und anderen wiederverwertbaren Abfall suchte. Diesen verkaufte sie für wenig Geld an Zwischenhändler, welche das wertvolle Recyclinggut mit hohen Margen ins Ausland weiterverkauften.

Heute erzielt Saroum Toum ein monatliches Einkommen von umgerechnet 4000 US Dollar in einem Land, in dem das jährliche pro Kopf Einkommen rund 1000 US Dollar beträgt. Ihre Kinder gehen zur Schule und sie leben in einem sicheren Zuhause. Ermöglicht wurde ihr dieser Aufstieg dank einem Mikrokredit von anfänglich 100 US Dollar, der ihre Selbstständigkeit und den Aufbau eines erfolgreiches Recycling-Unternehmen ermöglichte. Sie erkannte nämlich schon früh, dass sie das wertvolle Rezykliermaterial besser direkt selbst bei den Haushalten einsammeln und dann in grösseren Mengen weiterverkaufen sollte. Das ist gesünder und die Marge ist deutlich höher. Mit dem Kleinstkredit konnte sie hierfür einige Plastiksäcke und einen Lagerplatz erwerben.

Professionelle Wertschöpfungskette für einen Weg aus der Armut

Saroum Toum ist eine von Millionen von erfolgreichen Unternehmerinnen, welche von einem Mikrofinanzinstitut (MFI) einen Kleinstkredit erhalten hat und so den Weg aus der Armut fand. MFI sind Finanzindienstleister in Entwicklungsländern, welche sich auf Angebote für arme Bevölkerungsschichten spezialisiert haben. Sie sind reguliert und häufig im Besitz einer Banklizenz und werden nach internationalen Standards beaufsichtigt.

Anzeige

Die sogenannten Kreditbüros schützen darüber hinaus die einzelnen Mikrounternehmer vor Überschuldung. Finanziert werden die Mikrofinanzinstitute durch – die wachsenden – Ersparnisse der lokalen Bevölkerung, durch Entwicklungsbanken sowie durch private Investoren, welche in der Regel über einen Anlagefonds investieren.

Soziale und finanzielle Rendite im Einklang

Das Mikrofinanz-Konzept geht auf Muhammed Yunus zurück, welcher 2006 dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Heute arbeiten die meisten Entwicklungsbanken mit Mikrofinanz und die Anlageklasse hat sich bei privaten Investoren etabliert. Mikrofinanz ist ein Gewinn für Millionen von Menschen wie Saroum Toum, die Gesellschaft insgesamt aber auch für Investoren, welche neben dem sozialen Aspekt auch eine attraktive finanzielle Rendite von rund 4 Prozent pro Jahr erzielen können.

Anleger können so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: wer in Mikrofinanz investiert und sein Portfolio breit diversifiziert, erwirtschaftet attraktiven Renditen und generiert zugleich einen sozialen Impact. Am effizientesten wird über Fonds investiert – die Schweiz nimmt dabei weltweit einen führenden Platz ein. Rund ein Drittel der in Mikrofinanzfonds investierten Gelder wird von Schweizer Firmen verwaltet.

* Patrick Scheurle, CEO von Blue Orchade 

 
 
 
 
 
 
 
 
Abonnieren Sie unseren stocksDIGITAL-Newsletter und erhalten Sie jede Woche die besten Invest-Tipps per E-Mail. Der StocksDIGITAL-Newsletter ist ein kostenloser Informationsdienst der Handelszeitung und wird jeden Freitag versendet: Hier geht es zur Anmeldung.