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Gastkolumne
Mindestkurs-Aus: Zwei Favoriten für Börsianer

Andreas Knörzer: Leiter Asset Management, Notenstein Privatbank

Auch nach dem Ende des Euro-Mindestkurses geht die Welt nicht unter. In Europa beispielsweise bietet die erwartete Konjunkturerholung Chancen. Forbo und Implenia sind zwei Favoriten für Anleger.

Von Andreas Knörzer
am 19.02.2015

Wer hätte damit gerechnet: Die SNB lässt mitten im Gefecht gegen den immer schwächer werdenden Euro den Mindestkurs von 1.20 Franken je Euro fallen. Einige Anleger haben zwar etwas vermutet, aber die wenigsten haben sich entsprechend am Aktienmarkt positioniert.

Die Folgen waren ein Kursrutsch von 15 Prozent im SMI und dramatisch negative Renditen am Kapitalmarkt. Wer aber den Mut hatte, in Aktien investiert zu bleiben, konnte gegenüber dem Tiefpunkt schon wieder rund 10 Prozent aufholen. Es empfiehlt sich also, Ruhe zu bewahren und sauber zu analysieren.

Schweizer Exportgüter sind weniger preissensitiv

Die Investoren sind sich bewusst, dass 60 Prozent der Schweizer Exporte in den Euroraum und 10 Prozent in die USA gehen und dass eine 15- bis 20-prozentige Verteuerung der helvetischen Produkte nicht einfach zu verdauen ist. Daher sind die Sorgen um die hiesige Exportwirtschaft und Konjunktur berechtigt.

Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass Schweizer Unternehmen gute Argumente dafür haben, wie sie der Frankenstärke trotzen können. So sind viele Schweizer Exportgüter wegen ihrer Qualitätsvorteile weniger preissensitiv und können im Welthandel bestehen. Schweizer Unternehmen haben zudem bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sich dank ihrer Flexibilität auf einen stärkeren Franken einstellen können. Entsprechend habe ich mich vom Schweizer Aktienmarkt keineswegs abgewendet.

Bauaktivität wird steigen

Bei der Auswahl von Schweizer Aktien setze ich auf Unternehmen, die von der zunehmenden Konjunkturzuversicht im benachbarten Ausland profitieren und die nicht massgebend unter dem starken Franken leiden. Welche Branchen stehen dabei im Vordergrund?

Das Niedrigzinsumfeld, der Anlagenotstand und die beabsichtigten Infrastrukturinvestitionen in der Eurozone werden wohl die Bauaktivität auf dem alten Kontinent weiter ankurbeln. Vor diesem Hintergrund gehören Schweizer Unternehmen im Baubereich wie Forbo und Implenia zu meinen Favoriten.

Forbo und Implenia als Geheimtipp

Forbo ist im Kernbereich Linoleum «Flooring Systems» mit einem globalen Marktanteil von 65 Prozent weltweit führend. Zwar fallen die Erträge mehrheitlich im Ausland in Euro oder Dollar an, aber auch die Produktionskosten.

Implenia hingegen ist noch stark inlandorientiert, diversifiziert aber ins europäische Ausland. 91 Prozent des Implenia-Umsatzes werden in der Schweiz und geschätzte 7 Prozent in Norwegen generiert. Das Unternehmen ist stärker den Binnenkonjunkturrisiken ausgesetzt und wird vom starken Franken weniger belastet als manch anderer Schweizer Industriewert.

Allerdings kann sich Implenia mit der Übernahme des deutschen Engineering- und Servicekonzerns Bilfinger Construction in den adressierten Auslandmärkten positionieren und die Abhängigkeit vom Schweizer Immobilienmarkt reduzieren. Die Aufhebung des Mindestkurses gegenüber dem Euro war für Implenia gar ein unverhoffter Geldsegen, da der Kaufpreis von Bilfinger Construction damit tiefer liegt als ursprünglich geplant gewesen ist.

Andreas Knörzer, Leiter Asset Management, Notenstein Privatbank.

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