Das Schlagwort Smart Beta sorgt im Markt für Exchange Traded Funds (ETFs) seit geraumer Zeit für Aufsehen. Immer mehr passive Fonds tragen dieses Label. Ihnen liegen Benchmarks zugrunde, die vom Strickmuster klassischer Aktienindizes abweichen. Ihre Initiatoren verfolgen das Ziel, das Risiko einer Anlage zu reduzieren oder eine Überrendite zu erzielen. Neu ist dieser Ansatz nicht. Lange bevor der ETF-Boom den Kapitalmarkt erfasste, buhlten die Anbieter von strukturierten Produkten mit speziellen Basiswerten um die Kundengelder. Ein gängiges Modell ist dabei die Momentum-Strategie. Sie basiert auf der Annahme, dass Aktien, die in der Vergangenheit überdurchschnittlich gut gelaufen sind, auch zukünftig auf der Siegerseite stehen werden. Insofern wäre es lukrativ, die historischen Top-Performer ins Portfolio zu legen und gleichzeitig auf fallende Kurse bei den Verlierern zu wetten.

Sarasin mit gemischter Bilanz

Genau hier setzte Sarasin schon vor knapp zehn Jahren an. Die Privatbank lancierte ein Momentum-Zertifikat (ISIN CH0021274946) auf den Schweizer Aktienmarkt. Vierteljährlich kommen die 20 SMI-Mitglieder auf den Prüfstand. Die Aktie, welche auf Sicht von einem halben Jahr die höchste durchschnittliche Monatsperformance zeigt, wird gekauft. Gleichzeitig wird der Blue Chip mit dem schwächsten Mittelwert verkauft. Bei diesem Ansatz fliesst zudem eine Geldmarktkomponente ein. Sarasin ruft für das Produkt eine Managementgebühr von 2,8 Prozent p.a. auf.

Der hohe Obolus ist nicht für das schwache Abschneiden des Derivats hauptverantwortlich. Kurz vor dem Laufzeitende (30. November) notiert das Tracker-Zertifikat bei weniger als einem Viertel des Emissionspreises. Nach einem starken Start brach das Produkt während der Finanzkrise 2009 dramatisch ein – von diesem Absturz hat es sich bis heute nicht mehr erholt. Seit Herbst 2006 wendet Sarasin das Long/Short-Konzept auch auf Grundlage des Euro Stoxx 50 an. Diese Variante (ISIN CH0026951209) hat eine bessere Bilanz vorzuweisen. Für das in rund einem Jahr auslaufende Zertifikat steht zum Ausgangswert ein Plus von 17,5 Prozent zu Buche. Damit hat das Derivat im Vergleich zum Index mit den 50 grössten Blue Chips der Eurozone die Nase weit vorn. Der Euro Stoxx 50 büsste in den vergangenen neun Jahren nämlich knapp einen Fünftel an Wert ein.

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Vontobel-Konzept geht voll auf

Auf eine ähnlich lange Historie blickt ein Tracker-Zertifikat (ISIN CH0027543708) der Bank Vontobel zurück. Das Ende November 2006 fixierte Derivat basiert auf einem Best of Swiss Funds Index. Mit dem Ziel, den heimischen Aktienmarkt abzuhängen, investiert die Strategie zu gleichen Teilen in zehn Fonds, die über einen Zeitraum von drei Jahren die stärkste Performance in ihrem Universum vorzuweisen haben. Neben aktiv verwalteten Portfolios sind im Basiswert momentan auch passive Indexfonds zu finden. Bis dato geht das Momentum-Kalkül voll auf. Seit der Emission hat sich das Zertifikat um mehr als 17 Prozent verteuert. Derweil ist es dem Swiss Performance Index noch nicht gelungen, die während der Finanzkrise eingefahrenen Verluste aufzuholen.

Übrigens: Im Zuge der Smart-Beta-Welle, bei der aktive und passive Investmentansätze kombiniert werden, hat auch der ETF-Markt den Momentum-Ansatz für sich entdeckt. Beispielsweise hat iShares seit Ende Februar an der SIX ein entsprechendes Produkt (ISIN IE00BQN1K786) im Handel. Gegen eine Gesamtkostenquote von 0,25 Prozent p.a. bildet der Branchenkrösus den MSCI Europe Momentum Index passiv ab. Zur Zusammenstellung dieser Benchmark wird für sämtliche im marktbreiten MSCI Europe enthaltenen Aktien eine Masszahl berechnet, die neben der Sechs- und Zwölfmonats-Performance eine Risikoadjustierung umfasst. Die Titel mit dem höchsten Momentum-Wert ziehen in den Gradmesser ein. Per Ende September umfasste die Auswahl 126 Positionen. Mit Novartis war zu diesem Termin ein Schweizer Blue Chip unter den zehn grössten Werten zu finden. In einer historischen Simulation kann der Ende 2013 lancierte Index überzeugen und schneidet dabei langfristig deutlich besser ab als der MSCI Europe.