Jetzt regiert noch die Angst. In nur vier Wochen rutschte der SMI schon beinahe um 10 Prozent nach unten. Auch andere internationale Leitbörsen sind tief in den roten Zahlen. Der EuroStoxx 50 etwa verliert seit Anfang Oktober ebenfalls rund 10 Prozent, der DAX liegt fast 15 Prozent im Minus. Im Dow Jones gab es im selben Zeitraum Verluste von über 5 Prozent.

Auslöser sind Konjunkturängste. Zuletzt hatten mehrere internationale Organisationen ihre Schätzungen für das Wirtschaftswachstum wichtiger Länder und Regionen zurückgeschraubt. Obendrein kamen auch aus nationalen Forschungshäusern teilweise sehr unangenehme Konjunkturwahrheiten an das Tageslicht.

In Deutschland beispielsweise rutschten nicht nur die vielbeachteten Konjunkturindizes wie Ifo-Geschäftsklima und ZEW-Index nach unten, auch die deutsche Bundesregierung kappte ihre Prognose. Das Nachbarland wird möglicherweise in diesem Jahr nicht mehr mit 1,8 Prozent wachsen wie bisher erwartet, sondern nur noch mit 1,2 Prozent. 2015 werden es wohl nicht mehr wie bisher prognostiziert 2,0 Prozent sein, sondern nur noch 1,3 Prozent.

Konjunkturangst – eine Übertreibung?

Betrachtet man nun aber den scharfen Kurseinbruch an den wichtigen Börsen, scheint das nicht mehr ganz im Verhältnis zu stehen. Denn: 1,3 Prozent Wachstum sind 1,3 Prozent Wachstum. Keine Rezession, keine Schrumpfung, keine Katastrophe.

Möglicherweise stehen in den nächsten Monaten sogar positive Überraschungen vor der Tür. Beispielsweise Dollargewinne in der Schweiz und im Euroland. Auch muss beispielsweise der starke Einbruch der Industrieproduktion in Deutschland im August von 4,1 Prozent kein Dauererlebnis sein – möglicherweise sehen schon die Zahlen für September wieder viel freundlicher aus.

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Bewertung nicht gefährlich hoch

Obendrein sind die Bewertungen am Aktienmarkt noch nicht exorbitant hoch. Nach dem Kursverfall seit Oktober liegt das Kurs-/Gewinn-Verhältnis im SMI nur noch im Bereich von 17. Das Kurs-/Buchwert-Verhältnis beträgt etwa 2,6. Im Hoch 2007 lag dieses mit 3,1 deutlich höher.

Möglicherweise findet der Spuk des Kursverfalls schon in wenigen Wochen wieder ein Ende. Dann nämlich könnte der Halloween-Effekt seine Wirkung entfalten. Es ist statistisch belegt, dass ab November ein monatelanger Aufwind an den Börsen einsetzt. Das erkannten Finanzwirtschaftsprofessor Ben Jacobson und Cherry Yi Zhang von der Massey-Universität in Neuseeland.

Über einen Zeitraum von 50 Jahren ermittelten die Experten für die sechs Monate zwischen November und April eine durchschnittliche Outperformance an 108 untersuchten Börsenplätzen von 6,3 Prozent im Vergleich zum Sechsmonatszeitraum Mai bis Oktober. Die Schweiz macht da keine Ausnahme. Seit 1988 verbuchte der SMI allein in den beiden Monaten November und Dezember in rund 70 Prozent der Jahre Kurssteigerungen.

Die SPI-Verlierer – Titel mit dem grössten Rebound-Potenzial

Also noch lange kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und Aktien zu meiden. Im Gegenteil. Vielleicht erweist sich die aktuelle Konjunkturangst als Übertreibung. Etwas risikofreudigere Anleger legen sich deshalb jetzt antizyklisch Aktien ins Depot, die in den letzten Wochen besonders stark gefallen sind. Sollten sich die Konjunktursorgen als übertrieben herausstellen, bestehen hier die grössten Erholungs- und Reboundchancen.

Nach jahrelangem Höhenflug hat die Aktie des Chemieunternehmens in den letzten vier Wochen 22 Prozent an Wert verloren. Dabei steigerte der Konzern aus Herrliberg seinen Umsatz in den ersten neun Monaten um 3,4 Prozent. Währungsbereinigt lag das Plus sogar bei 7,5 Prozent. Die Gewinnmitnahmen könnten sich als überzogen herausstellen.

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Deutliches Erholungspotenzial hat auch Sulzer. Nachdem Mitte September noch ein möglicher Bieterwettkampf mit Siemens um den US-Kompressorhersteller Dresser-Rand den Sulzer-Kurs beflügelt hatte, brachte das Ende dieser Spekulation zusammen mit der jüngsten Korrektur einen kräftigen Einbruch im Kurs des Maschinenbauers von mehr als 30 Prozent.

Die Aktie des Modeunternehmens büsste in den letzten vier Wochen 25 Prozent an Wert ein und zählt damit im SPI ebenfalls zu den Top-Verlierern seit Mitte September. Dabei konnte der Konzern aus Pfäffikon den Abwärtstrend im Geschäft im ersten Halbjahr mit einem auf bereinigter Fläche um 1,0 Prozent erhöhten Umsatz beenden. Anleger spekulieren auch hier auf einen Rebound nach der Übertreibung.

Die Aktionäre des Detailhändlers beklagen seit Mitte September ebenfalls hohe Kursverluste von rund 20 Prozent. Nachdem Dufry ihren Umsatz im ersten Halbjahr um 2,4 Prozent und bereinigt um Wechselkurseffekte sogar um 6,7 Prozent steigern konnte, könnte es sein, dass der aktuelle Kursrückschlag vor allem auch angesichts möglicher Dollargewinne im weiteren Jahresverlauf nicht fundamental begründet ist.

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