Die Bilanz ist ein Desaster! Alle Titel im SMI waren am Mittwoch infolge des jüngsten China-Crash auf Sicht von einer Woche noch tief im Minus. Die Spanne reichte von -5,1 Prozent bei Swatch bis hin zu -12,0 Prozent bei Transocean. Syngenta lag sogar 21,5 Prozent zurück. Doch beim Chemiekonzern war das weniger Folge der China-Sorgen, sondern vielmehr des Ausstiegs von Monsanto. Der US-Agrarchemiekonzern will nicht mehr und zieht sein Übernahmeangebot für das SMI-Mitglied zurück.

Zwar hat sich das Bild im SMI am Donnerstag nach den starken Kursgewinnen im Index deutlich aufgehellt – der Index liegt auf Wochenfrist noch um rund 5,0 Prozent zurück –, aber ein Titel hängt immer noch stark durch: Transocean. Der auf offshore spezialisierte Ölförderkonzern ging am Mittwoch wegen angekündigter Dividendenstreichung und avisierter ausserordentlicher Wertberichtigungen in die Knie. Allerdings litt die Aktie auch in den Tagen zuvor schon weit überproportional unter den China-Sorgen. Das Minus der letzten Woche beträgt jetzt 15,5 Prozent.

Top-Verlierer – Kuoni, Myrida Group, Sunrise …

Während es im SMI neben Syngenta und Transocean kaum mehr Werte mit nennenswerter Underperformance gegenüber dem Index gibt, finden Anleger im SPI weitere Titel, die im Crash stark gefallen und jetzt trotz der allgemeinen breiten Markterholung immer noch tief im Minus sind. Kuoni zählt dazu – das Wochenminus des Reisekonzerns liegt bei 18,5 Prozent. Auch Myriad Group hängt trotz jüngster Erholungstendenzen noch deutlich unter ihren Hochs von vor einer Woche und zählt mit einem Wochenminus von 8,7 Prozent zu den schwächsten Werten im SPI.

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Sunrise ist ebenfalls ein Titel mit überdurchschnittlichem Kursverlust. Zwar meldete der Telekomkonzern vor einer Woche einen Umsatzrückgang um 6,9 Prozent auf 488 Millionen Franken, doch damals nach der Berichterstattung verlor die Aktie nur bescheidene 4 Prozent. Richtig zur Sache kam es beim Konzern aus Zürich dann aber Ende letzter und Anfang dieser Woche. Da gab es schnelle Kursverluste von über 10,0 Prozent. Nach einer kurzen Zwischenerholung am Dienstag und Mittwoch ist die Aktie gestern trotz des starken Gesamtmarktes wieder deutlich abgerutscht und notiert jetzt um 8,1 Prozent unter ihrem Hoch von vor einer Woche.

… auch Charles Vögele ist im Abwärtssog

Deutlich im Rückwärtsgang ist seit einer Woche auch die Aktie von Charles Vögele. Der Kurs des Bekleidungs-Detailhändlers zeigt dabei allerdings keine extremen China-Sorgen-Einbrüche, aber auch keine Erholungsphasen. Die Aktie läuft vielmehr schön fast wie an einer Schnur gezogen im 45-Grad-Winkel nach unten.

Trotz der deutlichen Underperformance der genannten Titel besteht aber für diese fünf Aktien dennoch Hoffnung. Spekulativ orientierte Anleger steigen ein: 

Transocean: Da ist die 100-Tage-Linie nicht mehr weit entfernt. Risikofreudige Anleger setzen auf eine weitere Erholung des Dienstleisters der Ölförderindustrie und auf den Sprung über diese Hürde.

Sunrise: Die Daten waren so schlecht nicht. Der Telekomkonzern konnte seine Margen steigern und hält an der geplanten Dividendenpolitik fest. Da sind Renditen von 4 bis 5 Prozent im Jahr drin. Angesichts der hohen Rendite scheinen jetzt auch weitere Kursrückgänge zunehmend unwahrscheinlich zu sein, denn die Zinswende in den USA könnte auf sich warten lassen. Und da zählen dividendenstarke Aktien eigentlich nach wie vor zu den Top-Favoriten. Bei Sunrise ist auch die 100-Tage-Linie – bei rund 64 Franken – nicht weit weg. Fällt die Marke, könnte das schnell weitere Kurssteigerungen in Richtung 68 Franken auslösen.

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Charles Vögele: Zwar meldete der Bekleidungshändler vor wenigen Tagen für das erste Halbjahr einen Umsatzrückgang um rund 13 Prozent und einen Reinverlust von 36 Millionen Franken, doch das Unternehmen hält an seinen Zielen fest: Der Umsatzrückgang soll in diesem Jahr ein Ende finden und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Wertberichtigungen soll aus den roten Zahlen kommen. Möglicherweise haben Anleger infolge China-Angst Charles Vögele abverkauft nach dem Motto «lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende». Klappt aber der Turnaround des Unternehmens, dann hat die Aktie starkes Nachholpotenzial.

Ende vergangener Woche wurde offensichtlich auch Myrida Group aus den Depots geräumt. Jetzt notiert die IT-Aktie an der 5.0 Franken-Marke. Zudem ist auch die 100-Tage-Linie bei 5.10 Franken fast erreicht. Fallen diese Hürden, könnten die Wochenhochs um 5.40 Franken in Kürze wieder drin sein.

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Und der Top-Verlierer Kuoni? Der Reisekonzern kam im ersten Halbjahr infolge der eingeleiteten Neuausrichtung zwar in die roten Zahlen und erwartet in diesem Jahr ein operatives Ergebnis von 40 bis 50 Millionen Franken und infolge negativer Einmaleffekte in der Höhe von 178 Millionen Franken aus den nicht fortgeführten Geschäftsbereichen ein tiefrotes Ergebnis, doch die Ziele bis 2017 stehen. Das jährliche Wachstum soll bis dahin bei 5 Prozent, die operative Marge bei 3 Prozent liegen. Wenig positive Zahlen und dann noch ein allgemeiner Börsencrash bei der Präsentation am vergangenen Freitag – ein Kursverlust von 20 Prozent innert einer Woche war die Folge.

Nun allerdings notiert das Zürcher Unternehmen mit 199.80 Franken fast auf dem tiefsten Stand seit dem Jahr 2002 mit damals 178 Franken. Auch 2012 stand die Aktie nur knapp über der wichtigen 200-Franken-Marke. Doch in beiden Jahren – 2002 und 2012 – kam es innert weniger Monate zu einem rasanten Rebound und zu massiven Kurssteigerungen. Anleger setzen darauf, dass Kuoni auch jetzt wieder ihr Tief erreicht hat und von hier aus erneut eine Erholungsrally starten kann.

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