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Strategie
Nachhaltiges Investieren – auf Kosten der Rendite?

Puerto Rico: Grüne Investments sind profitabel. Keystone

Viele Anleger glauben, sie müssten sich entscheiden: Entweder fürs gute Gewissen oder für eine gute Performance. Aktuelle Daten zeigen, dass dies ein Vorurteil ist.

Von Beat Frühauf*
am 18.04.2017

Sein Geld auf eine Art und Weise anzulegen, die sich positiv auf unsere Welt auswirkt, liegt im Trend. Die Aussicht, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten 30 bis 40 Billionen Dollar an Anlagevolumen in die Hände von Millenials und Frauen übergehen, beflügelt zudem die Wachstumsaussichten: Diese Gruppen setzen nämlich mit einer doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit auf nachhaltige Kriterien beim Anlegen als heutige Investoren.

Nachhaltiges Investieren bezieht alle möglichen finanziellen Risiken mit ein. Nur wer das Gesamtbild im Blick hat, trifft die richtigen Entscheidungen. Viele nachhaltig orientierte Anleger setzen vor allem auf Ausschlusskriterien, um Unternehmen oder Sektoren zu vermeiden, die nicht mit ihren Werten oder Zielen vereinbar sind. Dazu gehören etwa fossile Brennstoffe, Tabak oder Waffen. Eine wachsende Anzahl von Investoren wählt aber gezielt Unternehmen mit einer starken Umwelt-, Sozial- und Governance-Leistung (ESG) aus.

Fundierte Analyse von Sektoren als Grundlage

Analysieren kann man dies via MSCI-Daten, dies auf Grund der Datenqualität und da alle wichtigen Unternehmen abgedeckt werden. Als Erstes wird ein negatives Screening der unerwünschten Sektoren vorgenommen, danach scheiden Unternehmen aus, die nicht mindestens ein A-Rating haben (Aktien) oder ein BBB-Rating (Bonds).

Die Selektion der Besten der jeweiligen Klassen erfolgt schliesslich sektorneutral. Auf diese Weise bleibt rund ein Viertel der Titel des ursprünglichen Universums übrig. Nun werden konkrete Anlageziele und -instrumente definiert. Bei passiven Investments sind dies vor allem ETFs (Exchange Traded Funds) oder Index-Fonds.

Bei bestehenden Portfolios ist es für Anleger entscheidend zu wissen, was sie besitzen. Wir können dabei behilflich sein, denn CO2-Daten und ESG-Kennzahlen von MSCI sind in unserer weltweiten Risiko-Datenbank bereits aufgenommen. Dies erlaubt es, ein Portfolio nach diesen Faktoren zu durchleuchten und wenn gewünscht anzupassen.

Mehr als eine Modeerscheinung

Viele Anleger glauben noch immer, dass nachhaltiges Investieren auf Kosten der Rendite geht. Aktuelle Daten zeigen jedoch, dass dies nicht stimmt. Werden beispielsweise traditionelle Indizes durch nachhaltige ersetzt, kann über fünf Jahre hinweg eine praktisch gleich hohe jährliche Rendite erzielt werden. Da die Volatilität tiefer ist, führt dies zu einer besseren Sharpe Ratio.

Das Thema nachhaltiges Anlegen ist deshalb mehr als eine Modeerscheinung. Es gehört zu einem seriösen Investitionsentscheid. Denn wird Nachhaltigkeit nicht berücksichtigt, ist das Risiko hoch, dass die eigenen finanziellen Ziele nicht erreicht werden können.

*Beat Frühauf ist Leiter Institutionelle Kunden ETF und Index Fonds bei BlackRock Schweiz.

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