Nachhaltigkeit ist für viele Menschen ein Wert, den sie nicht nur bei der Wahl ihres Verkehrsmittels, beim Einkauf ihrer Lebensmittel oder ihrer Kleider beachten wollen, sondern auch bei ihrem Anlageverhalten. Doch nachhaltig ist ein weiter Begriff. Ökologisch vertretbar sollen ihre Anlagen sein. Also ressourcenschonend und möglichst ohne Umweltschäden anzurichten.

Doch damit allein wollen sich viele moderne Anleger nicht mehr zufrieden geben. Gefordert sind auch ethische und soziale Minimalstandards. Also Ausschluss von Waffen- und Kriegsmaterialproduzenten, oft auch Verzicht auf Tabak- oder Alkoholfabrikanten. Und fast noch wichtiger: faire Bedingungen für die Arbeiter und Angestellten mit anständigen Löhnen, Chancengleichheit für beide Geschlechter und sicheren Arbeitsbedingungen − und selbstverständlich keine Kinderarbeit.

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Quadratur des Kreises?

Die Krux: Rein karitative Anlagen sollen es denn doch nicht sein, sonst könnte man ja gleich eine Hilfsorganisation mit Spenden unterstützen. Ziel wäre es, mit gutem Gewissen zu investieren und dennoch eine Rendite zu erzielen, die mit herkömmlichen Anlagen vergleichbar, zumindest nicht viel schlechter ist.

Die «Handelszeitung» hat in Zusammenarbeit mit dem VZ Vermögenszentrum die Renditeentwicklung von globalen ESG-Aktienfonds über die letzten drei respektive fünf Jahre untersucht. ESG steht dabei für «Environment, Social, Governance», also Umwelt, Soziales und (verantwortungsvolle) Führung. Reine Themenfonds mit Fokus auf Wasser oder erneuerbare Energie wurden dabei weggelassen. In die Auswahl kamen zudem nur Fonds mit einem Mindestvolumen von 50 Millionen Franken, die in der Schweiz auch für kleinere Anleger zugelassen sind.

Grosse Unterschiede

Dabei zeigte sich: Die Unterschiede sind gross, ebenso gross wie auch bei herkömmlichen Fonds. So erzielte beispielsweise der belgische DPAM Invest über die letzten fünf Jahre lediglich eine Rendite von 6,07 Prozent pro Jahr. Der in Luxemburg aufgelegte Robeco Global Conservative Equities (RGCE) brachte im gleichen Zeitraum mit 11,89 Prozent dagegen fast das Doppelte. Wermutstropfen aus Sicht ökologisch-sozialer Anleger: Der RGCE ist unter anderem auch in British American Tobacco investiert.

Der einzige ETF, der alle Auswahlkriterien erfüllte, der UBS ETF MSCI World SRI, erzielte in der analysierten Fünfjahresperiode eine Rendite von 10,69 Prozent pro Jahr und schnitt damit als zweitbester ab. Er orientiert sich am MSCI World Socially Responsible Index. Ähnlich sieht es bei den ausgewiesenen Kosten (TER) aus: Sie schwanken zwischen 1,13 und 2,12 Prozent. Lediglich der UBS-ETF kostet mit 0,38 Prozent deutlich weniger, was wohl einen Teil seines Renditeerfolgs ausmacht. Denn eine hohe TER drückt auf die Rendite.

Besseres Gewissen

Den Vergleich mit der Benchmark, dem MSCI AC World Index, brauchen die ESG-Fonds nicht zu scheuen. Mit 11,76 Prozent Jahresrendite liegt der Index im Drei- und im Fünfjahresvergleich zwar über fast allen ESG-Fonds. Dabei gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass der Index ohne jegliche Fondsgebühren berechnet wurde. Bringt man eine Durchschnitts-TER von 1,6 Prozent in Abzug, so hätte fast jeder Dritte ESG-Fonds den Vergleichsindex geschlagen. Zieht man lediglich eine Minimal-TER für ETF ab, so ist es noch immer etwa jeder Fünfte. Das entspricht durchaus den Durchschnittswerten, wie man sie auch bei herkömmlichen Fonds antrifft.

Fazit: Wenn manche Überzeugungstäter behaupten, nachhaltige Anlagen seien auch aus Renditesicht im Vorteil gegenüber traditionellen Anlageformen, so trifft das nicht zu. Ebenso unwahr ist allerdings die Behauptung, das Gegenteil treffe zu. «Ein signifikanter, ESG-bedingter Renditeunterschied ist nicht auszumachen», meint Dalibor Kolcava, beim VZ Vermögenszentrum für die Fondsauswahl verantwortlich. Für bewusste Anleger ist das eine gute Nachricht: Eine bessere Rendite lässt sich mit ESG-Fonds zwar nicht erzielen. Aber dafür ein besseresGewissen.

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