Was lange währt, wird endlich gut. Getreu diesem Motto schob sich der Nasdaq Composite Index am 23. Juli endlich über das bisherige Intraday-Rekordhoch von 5132,52 Punkten, das bereits am 10. März 2000 aufgestellt wurde. Erst nach mehr als 15 Jahren ist damit der scharfe Knick im Kursverlauf ausgemerzt, den es zur Jahrtausendwende durch das Platzen der Technologieblase gegeben hatte.

Mit einem aktuell gültigen neuen Intraday-Rekordhoch von 5164,36 Punkten kann der Ausbruch noch nicht als nachhaltig bezeichnet werden, und es bleibt auch in den USA abzuwarten, wie die Kurse einen möglichen «Grexit» verkraften werden. Aber gemäss dem Leitspruch «the trend is your friend» spricht an der gemessen an der Zahl der gelisteten Unternehmen grössten elektronischen US-Börse nach gut sechs Jahren Hausse vieles für weiter steigende Kurse. Denn Bullenmärkte werden oft erst durch eine Rezession beendet, und so, wie es nach den jüngsten Konjunkturdaten aussieht, wird wohl die US-Wirtschaft in den nächsten Monaten eher beschleunigt als abgebremst.

NASDAQ: Schon überdurchschnittlich hoch bewertet

Weil Rezessionen nicht immer frühzeitig erkannt werden, ist es ratsam, die Konjunkturdaten aufmerksam zu verfolgen. Zumindest im Hinterkopf haben, sollten Anleger auch einige Marktdaten. So ist die Bewertung noch nicht wieder so exzessiv wie im Jahr 2000, und auch die Gewichtung der Technologie- und Telekomtitel in diesem Handelssegment ist deutlich gesunken. Anderseits bewegt sich das geschätzte KGV der NASDAQ bei rund 25, was laut Ned Davis Research über dem langfristigen Durchschnittswert seit 1980 von 19,3 liegt. Kritisch zu werten, ist zudem die Höhe der auf Kredit finanzierten Aktienkäufe. Teilt man diesen inzwischen rekordhohen Wert durch das KGV der NASDAQ-Composite-Index-Vertreter, liegt auch diese Kennzahl über dem historischen Durchschnitt. Etwas nachdenklich stimmt zudem der rekordhohe Anteil, den Aktien bei den Vermögenswerten der US-Privathaushalte einnehmen.

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Zum Bumerang werden solche Daten in der Regel aber erst, sobald die Stimmung dreht und der Bullenmarkt endet. Aktuell kann davon beim Blick auf den intakten langfristigen Aufwärtstrend aber nicht die Rede sein. Mut macht in diesem Zusammenhang auch der Verlauf des Index über der 200-Tage-Linie seit Oktober 2014. Seit 1973 war das der Fall, und es kam laut Ned Davis Research auf Sicht von zwölf Monaten zu durchschnittlichen Kursgewinnen im Index von 13,5 Prozent. Handelte der Index hingegen unter der 200-Tage-Linie, schlossen sich daran Kursverluste von durchschnittlich 1,7 Prozent an. Darauf aufbauend setzen Anleger jetzt aber auf weitere Kurssteigerungen im Index, beispielsweise mit dem Lyxor ETF auf den NASDAQ 100 Index (ISIN: FR0007063177).

NASDAQ-Schnäppchen: Avago und Gilead Sciences …

Stockpicker kommen an der Nasdaq angesichts einer Zahl von rund 3100 gelisteten Unternehmen natürlich ebenfalls auf ihre Kosten. Konzentriert man sich bei der Suche nach interessanten Kaufkandidaten zunächst auf den NASDAQ 100 Index – dieser enthält die nach Börsenwert 100 grössten Aktien der an der NASDAQ gelisteten Unternehmen der Ex-Finanzindustrie –, dann wird die Auswahl erschwert, wenn man Schnäppchen favorisiert.  

Interessant ist hier aber der Halbleiter-Hersteller Avago Technologies Inc. (ISIN: SG9999006241). Dem Unternehmen werden in den nächsten fünf Jahren Gewinnsteigerungen von 26 Prozent p.a. zugetraut, das KGV liegt aber mit geschätzten 14,2 für 2016 deutlich tiefer. Auch der langfristige Chart sieht blendend aus, und wenn bei der verfolgten Akquisitionsstrategie keine Fehler begangen werden, sollte sich daran so schnell nichts ändern. Immer wieder auf Einkaufstour geht auch der Biotech-Konzern Gilead Sciences Inc. (ISIN: US3755581036), wobei hier ohne Akquisitionseffekte von Analysten für die nächsten Jahre ein Gewinnzuwachs von gut 13 Prozent prognostiziert wird. Dem steht für 2016 ein auf 10,5 zu taxierendes KGV gegenüber. Das erscheint zwar günstig, darin enthalten ist aber auch ein gewisser Bewertungsabschlag, der die Gefahr von möglichen gesetzlichen Preisbegrenzungen für die teuren Gilead-Medikamente berücksichtigt.

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… günstig ist auch Express Scripts

Der Pharma-Dienstleister Express Scripts Holding Inc. (ISIN: US30219G1085) versucht hingegen auch dabei zu helfen, die Kosten im Gesundheitssektor im Zaum zu halten. Das verfolgte Geschäftsmodell scheint gut funktionieren, wie ein blitzsauberer, langfristiger charttechnischer Aufwärtstrend zeigt. Geht es nach den Analysten, bleiben die Wachstumsaussichten solide, jedenfalls sagen sie im Schnitt für die nächsten fünf Jahre ein Gewinnplus je Aktie von 12,8 Prozent p.a. voraus. Dem steht auf der Basis des für 2016 erwarteten Gewinns je Aktie von 6,02 Dollar ein KGV von knapp 15 gegenüber. Damit scheint die Bewertung noch nicht komplett ausgereizt zu sein.

Sehr viel grösser wird der Pool an kaufenswerten Aktien, wenn bei der Bewertung ein Auge zugedrückt wird und vor allem Wert auf ein aussichtsreiches Geschäftsmodell, hohe Wachstumsraten, ein gutes Anlegersentiment und ein optisch überzeugendes Chartbild gelegt wird. Unter diesen Aspekten sind Internet-Schwergewichte wie der Versandhändler Amazon Inc. (ISIN: US0231351067), das soziale Netzwerk Facebook Inc. (ISIN: US30303M1027) oder der Streaming-Anbieter Netflix Inc. (ISIN: US64110L1061) immer interessant. Phantasie bergen diese drei Titel dank der für die kommenden Jahre erwarteten satten Gewinnwachstumsraten von 35,5 Prozent, 27,2 Prozent und 23,3 Prozent p.a. Die guten Aussichten werden an der Börse durch jüngst markierte Rekordkurse bei allen drei Titeln belohnt.

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Weitere Favoriten: Goodyear, Brocade und Biomarin Pharma

Abseits vom NASDAQ 100 Index gibt es zahlreiche weitere vielversprechende Werte. Zu nennen ist hier etwa Goodyear Tire & Rubber Co. (ISIN: US3825501014). Auch nach einer Kursverzehnfachung seit März 2009 bewegt sich das KGV des Reifenherstellers für 2016 nur bei 8,3.  

Etwas weniger dynamisch geht es zwar bei Brocade Communications Systems Inc. (ISIN: US1116213067) zu und her, aber auch hier hat sich ein steter Aufwärtstrend herausgebildet. Bei einem KGV von knapp zwölf auf Basis der für das Geschäftsjahr 2015/16 erwarteten Gewinne scheinen weitere Kursgewinne möglich zu sein.  

Biomarin – ein Übernahmekandidat

Von einem ganz anderen Kaliber als die bisher genannten Titel ist Biomarin Pharmaceutical Inc. (ISIN: US09061G1013). Dahinter steckt ein Anbieter von Biopharmazeutika für schwere Krankheiten und medizinische Anwendungen. Die Gesellschaft ist mit einer aussichtsreichen Produktpipeline bestückt, wie etwa einem Mittel zur Behandlung von Kleinwuchs. Biomarin gilt deshalb auch als heisser Übernahmekandidat. Das Übernahmekarussell im Biotechsegment dreht sich derzeit rasant.

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