Santhera Pharma: +780 Prozent in den letzten fünf Jahren. Cosmo Pharma: +760 Prozent seit 2011. u-blox Holding: +330 Prozent in fünf Jahren, und 310 Prozent Kursanstieg bei Bergbahnen Engelberg. Mit einem Plus von 240 Prozent deutlich abgeschlagen folgt dann Actelion. Und bevor mit Givaudan mit einer Fünfjahresperformance von 100 Prozent der nächste SMI-Titel ganz weit zurück auf Actelion folgt, liegen zwischen diesen beiden Blue Chips noch 17 Nebenwerte aus dem SPI, die seit 2011 besser liefen als der Duftkonzern.

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Nicht viel anders sieht die Erfolgsbilanz der Blue Chips bei der Performance der letzten zwölf Monate aus. Auf Rang 23 im SPI kommt hier Actelion mit einem Zwölfmonatsplus von 23 Prozent. Fast alle 22 Titel aus dem SPI, die in den letzten zwölf Monaten besser gelaufen sind als das SMI-Mitglied, bringen es hingegen auf Kurssteigerungen seit Mai 2015 von 30 Prozent und teilweise sogar auf deutlich mehr. Da geht es hinauf bis zur Kursverdopplung bei Emmi.

Nebenwerte laufen besser als Blue Chips, …

Das zeigt ganz klar: Nebenwerte laufen weit besser als Blue Chips. Eine solche Outperformance gibt es aber nicht nur in der Schweiz, auch in anderen Ländern schneiden Aktien aus der zweiten, dritten oder gar vierten Reihe besser ab als die grossen Standardwerte. Die Outperformance wird durch Studien, die über einen sehr langen Zeitraum hinweg erfolgen, bestätigt. 

So bringt eine langfristige Untersuchung des US-Beratungshauses Ibbotson Associates für die USA zutage: Während die grossen Blue Chips in den Staaten zwischen 1928 und 2012 eine jährliche Performance von durchschnittlich 9,5 Prozent gebracht haben, kamen US-Nebenwerte in diesen 85 Jahren auf ein jährliches Plus von 12,0 Prozent pro Jahr.

… über den Zinseszinseffekt zahlt sich das auf lange Sicht gewaltig aus

Auf lange Sicht rechnet sich das enorm, und da tritt der Zinseszinseffekt ganz besonders klar hervor. Wer bei der Geburt im Jahr 1928 US-Blue-Chips im Wert von 1000 Dollar geschenkt bekommen hat, hatte an seinem 85 Geburtstag im Jahr 2012 ein Vermögen von 2,2 Millionen Dollar. Bei Investition des Ausgangsbetrags in US-Nebenwerte wurde aus den 1000 Dollar in 85 Jahren allerdings mit 15,3 Millionen Dollar rund siebenmal mehr.

Anleger lernen daraus zwei Dinge: Zum einen sollten Börse und Aktien nur langfristig betrachtet werden, damit der Zinseszinseffekt voll ausgekostet werden kann, zum anderen sollte auf die hohe Performance von Nebenwerten gesetzt werden. Dass kleinere Unternehmen schneller wachsen können als Blue Chips, leuchtet ein. Denn, dass die Grosskonzerne wegen einer hohen Umsatzbasis keine grossen Wachstumsschritte machen können, ist verständlich. Den Umsatz in wenigen Jahren von 1,0 auf 2,0 Millionen Franken zu verdoppeln, ist weit einfacher, als von 50,0 auf 100,0 Milliarden Franken.

u-blox – Umsatzverdreifachung in fünf Jahren

Die drei Top-Performer im SPI der letzten fünf Jahre, Santhera, Cosmo und u-blox, zeigen das sehr eindrücklich. u-blox beispielsweise stand vor fünf Jahren noch vergleichsweise am Anfang und schrieb 2011 einen Umsatz von 124,7 Millionen Franken. Im vergangenen Jahr hatten sich die Erlöse bereits auf 338,2 Millionen Franken fast verdreifacht. Der Gewinn legte fast im selben Tempo zu und kletterte in den letzten fünf Jahren von 16,5 auf 37,1 Millionen Franken. Die Bewertung des Technologieunternehmens ist damit bei einem KGV von rund 30 ziemlich konstant geblieben.

Aber nicht nur die Ausgangsbasis, sondern auch Research spielt eine Rolle. Nebenwerte – insbesondere Small Caps – werden häufig nur unregelmässig von Analysten beobachtet und bewertet. Die Schätzungen sind oft veraltet, Updates bringen aber nicht selten kräftige Prognoseanhebungen. Das zieht die Wahrnehmung der Börsianer auf sich und bringt überdurchschnittliche Kurssteigerungen.

Nebenwerte – schneller aus der Krise

Zudem laufen Small Caps auch nach einer Rezession deutlich besser als Blue Chips. Nach einer Studie des US-Researchhauses Ned Davis kamen Small Caps in den USA nach den 13 Rezessionen zwischen 1927 und 2003 am besten aus der Krise heraus und brachten in den ersten drei Jahren nach einer Rezession ein durchschnittliches Kursplus von 89 Prozent. Blue Chips schafften hingegen nur Steigerungen von 52 Prozent.

Börsianer sehen zwei Gründe für die schnellere Erholung der kleinen Werte. Zum einen sind kleine Firmen flexibler als Grosskonzerne und können Restrukturierungen in einer Krise leichter umsetzen. Geht es dann nach der Rezession operativ wieder nach oben, bringen höhere Umsätze und durchgeführte Restrukturierungen einen Schub bei Marge und Gewinn.

Aktien aus der zweiten und dritten Reihe: Favorit 1 ist u-blox

Wer auf Nebenwerte setzen will, wirft einen Blick auf einen der alten Top-Performer der letzten Jahre – u-blox. Der Konzern aus Thalwil bietet Chips und Module für drahtlose Kommunikation und Positionierung und profitiert damit von Trends wie der allgemeinen Vernetzung von IT-Geräten und auch vom Internet der Dinge.

In diesem Jahr sollen Umsatz und operativer Gewinn um bis zu rund 20 Prozent steigen, und nach einem avisierten Umsatz von 395 bis 405 Millionen Franken im 2016 sollen die Erlöse mittelfristig auf 500 Millionen Dollar klettern. Die Aktie läuft seit einem Jahr zwar nur seitwärts, bringt damit aber eine Outperformance gegenüber dem schwachen SMI von mehr als 10 Prozent. Klappt es mit den Zielen, wäre schon in diesem Jahr ein KGV um 20 drin, und in einigen Jahren könnte die Bewertung in Richtung 10er-Gewinnmultiple abschmelzen. Da sind weitere Kurssteigerungen zu erwarten.

Favorit 2: Uzin Utz

Der Komplettanbieter für Produkte und Lösungen für alles rund um das Thema Boden wächst seit vielen Jahren mit Raten meist im mittleren einstelligen Prozentbereich. 2015 allerdings stieg das Tempo, und der Umsatz des Konzerns aus Ulm in Bayern kletterte um 9,9 Prozent auf 253,2 Millionen Euro. Uzin Utz profitiert dabei von ihrer hohen Innovationskraft – so sind 57,4 Prozent der Produkte maximal fünf Jahre auf dem Markt – und von der internationalen Expansion. Im vergangenen Jahr wurde ein Werk für Trockenmörtel mit angeschlossenem Schulungszentrum für Handwerker in den USA eröffnet, und im Jahr davor ging eine Fabrik in den Niederlanden in Betrieb.

Wegen strikter Kostendisziplin und der Strategie – nicht: Umsatz um jeden Preis – kletterte der Gewinn des Spezialchemieunternehmens im vergangenen Jahr weit überproportional um 25,9 Prozent auf 2,72 Euro je Aktie. Das Wachstum ist auch im ersten Quartal vorangekommen, und die Umsätze stiegen um 6,6 Prozent, wobei der operative Gewinn erneut mit einem Plus von 33,8 Prozent klar überproportional nach oben gegangen ist. Angesichts des starken nachhaltigen Laufs des Unternehmens scheinen die mittelfristigen Ziele bis 2019 gut erreichbar zu sein: Firmenchef Thomas Müllerschön peilt bis dahin – also bereits in drei Jahren – einen Umsatz von 400 Millionen Euro an. Da der Gewinn dabei weiterhin überproportional steigen dürfte, könnte es sein, dass das Ergebnis bei 5,0 Euro je Aktie oder höher liegen wird. Nachdem sich die Aktie in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat, ist es möglich, dass der Kurs nochmals um weitere 50 Prozent oder mehr nach oben gehen wird.

Favorit 3: Rieter Holding

Der Anbieter von Textilmaschinen will die Abhängigkeit vom starken Franken durch Verlagerung der Produktion nach Asien verringern und das margenstarke Servicegeschäft ausbauen. Zwar ist der Umsatz des Konzerns aus Winterthur im vergangenen Jahr um 10 Prozent auf 1,0 Milliarden Franken gefallen, doch unter anderem das starke Wachstum in Asien – dort steigerte Rieter den Umsatz im vergangenen Jahr ohne China und Indien um 19 Prozent – und die Stärkung des margenstarken After-Sales-Bereichs sollen in den nächsten Jahren einen Umsatzanstieg auf 1,3 Milliarden Franken bringen.

Zudem peilt CEO Norbert Klapper einen Anstieg der operativen Marge um rund 50 Prozent an, von 7,0 auf 10 Prozent. Das Ergebnis je Aktie könnte sich dadurch in den Bereich von etwa 20 Franken verdoppeln. Mit einem 10er-KGV wäre Rieter dann günstig bewertet, und die Aktie könnte dadurch schon in wenigen Jahren wieder in den Bereich der 2011er-Hochs um 400 Franken klettern. Kurzfristig besteht technische Phantasie aus der 100-Tage-Linie und aus dem Widerstand bei 200 Franken. Nach der jüngsten Korrektur setzen Anleger darauf, dass der Titel von der Durchschnittslinie nach oben abdrehen und dann auch die psychologische Kursmarke schnell wieder überspringen kann.